Titel: Essenzielles

In dieser Rubrik schreibt Angelika Aliti in unregelmäßigen
Abständen rund um das Thema Weisheit und Selbsterkenntnis.

Aktuelles
Aktuelle Termine und Veranstaltungen rund um Schlangenberg-Essenzen.
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Abschied
17. Oktober 2007

Ist es denn wahr? Ich schaue mich um und staune. Der Wald beginnt, sich zu verfärben. Der wilde Wein am Hexenhaus ist pengrot und goldgelb. Der Sommer ist schon lang gegangen. Der Altweibersommer? Längst im Altersheim. Es ist echter Herbst, da kann ich mir nichts mehr vormachen. Ich räume auf. Ich miste aus. Ich verabschiede mich von allem, das verbraucht ist. Sperrmüll; das Labyrinth, das zwischen Bäumen gelegt, vielen Menschen viel Stille und Konzentration geschenkt hat; Vorstellungen und veraltete Erwartungen; eine vergangene Liebe; ein paar meiner geliebten tierischen Gefährten, die gestorben sind; ein paar Projekte, die nicht hielten, was sie versprachen.

Es ist auch Erntezeit. Maroni, Apfel, Kürbis, Walnuss, Wein. Die Zwetschgen sind bereits verarbeitet. Alles üppig, üppig. Erntedank. Alle, die mit unseren Blütenessenzen arbeiten, freuen sich darüber und bedanken sich. Dabei sollte ich mich bedanken.

Glückskinder
11. Juli 2007

Das sind wir heuer hier im wilden Süden: Glückskinder! Ein Sommer so heiß wie im Sommer. Immer wieder mal eine kleine eintägige Kaltfront, aber sonst ... Hitze, Hitze, Hitze. Fast alle Blüten, die in den Essenzen stecken, haben ihre Zeit gehabt. Aber da ist ja noch die Gartenrose! Ich habe Rosen immer geliebt, und es ist mir ganz egal, ob das kitschig ist oder nicht. Dabei gefallen mir die Wildrosen ebenso wie meine kultivierten Gartenrosen. Und dann habe ich ja noch eine, die war einmal eine hochgezüchtete Gartenrose aus dem Blumensupermarkt. Zwei Sommer lang blühte sie so wie man es von ihr erwartete. Aber dann wurde es ihr wohl doch zu fad. Sie verwilderte und wurde zur schönsten Wildrose, die ich je gesehen habe. Ein riesiger Strauch in unserem Wildgarten. Lustig. Dass dies auch für Menschen zu empfehlen ist, habe ich in mehr als einem Buch zum Thema gemacht.

Wie schwer es doch für uns ist, einfach wir selbst zu sein. Die eigene Bestimmung zu finden. Den eigenen Weg zu gehen, ob Konventionen zu berücksichtigen sind oder Nachbarn am Tuscheln gehindert werden müssen. Wer die Essenz der Gartenrose nimmt, sollte wissen, dass sich hinter ihrer Zärtlichkeit auch ein wenig der wilden Eigensinnigkeit ihrer wilden Schwester verbirgt.

Extrakte und Essenzen
7. Mai 2007

Immer wieder wird mir vorgehalten, ich sei zu pingelig, wenn es um das geht, was man sagt. Dazu stehe ich. Man muss Worte auf die Goldwaage legen. Wir haben die Sprache deshalb, damit wir uns ausdrücken können. Wenn Grunzlaute ausgereicht hätten, um im menschlichen Leben zurechtzukommen, warum dann die Mühe der Sprachentwicklung? Zur Zeit beschäftigt mich, dass immer wieder Extrakt und Essenz verwechselt wird. Das ist lustig, denn ich glaube kaum, dass jemand einen Suppenwürfel und eine Blütenessenz durcheinander bringen würde? Ein Extrakt ist in der Tat die Reduzierung auf das, was als Zusammenfassung bleibt. Dann haben wir meist vor allem das Wasser in der Substanz zum Verschwinden gebracht. Die Essenz jedoch ist der Geist, das Wesentliche, das Eigentliche. Und wenn wir das greifbar machen wollen, müssen wir vor allem zum Wasser greifen. Nicht ohne Grund assoziieren wir Wasser mit Emotion in der Welt der Symbole. Denn Wasser transportiert auf geheimnisvolle Weise die Essenz, das eigentliche Wesen von allem, was existiert.

Ich stehe hier auf diesem Hügel und schaue weit nach Osten, nach Süden und nach Westen (im Norden steht ein dichter Wald und schützt). Endlich kam der Regen nach diesem unglaublich südlichen Frühjahr.

Blühen und blühen lassen
2. Mai 2007

Was wären die Blüten ohne die verschiedenen Brummer, die herumfliegen - die Wildbienen und die Hausbienen, die Wespen, Hummeln und Hornissen. Wenn man sich im Frühjahr in die Wiese setzt, gleich unter den alten Birnbaum, und einfach nur schaut und schaut - dann wird einem klar, dass dieser Planet in Wahrheit den Insekten gehört. Die Herrschaften Blütenbestäuber sind dabei für uns die wichtigsten unter denen die da kreuchen und fleuchen. Eigentlich unsere besten Freunde. Haberer. Spezln. Amigos.


Blüten und Blumen
26. April 2007

Allen Menschen geht - so scheint's - das Herz auf, wenn sie Blumen sehen. Allen außer mir. Ich finde Blumen schön, wenn sie vortäuschen, Blüten zu sein, ansonsten tun Blumen mir leid, vor allem, wenn sie abgeschnitten und in Vasen gesteckt, langsam vor sich hinsterben. Ach und wie sie duften, höre ich dann und erspare mir aus Höflichkeit den Hinweis, dass es sich um ein Notprogramm handelt, das die Blume kurz vor dem Exitus noch einmal hochfährt. Schnittblumen gehören für meinen Geschmack ganz sicher zum Ritual von Beerdigungen, dessen unverzichtbarer Bestandteil sie ja sind. Ich mag sie mir nicht ins Haus holen, um mich an ihrer Schönheit zu erfreuen. Und wieso auch. Im Gegensatz zur Pflanze habe ich Füße, und mit denen begebe ich mich gern zur Pflanze hin, um sie zu besuchen und zu bewundern.

Blüten entwickelt nahezu jede Pflanze und das ist etwas ganz anderes. Es ist Ausdruck der Lebensstation einer Pflanze, die sich auf dem Weg vom Samen zum vertrockneten Blatt und Strunk befindet. Die schönste Lebensstation, die strahlendste. Das Prinzip bedingungsloser Bejahung. Einem Menschen in seiner jugendlichen Kraft vergleichbar. Zum Trost für alle nicht mehr jungen Menschen muss man zwar darauf hinweisen, dass die Schönheit einer Pflanze nicht vorbei ist, wenn die Blüten verblüht sind, aber es ist die Zeit der vollen Blüte, die einfängt, was das Wesen der Pflanze ausmacht.

Angelika Aliti