Denk mal !



Herzlich willkommen in dieser Rubrik, in der in unregelmäßigen Abständen Texte von mir zu lesen sind, die sich aus meiner Arbeit als Autorin, Theatermacherin und Philosophin, Therapeutin und Köchin ergeben.


15. Februar 2009

Ich verehre ihn


Seine Kolumnen lese ich mit höchstem Genuss. Der Mann hat Witz, Biss und einen klaren Verstand. Ich spreche von Helmut A. Gansterer; Wirtschaftsjournalist. Im neuen Profil hat er es mal wieder auf den Punkt gebracht. Er schreibt:
"Wenn rundherum kein Ausweg mehr sichtbar ist: Der Ausweg ins Innere steht immer frei. Im ärgsten Getöse kann man untertauchen in die Luftschutzkeller des eigenen Ich. Nur dort ist Stille zu finden. Man kann dort, wie uralte Zen-Mönche sagen würden, die Festplatte reinigen oder neu formatieren, die Arbeitsspeicher aufrüsten, die Prioritäten-Software umschreiben. Um dann mit neu gebündelten Kräften wieder an die Oberfläche des Alltags zu schweben und allen Feinden in den Arsch zu treten."
Ich verehre ihn.



14. Februar 2009

Bist du ein Glückskind?


Sind das nun schwere Zeiten oder einfach bloß Zeiten? Und was ist der Unterschied? Eine Frau, die ich sehr mag, war vor vielen Jahren so leichtsinnig, einen Soziopathen zu heiraten. Natürlich wusste sie zu dem Zeitpunkt weder, dass er einer ist noch wusste sie, was das ist. Um die Geschichte abzukürzen: Jetzt weiß sie es. Dazwischen kamen zwei Kinder, eines Tages die Trennung und ein zermürbendes, jahrelanges Scheidungsmobbing, bei dem sie beinahe seelisch ermordet worden wäre. Nun hat sie das alles siegreich hinter sich gebracht und hoffte auf gute Zeiten. Stattdessen gibt der Soziopath nicht auf. Warum sollte er. Er bezieht sein ganzes erbärmliches Lebensglück aus dem Quälen anderer Menschen. Können wir also sagen, die schlechten Zeiten hören nicht auf? Oder muss man es ganz anders sehen? Ich habe sie gefragt, wie sie die Sache nun angehen will, also, ob sie sie als Glückskind oder als Pechvogel angeht.
Die Antwort ist wichtig und sie muss stimmen. Denn je nachdem hat es andere Folgen. Glückskinder wachsen am Geschehen. Pechvögel kämpfen ums Überleben. Beide haben dieselben Probleme und Schwierigkeiten, dasselbe Leiden, dieselben Krankheiten. Aber für das Glückskind bedeutet es etwas anderes als für den Pechvogel.

Ich habe gestern in DIE ZEIT ein Interview gefunden, aus dem ich hier zitieren möchte. Es sind die Worte eines Mannes, der als Ausbrecherkönig gilt und zig Jahre im Gefängnis saß, davon 17 Jahre in Einzelhaft. Er sagt:

Vaujour: Ich habe mich durch die harte Schule verändert, bin immer tiefer in mich eingedrungen, bis zu etwas, was ich nicht erwartet hatte zu sein. Je härter der Weg ist, desto mehr Kräfte entdeckt man in sich, Kräfte, von denen man nichts wusste und die man vielleicht immer noch nicht kennen würde, wenn man nicht gezwungen worden wäre, weiter zu gehen.

ZEIT ONLINE: 1986 bekamen Sie während eines Banküberfalls in Paris einen Kopfschuss ab. Kaum aus dem Koma erwacht und mit einer halbseitigen Lähmung wurden Sie in Isolationshaft gesteckt. 17 Jahre lang.

Vaujour: Durch diese Erfahrung bin ich geworden, was ich heute bin. Ich hatte Glück und musste weiter gehen als normal. Und durchhalten. Ich glaube, dass man alles erreichen kann, wenn man bereit ist, alles zu opfern - ganz besonders das, was man glaubt zu sein.

Ich bin ein Glückskind. Immer gewesen. Von der oben beschriebenen Frau weiß ich auch, dass sie ein Glückskind ist. Sie ist aus dem Scheidungsmobbing stärker denn je hervorgegangen. Sie ist dran gewachsen. Und sie wird es auch weiterhin. Ich kenne sie.

Und du? Bist du ein Glückskind?



10. Februar 2009

Bilderbuchhimmel


Ich schaue aus dem großen Fenster im Holzhaus und schaue auf einen Abendhimmel im Osten wie aus dem Bilderbuch. Das Blau in Schattierungen von strahlend Blau bis zartblausa, in welchem kugelige Wolken schweben, weiß bis tiefrosa. Auf der anderen Seite des Schlangenberges geht die Sonne unter und bietet grandioses Farbenspiel von dunkelgelb über orange bis tief goldrot. Es dauert nicht mehr lang, dann geht alles in den Zauber der Blue Hour über. Die beiden jungen Hunde sind müdegespielt. Die Schafe haben ihr Nachtmahl aus Rübenschnitzeln genossen. Die Katzen schlafen sowieso.
Alles ist verändert auf dem Schlangenberg. Die Schwingung ist eine andere geworden seit meine letzte Ziege und mein letzter alter Hund Tipsy nicht mehr bei mir sind.
Wir leben im Kraftfeld der Sonne (was augenblicklich den meisten Menschen unseres Breitengrades nicht so offensichtlich ist), ein riesiges Kraftfeld, das den Gesetzen der Schwerkraft folgt. Wir unterliegen der Macht der Materie. Wirklichkeit ist das gepflügte Feld, das erbaute Haus, das Geld, unsere physischen Leiber, die vollzogene Handlung, also die Tat. Aber wir bewohnen auch das Reich der Seele, in dem sich nichts messen, wägen oder irgendwelchen Gesetzen unterzuordnen ist. In diesem Reich kann nichts bewiesen werden, was wahr ist. Wir verfügen außerdem über das Potenzial des Willens. Dazu gehören alle Wünsche, Strebungen, Triebe, Leidenschaften. Und nicht zuletzt kennen wir die Sphäre des Geistes. In dieser Sphäre erkennen wir, dass die Welt nicht nur bloße Materie ist oder ein Tummelplatz der Gefühle oder die ständige Auseinandersetzung von Willenskräften, sondern eine Vielzahl von Formen und Gestalten, Ideen und Wandlungen.
Ich meine, dass wir unsere Lebenslektionen zur Zeit aus der materiellen Welt erhalten. Gerade deshalb liegt die Antwort auf viele materielle Fragen in der metaphysischen, der nicht-materiellen Welt. Laotse sagte: Das Stoffliche birgt die Nutzbarkeit, das Unstoffliche wirkt Wesenheit. Ja.



09. Februar 2009

Loslassen lernen


Eine Ära geht zu Ende. Vorgestern ist meine letzte Ziege gestorben. Mietzker war wirklich eine Methusalem, aber mit einem eisernen Lebenswillen. Nun ist sie wohl bei den anderen zehn, die so viele Jahre bei mir gelebt haben; von denen ich unglaublich viel über das Leben lernte; alle nun versammelt im Ziegenhimmel. Ich hoffe, dass sie dort fröhlich und ohne Schmerzen herumspringen und göttliche Gemüsegärten überfallen. Seit beinahe zwei Wochen ist meine alte Hündin Tipsy verschwunden. Auch sie noch eine Begleiterin aus der alten Zeit. Sie war schon sehr krank, hat kaum noch gefressen. Vielleicht ist sie zum Sterben fortgegangen. Ich lerne wieder einmal loszulassen.
Auf dem Schlangenberg ist alles ganz verändert seither, auch wenn sich äußerlich nicht mehr verändert hat als dass eine alte gebrechliche, von Arthrose geplagte Ziege nicht mehr da ist.



03. Februar 2009

Zeit der neuen Ernsthaftigkeit


Vor zehn Jahren habe ich das erste Mal vor einem größeren Publikum darauf hingewiesen, dass mit dem Jahr 2008 dramatische Veränderungen über uns hereinbrechen werden. Seither war es immer wieder ausführliches Thema in vielen meiner Veranstaltungen. Dies schreibe ich nun nicht, um mit meiner Weitsicht zu prahlen (was ein Leichtes ist, wenn man etwas von Astrologie versteht), sondern um den bewussten und klaren Blick auf die neuen Verhältnisse anzuregen.
Es zeigt sich ja nicht nur in der großen Welt. Auch in meinem alltäglichen Leben wird kräftig aufgeräumt. Ich habe einige aufgeblasene Täuscher und krankhafte Aufschneider, so manch egozentrische Seelenaussauger aus meinem Leben geschickt und frage mich heute, wie ich es eigentlich die ganzen Jahre nur ertragen habe. Die Antwort ist ganz einfach: es war eine andere Zeit. Es musste erst heute werden, sprich diese neue Zeit anbrechen, um sehen zu können. Wir haben eine Zeit der Ernsthaftigkeit erreicht.
Es scheint, dass niemand mehr jemandem etwas vormachen kann. Selbst auf den Papst fällt das unbarmherzige Licht der Wahrheit. Noch vor nicht allzu langer Zeit habe ich in Regensburg, als ich in einer dortigen Buchhandlung las, einen zugegebenermaßen recht respektlosen Scherz über "Ratzi" gemacht. Ich erntete nur verständnislose Blicke. Nicht, weil ich die Pointe vielleicht versemmelt hatte und schon gar nicht las ich vor dem Bund katholischer Hausfrauen, nein, es waren alteingesessene Fans von mir, Stammleserinnen, Feministinnen, die mit Amtskirchen und männlichen Führern, denen man bedingungslos zu folgen hatte, kaum etwas anfangen konnten. Warum fanden die mich damals so doof? Weil sie sich gar so sehr einen Papst zum Liebhaben gewünscht hatten und darum meine in einen Scherz gekleidete Kritik an diesem Mann nicht wahrhaben wollten. Und so projizierten sie ihre Wünsche auf diesen knallharten Dogmatiker, redeten entzückt über seine roten Schuhe und seine Schwäche für originelle Kopfbedeckungen. Rote Schuhe? Rote Schuhe sind das Symbol des Kriegsgottes Mars. Heute sind alle Illusionen zerplatzt. Heute steht der Mann ganz aus eigener Kraft völlig blamiert vor der ganzen Welt als der, der er wirklich ist (und schon immer war). Unübersehbar. Ich kann mir meine Scherze sparen. Wie gesagt, eine neue Zeit der Ernsthaftigkeit.
Kehren wir zur kleinen Welt zurück. Ich blicke auf die vergangenen Monate zurück, als alle Welt zugeben musste, dass wir alle über unsere Verhältnisse gelebt haben. Und ich stellte fest, dass nicht wenige, denen ich Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet hatte, weit über ihre geistigen Verhältnisse gelebt hatten. Was lehrt uns das? Dass man jederzeit in die Falle der Hybris tappen kann. Und dass so manche Anmaßung nur deshalb existiert, weil niemand rechtzeitig Einhalt gebietet und Illusionen zerplatzen lässt. Nun, in den neuen Zeiten ist Solidität gefragt. Das Mundwerk als Handwerk und all den geschwätzigen Plappermäulern das Handwerk gelegt.
Ich beginne, diesen neuen Zeiten etwas abzugewinnen.
In ein paar Tagen hat diese Website ein neues Kleid. Ich werde dann ausführlicher und öfter über meine Arbeit berichten. Über Erfahrungen aus der Essenzentherapie. Was heißt Erfahrungen! Über diese wunderbare und elegante Form der Seelenarbeit, die die Essenzentherapie bedeutet. Über einzelne Blütenessenzen und ihre Impulse. Über das Kochen als Lust. Vielleicht schon mal ein paar Kostproben aus dem neuen Krimi.



28. Januar 2009

Starke Medizin


Ich setze hier einen Text hinein, der von Boethius stammt, einem Philosophen, der von 480 - 524 (nach Ch.) lebte. Er stand in der Denktradition der antiken Philosophie, die später der christlichen Welterklärung weichen musste. Er ist in ein fiktives Gespräch mit der Philosophie verwickelt. Diese sagt ihm:

"Ich kenne nun auch die andere und größere Ursache deiner Krankheit, sagte sie: du weißt nicht mehr, was du selbst bist. So habe ich also vollauf den Grund deines Leidens, aber auch den Weg, dir wieder Genesung zu verschaffen, gefunden. Weil du von Vergessenheit deiner selbst verwirrt bist, fühlst du dich schmerzlich als verbannt und der eignen Güter beraubt. Weil du nicht weißt, was der Endzweck der Dinge ist, hältst du nichtswürdige Schurken für mächtig und glücklich. Weil du vergessen hast, mit welchen Mitteln die Welt regiert wird, meinst du, dass diese Wechselfälle des Glücks ohne Lenker umherwogen: Ursachen, groß genug, nicht nur zur Krankheit, sondern sogar zur Vernichtung. Doch danke dem Gebet der Genesung, dass er dich noch nicht ganz der Natur entfremdet hat. Wir haben den besten Zündstoff für deine Wiederherstellung: deine richtige Ansicht von der Leitung der Welt, weil du sie nicht dem blinden Zufall, sondern der göttlichen Vernunft unterworfen glaubst. Darum fürchte dich nicht zu sehr; aus diesem winzigen Fünkchen wird sich dir bald die Lebenswärme wieder entfachen. Aber noch ist es nicht Zeit, stärkere Heilmittel anzuwenden; auch ist es die Natur des Geistes, dass er, sobald er die wahren Meinungen verworfen hat, falsche annimmt, aus denen dann der Nebel der Verwirrungen steigt und das rechte Schauen trübt. Diesen Nebel will ich allmählich durch milde und leichte Behandlung zu lockern suchen, auf dass sich das Dunkel trügerischer Leidenschaften zerstreue, und du den Glanz des wahren Lichtes zu erkennen vermögest."

Dies lese ich und bin tief im Herzen berührt. Zwischen diesen Worten und der Philosophie meiner Essenzentherapie liegen gerade mal eben 1600 Jahre. Und während ich in diesen vergangenen Monaten und Wochen formuliere, schreibe und lehre, weiß ich mich nun mit meinen Erkenntnissen, Erfahrungen und Gedanken fest mit der alten Zeit verbunden.



27. Januar 2009

Kluge Worte, die fröhlich machen


Einige haben nur für die Süßigkeit der Schmeicheleien Ohren, andere nur für die Bitterkeit der üblen Nachrede, und manche können nicht ohne einen täglichen Ärger leben, wie Mithridates nicht ohne Gift. Ebenfalls ist es keine Regel der Selbsterhaltung, dass man sich eine Betrübnis auf zeitlebens bereite, um einem andern, und stände er uns noch so nahe, einmal einen Gefallen zu tun. Nie soll man gegen seine eigene Wohlfahrt sündigen, um dem zu gefallen, der seinen Rat erteilt und aus dem Handel herausbleibt. Und bei jeder Begebenheit, wo dem anderen eine Freude, sich selber einen Schmerz bereiten hieße, ist die passende Regel: es sei besser, dass er jetzt betrübt werde, als du nachher und ohne Nachhilfe.

Balthasar Gracian, 1601 - 1658



25. Januar 2009

Kontrastprogramm


Welch ein Kontrastprogramm sind doch meine Wienaufenthalte zu meinem Leben am Schlangenberg ! Ich sitze im Prückel am Ring und genieße meinen grünen Tee; ich arbeite mit meinen Klienten und darf einen Blick in viele ungewöhnliche Lebensgeschichten werfen; ich begeistere mich in der Schulung der zukünftigen Essenzentherapeut/innen in der Mariahilferstraße. Es ist so eine große Freude, die Details meines Handwerks zu zeigen und weiterzugeben. Diese vielen Menschen auf den Straßen, diese sauberen Straßen (daheim am Schlangenberg regiert der Schlamm). Wieder am Schlangenberg, in der Stille angekommen, geht der Fokus wieder mehr nach innen. Ich wende mich wieder dem Repertorium meiner Essenzen zu, das geschrieben werden will. Daneben arbeite ich weiter am neuen Buch, das noch dieses Frühjahr erscheinen soll und auch mein Krimi erfährt ein wenig weitere Beachtung, weil auch diese Geschichte in die Welt will. Ich stehe fest in meiner persönlichen Kraft und denke, mit echter Macht, die von innen kommt, gibt es nichts, was ich nicht erreichen könnte.
In Wien sprach ich mit einer guten Freundin über den Rausch kreativer Schaffensprozesse. Das ist eine Zeit, in der es vollkommen gleichgültig ist, ob man mit dem später vollendeten Werk den Weg in die Öffentlichkeit nimmt. Noch haben mich Krankheit und die Notwendigkeit, das Essenzenschiff in sichere Gewässer zu steuern, immer wieder herausgerissen, aber ich ich hoffe, ich schaffe es, wieder hineinzukommen.



21. Januar 2009

Unheilige Ochsen und ihre Unantastbarkeit


Man kann es nicht oft genug wiederholen. Es gibt keine Politikmüdigkeit der Bürger. Es gibt nur zu viele unglaublich schlechte Politiker/innen. Und mit denen mag man wirklich kaum etwas zu tun haben. Sie sind es, die uns den Glauben an die Demokratie nehmen. Wie wenig Politikmüdigkeit es gibt, wenn jemand uns Anlass zu Hoffnung auf Wahrhaftigkeit gibt, hat man jetzt wieder gesehen bei der Inauguration des neuen amerikanischen Präsidenten. Kehren wir aber wieder zurück in unsere kleine Welt, dann sehen wir jede Menge verhaltensauffälliger Politiker (so Hans Rauscher vom Standard), die erwarten, dass sie und ihr Tun unantastbar sind wie Indiens heilige Kühe. Sie sind aber allesamt unheilige Ochsen und dennoch kratzt kaum wer an ihrem Image als heilige Kuh. Das wäre die Aufgabe des Journalismus (ich schreibe absichtlich nicht Aufgabe der Medien). Sie sind die Hüter eines verfassungsmäßigen Rechts, ja ich meine sogar einer verfassungsmäßigen Pflicht: der Meinungsfreiheit. Bei uns in der Region gibt es, so gesehen, keinen Journalismus. Wenn man sich in unseren Medien umschaut, so glaubt man, wir lebten hier in einer heilen Welt zwischen Schinkenfest und Fussballclub, wo Meldungen über die Babys des Monats und die diesjährige Gewinnern des schönsten Gartens zu den journalistischen Highlights gehören. Ein ebenso langweiliger wie uninteressanter Jubelbericht neben dem anderen. Natürlich ist unsere Welt hier nicht wirklich heil. Es gäbe mehr als genug anzuprangern. Aber es scheint, als wären unsere Journalisten so zahnlos wie meine Katze Mimi mit ihren neunzehn Jahren. Aber es gibt Ausnahmen in diesem Medienmeer der Belanglosigkeiten und Banalitäten. Heute las ich den Artikel einer Journalistin, die den Mut hatte, einem unheiligen Ochsen, der sich für eine heilige Kuh hält, kräftig und berechtigt auf die Zehen zu steigen. Also ihrer Aufgabe nachzukommen, wie es sich gehört. In einem sachlich und unemotional geschriebenen, dafür aber gut recherchierten Artikel. Chapeau !
Ich erinnere mich an meine eigene Zeit als Journalistin, als ich bei der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg durch eine harte Schule ging. Dort lernte ich, jede Eitelkeit und Empfindlichkeit bezüglich der Reaktionen anderer auf meine Texte abzulegen. Dort lernte ich, auf den Punkt zu schreiben. Ohne meine Zeit bei der dpa und die anschließenden Jahre bei anderen Medien wäre ich nie die Buchautorin geworden, die ich heute bin. Der damalige Chef der Inlands-Redaktion, Heinz Köster, lehrte mich, einer damals noch hitzköpfigen Revoluzzerin, dass Journalisten Distanz zum Beschriebenen bewahren müssen, um den richtigen Biss zu behalten. Allzu große Nähe zu denen, über die man schreibt, verführt zur Korrumpierbarkeit aus Nettigkeit. Oder Abhängigkeit. So gesehen ist es für unsere hiesigen Journalisten nicht leicht, unbestechlich zu schreiben, denn am Land kennt jeder jeden und weiß jeder über jeden sehr viel. Aber es hilft nichts. Da muss man halt jemandem, mit dem man am Abend noch ein Achterl geleert hat, am nächsten Morgen dennoch den journalistischen Spiegel vorhalten. Das ist lebensnotwendig für uns. Für unseren Alltag, aber auch für unsere Demokratie. Ich will gern hier so große Worte benutzen. Bei uns geht mehr vor die Hunde als das, was wir erst Finanzkrise und nun Wirtschaftskrise nennen. Denn in Wahrheit ist es eine Systemkrise. Und unser System haben viele in Verruf gebracht. Nicht nur die Banker, die erst alles verspielt haben und sich nun als notleidend hinstellen wollen. Auch die unheiligen Ochsen. Ebenso wie mutlose Journalisten. Aber wie Obama sagte: Wir wollen die Hoffnung über die Furcht stellen. Also lasst uns auch weiterhin die unheiligen Ochsen schlachten. Fürchtet euch nicht.



20. Januar 2009

Systemwandel


Nichts bleibt wie es ist. So lautete ein Schlüsselsatz in meinem Buch "Der weise Leichtsinn". Das Buch hatte zum Thema, 50 Jahre alt zu werden. Ein bedeutender Systemwechsel. Seit diesem Buch hat sich vieles in meinem Leben wieder und wieder gewandelt. Und wandelt sich noch. Die Jahre, als hier am Schlangenberg viele Menschen Seminare besuchten - vorbei. Die Zeit, als Menschen sich hier für eine Woche, manchmal mehr, eine Auszeit aus dem normalen Leben nehmen konnten, um sich selbst zu begegnen - vorbei. Die Zeit, als ich durch Deutschland und Österreich reiste und in vielen Städten meine Seminare abhielt - vorbei. Wie gesagt, nichts bleibt wie es ist.
Seit ich vor Jahren begann, Schlangenberg-Essenzen herzustellen, stand die Frage im Raum, welchen Stellenwert diese denn in meinem Schaffen haben. Zuerst meinte ich, sie seien ein wenig Beiwerk, eine Art Ergänzung, jedenfalls nicht das Eigentliche. Seit zwei Jahren kann ich von "wir" sprechen und wir - einige Mitstreiterinnen und ich - ebnen den Essenzen den Weg in die Welt. Für mich sind die Essenzen essenziell geworden. Sie sind unverzichtbarer Bestandteil meiner Arbeit mit Menschen. Inzwischen habe ich eine neue Therapieform entwickelt, in deren Mittelpunkt die 50 Essenzen stehen. In sie fließt alles, was ich in den vergangenen 20 Jahren erlebt, erfahren, erlitten, erarbeitet, entdeckt und erkocht habe; 20 Jahre Seelenarbeit mit Menschen. In der persönlichen Beratung, in Seminaren, auf der Bühne, an den Kochtöpfen. Vieles ist in meine Bücher geflossen. Jetzt fasse ich zusammen. Ich kehre zur Quelle zurück und mache dort weiter, wo ich einst begann: Beim einzelnen Menschen und seinem Lebensweg.
Am Schlangenberg arbeite ich ab Februar nach meiner systemischen, prozessorientierten Essenzentherapie. Was genau sie ist und für wen sie gut ist, findet sich unter "Schlangenberg-Zentrum".
Doch nicht nur die Essenzentherapie kommt zur Anwendung. Ich habe viele Jahre Astrologie praktiziert, von der Magie ganz zu schweigen, worunter man die Arbeit mit Energiefeldern und Symbolen versteht. Auch dieses Können kommt zur Anwendung.
Wir brauchen Ziele schrieb ich vor einigen Tagen. Mein Ziel ist, alles das, was ich kann, Menschen zu geben. Das ist der Sinn meines Lebens.
Mein zweites Ziel ist, dem Schlangenberg wieder eine neue Bedeutung zu geben. Es ist ein Ort der Stille, ein mystischer Ort. Genau der richtige Ort, um Seelenarbeit zu erfahren. Auf dem Weg, beide Ziele zu erreichen, steht ein Systemwandel an.



17. Januar 2009

Das Spiel braucht ein Ziel


Die meisten sagen: die fetten Jahre sind vorbei. Ich meine sogar: die netten Jahre sind vorbei. Es hat schon etwas Putziges an sich. Da bricht uns nun unser Wirtschaftssystem zusammen und alles rennt hektisch herum, um zu retten, was zu retten ist. Andere versinken in dunkle Depression angesichts der düsteren Ereignisse, die erwartet werden und wieder andere tanzen auf dem Vulkan als gäb`s kein Morgen. Die meisten Leute hoffen, dass es schon nicht so schlimm werden wird, solange sie so tun, als wäre nichts. Im Fernsehen werden die, die vorher zu blöd waren, den Tsunami kommen zu sehen, jetzt gefragt, ob sie wüßten, wie es weitergeht. Deren Antworten sind entsprechend. Das hilft uns alles nichts. Was uns helfen könnte, wären Ziele. Oder besser noch Perspektiven. Von Visionen wollen wir vorsichtshalber mal lieber gar nicht erst anfangen. Hat aber keiner, wenn ich mir die Großen und uns Kleine betrachte. Dann wird das nichts mit der Rettung und alle düsteren Erwartungen werden sich erfüllen.
So mancher braucht ja auch gar kein Ziel. Es gibt Leute, die haben ein gewisses Talent und mit dem machen sie jedes Jahr eine neue Variante des ewig Selben. Beneidenswert. Andere sind daran gewöhnt, dass man ihnen sagt, was sie tun sollen. Was soll so jemand mit Zielen? Das sehe ich ein.
Aber wir anderen? Die wir nicht vergessen haben, dass wir dereinst gestartet sind, um die Welt zu entdecken. Oder um sie zu umarmen. Die sich nicht gescheut haben, in ihre eigenen Abgründe zu schauen, weil sie das Geheimnis des Lebens ergründen wollten. Die wissen, dass das Leben eine Pilgerreise ist. Die sich darum scheren, welchen Sinn etwas hat, eine Aufgabe, eine Arbeit, eine Liebe, eine Gemeinschaft und sogar eine Nation. Wir brauchen Ziele. Ziele, die mehr umfassen als die Frage, wie man seinen Job behält, ob man wohl wiedergewählt wird oder wie man aus dieser Nummer wieder herauskommt. Das Spiel braucht ein Ziel.
Die zwei wichtigsten Fragen im Spiel des Lebens sind doch: Worum handelt es sich hier eigentlich? Und: Wo soll`s hingehen? Ja, das wüsste so mancher jetzt gern. Ich auch.



14. Januar 2009

Susanne Wenger, Priesterin der Yoruba, ist tot


Die aus Graz stammende Künstlerin Susanne Wenger ist 93jährig in ihrer Wahlheimat Nigeria gestorben. Sie wanderte 1949 dorthin aus und ließ ihr europäisches Künstlerleben hinter sich.
Sie wurde Yoruba-Priesterin und vermengte ihre neue Spiritualität mit ihrer alten Liebe zur Kunst. So beeinflusste sie wesentlich die Entstehung einer neuen Strömung, die die traditionelle, archaische Kunst mit modernen Elementen verband und schuf schließlich ihr größtes Werk: Am Rande von Oshogbo, einer Stadt mit rund 520.000 Einwohnern, entstand - in Zusammenarbeit mit nigerianischen Künstlern - Wengers Heiliger Hain der Göttin Osun; eine Art Park voller archaischer Skulpturen und anderer Kunstwerke. Dieser Heilige Hain wurde 2005 in das Weltkulturerbe aufgenommen. Für die Frauenbewegung war sie mit ihrem Leben und Wirken eines der ganz großen Vorbilder.



12. Januar 2009

Wunschdenken


Ich hatte mir fest vorgenommen, ganz gewiss nicht über diese Kälte zu schreiben. Kein Wort wollte ich darüber verlieren. Aber sie dominiert alles. Schade, ein milder Winter stand ganz oben auf meiner Wunschliste. Schade, wir sind leider doch zu Klein-Sibirien geworden. Meine alte Ziege sitzt mit zwei Vliesdecken auf dem Rücken vor einem Heizlüfter. Sogar die Schafe, die den vergangenen Winter freiwillig im Freien verbracht haben, haben sich auch mit ihrer dichten Merinowolle in den Stall zurückgezogen. Die Wetterwahrsager vertrösten unsere Erwartung darauf, dass der Frost bald bricht, Tag um Tag. Oh Jammer.
Seit vor langer Zeit, also vor sehr, sehr langer Zeit unsere Zeitrechnung umgestellt wurde, ist es ja überdies sehr schwer. Laut altem Kalender, der galt, bevor die Monate nach römischen Kaisern und dem römischen Zahlensystem benannt wurden, sind wir noch mitten im Winter. Die Zeit sagt uns: Tu nix. Behalte deine Vorräte im Auge, denn es dauert noch lang Du kannst jetzt nur Geduld üben. Die Zeitrechnung sagt uns: Oh Prosit Neujahr, der Anfang, oh Jubel, lasst uns beginnen, es geht lohos ! Da muss man doch gaga werden.



01. Januar 2009

Los geht`s


Endlich überstanden. Noch wenige Tage und das ganz normale Leben kann weitergehen. Ich hoffe, jeder hat den Jahresübergang so verbracht, wie es angenehm war. Bereiten wir uns also auf 2009 vor. Selten gab es so viele Jahresrückblicke in den Medien wie diesmal. Selten so viele Ausblicke und Prognosen, die meisten mit einem kleinen Bangen.
Der astrologische Jahresregent des Jahres 2008 war Jupiter. Wäre da nicht Plutos Eintritt in das Zeichen Steinbock gewesen, hätte es so ein prosperierendes Jahr sein können. Aber die Zeiten, wo so ein Langsamläufer, wie wir die Planeten jenseits von Jupiter bezeichnen, das Zeichen wechselt, sind tief bewegende Zeiten. Pluto lässt sterben, was seinen Zweck erfüllt hat. Im Zusammenhang mit Steinbock sind es nun mal die bestehenden Strukturen. Selten hat sich eine Prognose so nachhaltig erfüllt wie diesmal.
Was erwartet uns nun also?
Astrologisch gesehen haben wir noch immer 2008. Denn das neue Jahr beginnt im April. Aber wir wollen mal nicht so kleinlich sein. Der neue Jahresregent ist Mars. Hoher Energiepegel, streitbar, hohe Betriebstemperatur, ungeduldig, zielbewusst und schnell. Die Jahre der Vergangenheit, die Mars regierte, waren beispielsweise: 2002; 1995; 1988; 1981. Jahre, in denen es viel Veränderung gab, für die man ordentlich Kraft benötigte. Keine Chance, sich so irgendwie durchzuwurschteln, für niemanden. Mars wird uns vor sich hertreiben. Ein Jahr, in dem man nicht die großen Projekte realisieren kann, denn dazu hat Mars weder Geduld noch den dazu notwendigen langen Atem. Aber wer seine Konzepte in den vergangenen Jahren entwickelt hat, bekommt jetzt eine Zeit mit einer guten Starterenergie. Für Luftschlösser ist keine Zeit mehr. Lange Zeit wird das so bleiben. Wer aber die letzten Jahre gelernt hat, zu träumen; wer also rechtzeitig genug seine Pläne vom Himmel hat befruchten lassen, kann ab 2009 erfahren, was damit gemeint ist, wenn man davon spricht, dass Pläne geschmiedet werden. Man braucht Kraft, muss Hitze vertragen können, darf keine Zeit mehr verlieren. Mars nimmt Anlauf und springt. Schlecht werden die Zeiten für Sesselfurzer, Blender und Dummschwätzer.



30. Dezember 2008

Dunkle Materie und dunkle Energie


Nur fünf Prozent des Universums besteht aus Materie, lese ich. Der Rest ist Rätsel. Die Kosmologen sprechen von dunkler Materie, wenn sie beschreiben wollen, was manche Galaxien daran hindert, auseinanderzufliegen, obwohl sie sich so schnell drehen, dass eigentlich genau das passieren müsste. Und nun gibt es noch den Begriff dunkle Energie für eine Kraft, die dafür sorgt, dass unser Universum sich immer schneller ausdehnt. Die dunkle Energie ist, so sagen die Astronomen, um ein vielfaches stärker als die Kraft, die die Galaxien zusammenhält. Ein großes Rätsel. Solange wir auf Erden leben, schlagen wir uns mit den rätsellosen fünf Prozent herum. Ich habe es dabei zur Zeit besonders schwer. Irgendwelche Grippe-Viren benutzen die Materie meines Körpers, um ihre Wirklichkeit durchzusetzen. Ich kann darauf nur mit Kopfweh, bösem Husten, körperlicher Schwäche und einem besonders verklebten Hirn reagieren. Man fühlt sich wie ein besetztes Haus. Aber immerhin: Ich liege im Bett und mit und auf mir zwei Hunde und drei Katzen. Katze Mimi schaut außerdem aus Distanz vorwurfsvoll auf diesen Haufen Gemütlichkeit, der es ihr unmöglich macht, bei ihrem Frauerl zu liegen, obwohl sie als Älteste doch die meisten Rechte in dieser Hinsicht hat.
Ich bekomme erste beleidigte und bestürzte Reaktionen von meinen Weihnachts-Spammer-Freunden. Was soll ich jetzt tun? Trost spenden?
Allen Leserinnen und Lesern ein gesundes Sylvester. Oder doch wenigstens, dass alle genug zu essen und es warm haben. Was sollen wir uns für 2009 wünschen? Banker, die in Konzepten denken; tapferen Mittelstand, der sich nicht ins Bockshorn jagen lässt; mehr Verleger wie Michael Krüger (tja müsst ihr halt googeln), und mehr denn je viele gute Geschichten; und noch mehr denn je die Erinnerung an Sheldon B. Kopp und seine Worte: " ...in der Finsternis des Waldes werden wir einander zurufen, damit wir uns nicht verlieren. Wie die unschuldigen Waldmenschen leben wir dann einen Augenblick lang in einer Welt, die ein gütiger Gott erschaffen hat. Wenn wir in Not sind, wissen wir, er schläft. Und wie bei den Chassidim: wenn das Leben am schwersten ist von Schmerz und Angst, dann ist es Zeit, dass wir zusammen singen und tanzen, um den schlafenden Gott unserer verlorenen Hoffnung zu wecken."



25. Dezember 2008

Meine Freunde, die Weihnachts-Spammer


Heuer ist endgültig zur Pest geworden, was sich in den vergangenen Jahren schon anbahnte. Ich bekomme vorgefertigte Weihnachtsgrüße von wohlmeinenden Menschen, nicht wenige gute Freunde darunter. Sie schicken vervielfältigte Weihnachtsgrüße an Krethi und Plethi und leider auch an mich, dessen Inhalt viel über die Geistesverfassung der jeweiligen Leute erzählt, aber eben nicht nur der Inhalt. Da werden per Rundmail Rilke-Gedichte (armer so malträtierter Rilke), kitschige Eisbärenfotos, lustige Weihnachtsverhohnepiepelungen und sonstiger Mist verschickt. Eine Tänzerin wünscht sogar, dass die Adressaten im kommenden Jahr große Sprünge machen mögen. Eine andere dankt allen Adressaten, ihr im vergangenen Jahr mental und/oder real als Freunde zur Seite gestanden zu sein. Und/oder. Als Massenware. Als wäre ich eine zu bedenkende Kundschaft oder die Absender wären Online-Publizisten und ich ihre Leserschaft. Das ist beleidigend. Das sind Grüße von Menschen, denen ich dermaßen gleichgültig bin, dass es nicht einmal zu einem persönlichen Gruß reicht. Spam. Ich verbitte mir das.
Es gab auch andere. Persönliche Post, Gedanken, die mich meinten und niemand sonst. Ihnen habe ich zurückgeschrieben. Mit persönlichem Dank.
Fürchtet euch nicht. In ein paar Tagen ist dieser süßliche Spuk wieder vorüber. Und in dreieinhalb Monaten ist Ostern. Bis dahin ist genug Zeit, um sie sinnvoll zu nutzen. Wofür? Um sich mit dem zunehmenden Licht auf eine gründliche Erneuerung vorzubereiten.



23. Dezember 2008

Stille


Weihnachtswünsche von überall. Bei den wenigstens sind sie so gemeint wie sie geschrieben sind. Bei manchen doch. Und das ist schön. Heuer ist mir nach Stille, nach Sammlung und Innehalten. In den letzten Tagen hat mir jemand dazu verholfen, mich darauf zu besinnen, warum ich eigentlich vor so vielen Jahren hierher auf den Schlangenberg gekommen bin; warum ich seit so vielen Jahren darum kämpfe, alles zu erhalten; was ich eigentlich hier tue; wieso zu allem, was ich eh schon mache, jetzt noch die Schlangenberg-Essenzen gekommen sind. Und auf einmal hat sich ein großes Fenster aufgetan, durch das ich hindurchschaue und im Gesehenen lese. Ich gebe zu, ich bin ganz sprachlos. Bekomme Herzklopfen. Na, das wird was.


19. Dezember 2008

Mehr Licht


Das waren die Sterbeworte Goethes. Das war auch einmal der Titel einer Revue, die ich auf die Bühne gebracht habe. Heute ist es der erfreute Ausruf einer im wilden Süden Österreichs lebenden einzelnen Dame. Endlich, endlich: seit einer Woche steckten wir in einem finsteren Nebel, aus dem es ununterbrochen herausregnete. Die Wiese verwandelte sich in eine Schlammhölle. Das Gemüt versteinerte in einer grauen Depression und Furcht, dass es nie wieder hell werden würde, ergriff mich. Wie ich gestern in Wien erleben durfte, ist das schreckliche Wetter nördlich weitergewandert und jenseits der Buckligen Welt anzutreffen. Sie nennen es Wintereinbruch und ich freue mich heute hier im Süden wieder über mehr Licht. Nix graue Weihnachten und wenn wir Glück haben auch keine weißen. Ein milder, sonniger südlicher Winter steht auf meiner Wunschliste, mit ein wenig Holzrauch in der Luft, der einfach nur die Botschaft enthält, dass das warme Wetter ja auch mal Pause machen muss. Mehr Winter muss nicht sein. Der kitschige Firlefanz mit diesen albernen Weihnachtsmännern geht mir eh am Nerv. Von mir aus können alle Punschstände und Glühweinbuden schließen, das elende Weihnachtsliedergedudel ist unerträglich und der Weihnachtsstress? Schön locker bleiben, was hängt denn schon davon ab.
Ich tauche ab und schreibe Buch.



09. Dezember 2008

Nennen wir die Dinge doch beim Namen


Ich bin ganz überrascht. Wo ich hinkomme und von der Weltwirtschaftskrise spreche, geben mir die verschiedenen Reaktionen das Gefühl, als sei mein wahrer Name Kassandra und was ich rede verhallt in mir fremden Wirklichkeiten. Die einen sagen, das sei keine Weltwirtschaftskrise, sondern eine Finanzkrise. Eine von vielen. Vielleicht eine etwas gröbere. Da hätten sich alt ein paar unreife Idioten verzockt und spätestens in einem Jahr sei sowieso alles wieder beim alten, es sei denn, solche Spaßbremsen wie ich würden alles schwarzreden. Andere lachen und freuen sich, dass sie nichts zu verlieren hätten, denn sie hätten keine Aktien. Noch andere amüsieren sich auch mit einer gewissen Schadenfreude über die, die viel Geld hatten, nun keines mehr haben, als ginge es sie selbst nichts an, und während bei uns die ersten auch alteeingesessenen Unternehmen in die Insolvenz knallen, geht das Leben weiter, als sei nichts geschehen. Sicher, die meisten Leute, die ich kenne - und ich kenne viele - machen es wie ich. Kopf einziehen und keine größeren Investitionen anpeilen. Konsolidieren wie mein Banker immer sagt. Und so kauft grad niemand Autos oder Häuser, auch der große Urlaub ist erstmal gestrichen, aber da ja immer noch Geld aus dem Automaten kommt, der Job auch noch da ist, und schließlich Weihnachten vor der Tür steht, wird der kleine Konsum betrieben als gäbe es kein Morgen.
Nun wäre nichts dümmer als noch stärker auf die Geldbremse zu treten. Die Wirtschaft lebt davon, dass das Geld in Bewegung bleibt. Aber ich wünsche mir, dass wir darüber reden, was nun werden soll. Es ist ja nicht nur eine Wirtschaftskrise. Es ist eine Kulturkrise, eine Krise unserer gesamten Gesellschaft und ihrer Haltung zum Leben. Wir leben alle nach dem Motto, mit dem geringstmöglichen Aufwand den größtmöglichen Nutzen zu erzielen. Kein Aufwand, viel Ertrag. Unsere Kinder leben in dem ernsthaften Glauben, dass man sich für seine Ziele nicht anstrengen muss und schon gar keine Ausdauer aufbringen, nein, man muss entdeckt werden. Das ganze Leben eine einzige Casting-Show. Tausend Kontakte in den Internetbörsen, aber keinen einzigen echten Freund aus Fleisch und Blut. Nicht die Qualität einer Ware ist ausschlaggebend, sondern der möglichst niedrige Preis. Es ist eigentlich kaum zu verstehen. In allen meinen Berufen versuche ich, immer besser zu werden und nicht immer billiger. Aber unsere Welt will nicht immer besser werden, sondern immer billiger.
Diese Zeit ist unsere große Chance. Schließen wir einen Pakt der Vernunft. Lasst mich hier den einen Satz sagen, den Männer so fürchten, weil Frauen ihn immer dann aussprechen, wenn es eng wird: WIR MÜSSEN REDEN. Es geht nicht darum, wer nun den Mist gebaut hat. Es geht darum, gemeinsam daran zu arbeiten, dem Geld seinen angemessenen Platz zuzuweisen. Es ist ganz gewiss kein Gott. Und ganz sicher auch keine Selbstverständlichkeit wie manche Leute mit Vollkaskomentalität glauben. Nur ein Äquivalent wie Karl Marx schrieb, aber kein Maßstab. Und wir sollten uns auf die anderen Werte konzentrieren, die existenziell sind, für die Geld eben nur das Äquivalent ist. Und das Geld? Wir müssen es ehren und nicht anbeten. Das ist ein großer Unterschied.
Ich möchte hier noch einmal auf ein Buch hinweisen, dass ein Mann namens Müller geschrieben hat. Er hat über die sieben Knappheiten geschrieben, die wir zu gegenwärtigen haben (und so lautet auch der Titel des Buches: Sieben Knappheiten). Uns bedroht ein Mangel an: Arbeitskraft, Energie, Land, Wasser, Zeit, Geist und Macht. Und was uns hilft, damit fertig zu werden, sind folgende Tugenden: Arbeit, Sparsamkeit, Kreativität, Offenheit, Solidarität, Originalität und Kooperation. Ich möchte noch eine hinzufügen: Wertschätzung, Wertschätzung, Wertschätzung.



07. Dezember 2008

Wo soll man beginnen?


Zur Zeit stehe ich mit verschiedenen Schauplätzen in Verbindung, von wegen "first things first" wie das des von mir sehr geschätzten Helmut A. Gansterer empfohlene Rezept für Krisenzeiten lautet. Da gibt es zum einen die auf uns zurollende Wirtschaftskrise. Hierzu ein Gedicht von Kurt Tucholsky, das ein Kommentar zur großen Krise der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist. Welches aber, wie mir meine gute Freundin Inge, die mir das Gedicht geschickt hat, schrieb, so aktuell ist, als sei es gestern geschrieben worden. Ich stelle es zum Nachlesen mal hier herein.
Einmal ganz abgesehen davon, dass das, was Tucholsky schrieb, so schmerzhaft wahr ist, dass man vor lauter Ohnmacht laut schreien möchte, sind Krisen etwas Gesundes. Katharsis, Reinigung von Grund auf. Die Fäulnis des Systems - wie oft und wie lang schon haben wir davon gesprochen.
Dass es die Geld- und Haben-Wollen-Strukturen als erste trifft, ist nur allzu logisch. Es wird nicht dabei bleiben. Wellen haben die Eigenschaft, sich fortzusetzen. Das kann dann so richtig ungemütlich werden. Und auch hier gilt: Was muss, das muss. Die netten Jahre sind vorbei.
Dann ist da noch der Schlangenberg. Ich werde hier ein Zentrum für alternative Heilmodelle im kommenden Frühjahr eröffnen. Eigentlich sollte das an einem ganz anderen Standort geschehen, aber angesichts der Wirtschaftskrise ziehe ich mal lieber den Kopf für eine Weile ein, siehe oben. In diesem Zentrum werden verschiedene TherapeutInnen und andere Heiler zur Verfügung stehen. Es gibt systemische Essenzentherapie mit unseren Schlangenberg-Essenzen. Wir werden mindestens drei sein. Es gibt Heilmassagen von den besten Masseuren der Region. Es gibt Physio-Energetik, das sind echte Zauberer. Es gibt ganzheitliche Diagnostik, die können noch mehr zaubern. Einmal im Monat Familienstellen. Es gibt Abende mit heilenden Geschichten und Meditaton. Und immer mal wieder ein Vortrag. Zum Beispiel von Apothekern der alten Schule über die Hausmittel der Volksmedizin. Und vieles mehr.
Und im kommenden Sommer eröffne ich das Wiesen-Restaurant auf dem Schlangenberg. Hierzu kann nicht jeder kommen. Man muss sich im Freundeskreis der Feinschmecker eintragen, um eine Einladung zu erhalten. Auch können immer nur jeweils zwölf Gäste teilnehmen. Zweimal die Woche koche ich. Es gibt vier- bis sechsgängige Menüs, was nicht direkt aus meinem Garten stammt, kommt von regionalen Produzenten. Verkostung der besten steirischen Weine, immer wieder, versteht sich. Das eine oder andere griechische Olivenöl, das sonst nirgends im Handel erhältlich ist. Und selbstverständlich die drei besten Sorten Kernöl der Region.
Dann sind da noch Leserinnen aus der alten Zeit, die mir von einem Göttinnentempel in Cornwall schreiben. Woanders, zum Beispiel in Holland, entstehen weitere Göttinnentempel. Was es nicht alles gibt.
Luisa Francia schreibt mir, dass sie ein neues Buch schreibt. Eines über Kräuter und Göttinnen. Auch ich schreibe eines, das im März 2009 erscheinen wird. Das Grundlagenwerk über die systemische Essenzentherapie.
Dann sind da noch die Menschen ohne Ziel. Die darum nicht wissen, was ihr Eigentliches ist. Manche von ihnen ratlos, andere trotzig. Und die vielen "Alles-richtig-Macher". Mit denen komme ich nicht oft in Berührung. Aber wenn, dann werde ich über ihre arme Welt ganz traurig. In der letzten Zeit begegnen sie mir öfter. Wenn die "Alles-richtig-Macher" auf Plätzen der Macht sitzen, zum Beispiel in der Bürokratie, dann wird´s mir kalt ums Herz. Leider wurde mir in den Monaten des nun zu Ende gehenden Jahres öfter kalt ums Herz. Doch bevor ich mir nun endgültig das Herz erkälte, habe ich beschlossen, die Dinge sportlich zu nehmen, was soll die Traurigkeit.
Und zum Schluss noch meine Tiere. Mein herzkrankes Schaf Emma ist gestorben. Jeder Tag, den sie älter als drei Monate wurde, war ein Geschenk. Und sie wurde ganze sechs Jahre alt. Sie hat mich also mit ihrer Durchhaltekraft unendlich beschenkt. Sie war still, zurückhaltend, liebenswürdig. Ganz anders als mein Widder Cyriak. Der ist ein echter Herzensbrecher. Vor ein paar Tagen hat ihr Herzerl nicht mehr weiterwollen. Ich bin immer wieder tief berührt, wie die noch lebenden Tiere von dem toten Tier Abschied nehmen. Während das Tier sich von der Herde absondert, wenn es stirbt, kehren alle wieder zurück, wenn es tot ist und scharen sich im Kreis drumherum. Viele Stunden standen sie so da, die tote Emma in ihrer Mitte. Bis der Abschied offenbar vollzogen ist. Dann gehen sie wieder ihren Dingen nach, haben losgelassen.
Und dann ist da noch Lola. Mein kleines Jack-Russel-Baby. Dass sie noch lebt, ist ein kleines Wunder. Einen schlechteren Start ins Leben als sie hatte, kann man kaum haben. Aber sie ist über den Berg, ein fröhlicher kleiner Hund. Das große Glück meines Alltags. Die beste Nachfolgerin für meinen geliebten Sully, der vor über einem Jahr diese Welt verlassen hat.

Das Gedicht von Kurt Tucholsky

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.


Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!


Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.


Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.


Triffts hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!


Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.


Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.


Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!


Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.


Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.


Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne"



01. Dezember 2008



" ...ich bin wie die kleine Anemone, die ich einmal in Rom im Garten gesehen habe, sie war tagsüber so weit aufgegangen, daß sie sich zur Nacht nicht mehr schließen konnte. Es war furchtbar, sie zu sehen in der dunklen Wiese, weitoffen, immer noch aufnehmend in den wie rasend aufgerissenen Kelch, mit der viel zu vielen Nacht über sich, die nicht alle wurde. Und daneben all die klugen Schwestern, jede zugegangen über ihr kleines Maß Überfluss. Ich bin auch so heillos nach außen gekehrt, darum auch zerstreut von allem, nichts ablehnend, meine Sinne gehen, ohne mich zu fragen, zu allem Störenden über, ist da ein Geräusch, so geb ich mich auf und BIN dieses Geräusch, und da alles einmal auf Reiz Eingestellte, auch gereizt sein will, so will ich im Grunde gestört sein und bins ohne Ende. Vor dieser Öffentlichkeit hat sich irgendein Leben in mir gerettet, hat sich an eine innerste Stelle zurückgezogen und lebt dort, wie die Leute in einer Belagerung leben, in Entbehrnis und Sorge. Macht sich, wenn es bessere Zeiten gekommen glaubt, bemerklich durch die Bruchstücke der Elegieen, durch eine Anfangszeile, muß wieder zurück, denn draußen ist immer die gleiche Preisgegebenheit. Und dazwischen, zwischen dieser ununterbrochenen Hinaussüchtigkeit und jenem mir selbst kaum mehr erreichbaren inneren Dasein, sind die eigentlichen Wohnungen des gesunden Gefühls, leer, verlassen, ausgeräumt, eine unwirtliche Mittelzone, deren Neutralität auch erklärlich macht, warum alles Wohltun von Menschen und Natur an mir vergeudet bleibt... "

Rainer Maria Rilke in einem Brief vom 26.Juni 1914 aus Paris an Lou Andreas Salome, zitiert aus: "Rilke - Salome. Briefwechsel" hrsg. Von Ernst Pfeiffer. Insel, Frankfurt, 1989. S. 337



30. November 2008

Vor einem Jahr


....war die Welt noch eine ganz andere. Eine, die jetzt vergangen ist, versunken, vorbei. Vor einem Jahr hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich die sein werde, die ich heute bin.
Die zukünftigen Essenzentherapeutinnen und -therapeuten sind heimgefahren. Ich höre das Adventskonzert aus der Frauenkirche in Dresden. Lola, mein Hundebaby tobt durch den Raum. Meine letzte alte Ziege ist im Stall. Die Schafe stehen noch im Nebel. Es ist dunkel, der zweitägige Winter ist weggeschmolzen. Mein Herz geht auf. Es war ein langer Weg von November nullsieben bis November nullacht. Es war ein Jahr der Meilensteine, des Wachstums, aber darum auch der Widersacher. Ich bin an ihnen gewachsen. Das war zwar nicht im Sinne dieser Dunkelhüte, aber so ist es eben. Bei Gegenwind erhöhe ich das Tempo.
Ich bin so wunderbaren Menschen begegnet in diesem Jahr. Hier in der Südoststeiermark. In Wien. In Deutschland. Von den alten Freunden und Freundinnen sind mir einige treue geblieben. Wir gehen in die stille Zeit.



27. November 2008



Die kürzeste Antwort ist das Tun
(Prof. Dr. Rainer Elschen)



25. November 2008

Die systemische Essenzentherapie


Die ersten steirischen Gesundheitstage sind vorüber. Viel beachtet, ein wunderbarer Anfang eines neuen Weges. Die nächsten, in einem Jahr, werden noch schöner. Bis dahin gibt es viel zu tun. Am kommenden Wochenende beginnt die erste Ausbildung in systemischer Essenzentherapie. Warum reicht ein wenig Beratung nicht aus? Warum gleich Therapie? Weil die Arbeit mit den Schlangenberg-Essenzen mehr ist als Beantwortung von Störungen mit den wunderbaren Essenzen. Es braucht eine Theorie und eine eigene Methode. Die Arbeit wird von einer bestimmten Sichtweise, Philosophie beeinflusst. Und außerdem fließt in dieser Therapie alles zusammen, was ich in zwanzig Jahren erarbeitet, gelernt und erfahren habe. Alles Theater, das ich gespielt habe, alle Kulturarbeit, die ich geleistet habe. Und vor allem: alle spirituellen Notfälle, die ich erlitten habe, und es waren nicht wenige.
Spirituelle Notfälle sind die Situationen, in denen man Dinge erleidet, die einen Menschen dazu bringen, anzunehmen, dass Gott einen vergessen hat. Spirituelle Notfälle haben einen besonderen Sinn. Sie sind dazu da, Demut zu lernen, oder die Seele reifen zu lassen beziehungsweise dafür zu sorgen, dass wir im Feld der Liebe stehen und unsere Handlungen davon bestimmen zu lassen. Wer andere Menschen beeinflusst, sei es durch Schriften oder Theater, das man spielt; durch Therapie auf den vielen Wegen, die das möglich machen - muss reichlich spirituelle Notfälle erlitten haben. Sonst droht Gefahr, denn wenn die Hybris jemanden im Griff hat, ist es gefährliche Medizin, die verabreicht wird.
Wer in systemischer Essenzentherapie ausgebildet wird, muss viel Selbsterfahrung erlauben.



14. November 2008

Abgefahren


Mich hat eine junge Frau konsultiert, die ich schon seit vielen Jahren beratend begleite. Ihr Problem: Sie hat mehr Glück als sie ertragen kann. Was ist passiert? Sie, die jahrelang nur miese Jobs annehmen musste, unterbezahlt und unterhalb ihres Könnens, hat jetzt auf einmal zwei Traumangebote. Mitten in der finstersten Rezession bekommt sie zwei verschiedene Jobs angeboten, die beide auf ihre Weise ein Start in eine wunderbare Karriere sind. Ihr Dilemma: Welchen nimmt sie? Wir führten heute morgen ein längeres Gespräch und ich sagte ihr, dass ich ihre Besorgnis, sie könnte sich für den falschen Job entschieden haben, nicht teilen kann. Beide Jobs sind gleich großartig. Egal für welchen sie sich entscheidet, es wird der richtige sein. Denn beide Jobs führen da hin, wo sie hin soll. Wie ist das möglich? Können wir denn gar nichts falsch machen? Nein. Sie sorgt sich derzeit gerade, für welchen Sitzplatz in ihrem Lebenszug sie sich entscheiden soll. Den im 1. Klasse-Abteil, Fensterplatz? Oder den im Speisewagen am Vip-Tisch? Der Zug führt sie auf jeden Fall ans Ziel. Am Ende: großer Bahnhof mit allem Drum und Dran.
Ich erinnere mich, wie ich mich gegrämt habe, weil ich mich in den vergangenen Jahren vergeblich für zwei verschiedene Intendantenposten beworben habe. Ich hatte doch so wunderbare Pläne. So gute Konzepte. Die Betrübnis hätte ich mir sparen können. Meine Pläne und Konzepte realisiere ich jetzt auf anderem Wege. Mitsamt den Schlangenberg-Essenzen. Und Kultur. Und Kunst. Und Philosophie. Was für einen bestimmt ist, lässt sich nicht aufhalten. Am Ende: großer Bahnhof mit allem Drum und Dran. Ich freue mich schon.
Wer in der Nähe ist und sich eine ordentliche Portion Vorgeschmack holen will: Die ersten steirischen Gesundheitstage finden vom 20. - 22. November in Pertlstein in der Raabtalhalle statt. Jeweils von 9 - 20 Uhr. Wir zeigen alles, was die Komplentärmedizin zur Zeit zu bieten hat. Ausstellung, Vorträge. Zweimal am Tag werden heilende Geschichten an Webstuhl und Spinnrad erzählt, Beratung, Therapie. Und für die Fachleute Vorträge, von denen man wirklich etwas hat. Gesprächskreise. Ärzte, Apotheker, Therapeuten - wir holen sie alle an einen Tisch, die konservativen Schulmediziner, die alternativen Heiler, die Visionäre und die Praktiker. Ab sofort gibt es in der Südoststeiermark, worauf man anderswo vergeblich hofft: Ein Zentrum für alternative Heilmodelle. Heilung gibt es, wenn Schulmedizin und Komplementärmedizin, Kunst, Philosophie und Kultur dem Menschen zur Verfügung stehen. Mit den ersten steirischen Gesundheitstagen beginnen wir. Wenn wir in einem Jahr die zweiten Gesundheitstage veranstalten, blicken wir hoffentlich auf eine intensive Zeit zurück, in der wir gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen zeigen konnten, wie das geht.
Website zu den Steirischen Gesundheitstagen



05. November 2008

Kindergedenken auf Burg Bertholdstein


Welche Worte können beschreiben, was wir gesehen, gehört, gefühlt, gedacht haben? In der großen 800 Jahre alten Stille der Burg, in der novemberlichen Dunkelheit, beleuchtet von den vielen Kerzen, die wir in den Händen hielten gedachten wir. Hörten Worte, hörten Musik, Gesang. Kein Pathos, kein Kitsch, keine bemühte Betroffenheit. In den Gesichtern der Menschen sah ich, dass auch sie nicht hätten beschreiben können, was sie fühlten. Offene Herzen, Weichheit, Innigkeit. Ich kann nur danken, dass es geschehen durfte. Das war das Kindergedenken an Allerseelen.

Am Schlangenberg ist neues Leben eingekehrt. Nach einem schweren Jahr, in dem viele meiner Tiere gestorben waren, sind nun Lola und Samba dafür zuständig, dass wir wieder in Bewegung kommen. Zwei kleine Welpen aus dem Tierheim in Graz. Zwei von zwanzig, die todkrank in einem Karton vor der Praxis eines Tierarztes abgestellt worden waren. Man muss immer wieder darauf aufmerksam machen, dass zur Zeit gerade zwei sehr ähnliche Aktionen von Tierleid aus der Slowakei (vielleicht auch noch von anderen Nachbarländern) uns in Österreich große Probleme machen. Man hat dort zum einen entdeckt, dass man vermeintliche Rassewelpen teuer im Westen verkaufen kann. Die Tiere werden in Massen in Kleintransportern zusammengepfercht mit gefälschten Papieren, zum Teil erkrankt über mehrere tausend Kilometer gefahren. Wer stirbt, stirbt halt. Der Erlös ist hoch. Erst jüngst sind 137 Tiere, die meisten weit jünger als 8 Wochen alt, im Tierheim Arche Noah in Graz gelandet. Und da dies offenbar ein gutes Geschäft ist, haben sich die Ärmsten der Armen unseres Nachbarlandes gleich mit drangehängt. Sie ziehen mit der Nachkommenschaft von Straßenhunden bei uns über Land und rechnen mit dem Mitleid vieler Menschen, denen sie die hilflosen kleinen Hunde anbieten. Was sie nicht loswerden, landet - wie oben erwähnt - in Kartons vor Tierarztpraxen oder auf dem Müll. Das ist nicht nur Tierquälerei, es ist auch für unsere Tiere nicht ungefährlich, denn die Hunde haben oft hoch ansteckende Krankheiten, wie sie bei uns nicht mehr existieren, wie beispielsweise Räude.
Unsere zwei sind mittlerweile gesund.



01. November 2008

Ungewollte Kinder


In diesen Tagen denke ich an die ungewollten Kinder. Morgen, an Allerseelen, gedenke ich gemeinsam mit vielen Menschen denjenigen ungewollten Kindern, denen ihre Existenz zum Verhängnis wurde. Die man deshalb getötet hat. Oder andere Verbrechen an ihnen begangen hat. Aber ich denke auch daran, dass die meisten Menschen unseres Kulturkreises, die jetzt im Erwachsenenalter sind, ungewollte Kinder sind. Das ist ein kollektives Leid mit ungeheuren Folgen für unsere Gesellschaft. Denn diese allerfrüheste Erfahrung prägt. Kennt jemand von euch dieses aus tiefstem Herzen kommende Bedauern darüber, da zu sein und anderen auf dieser Welt allein nur deshalb ein Problem zu sein? Oder kennt jemand Menschen, die wie ein böser kleiner Diktator andere Menschen herabsetzen müssen und die Seelen anderer umbringen? Es gibt unendlich viele Ausdrucksformen dieses Leides.
In diesen Tagen, in denen ich dieses Energiefeld geöffnet und öffentlich zugänglich gemacht habe, kann ich kaum tragen, kaum ertragen, was sich an Leid und Trauer in diesem Feld gesammelt hat. Auch ich war ein ungewolltes Kind. Ich war sogar mit meiner Existenz eine ziemliche Katastrophe für meine Familie. Natürlich haben mich meine Eltern geliebt. Natürlich wurden und werden viele Ungewollte von ihren Eltern geliebt, nachdem sie nun mal da waren. Aber das Leid des ungewollten Kindes muss dennoch erlöst werden. Anders werden wir nicht frei.



29. Oktober 2008

Das rechte Maß


Das Leben ist unglaublich. Im Klartext: die meiste Zeit meines Lebens wollte oder konnte ich nicht glauben, was es so alles gibt. Kann sich jemand eine verrücktere Welt vorstellen als unsere? In meinem vorletzten Buch "Wer setzt sich da auf meine Flügel?" habe ich zu belegen versucht, warum es so ist. Dass es so sein muss. Dass es sinnlos ist, darüber betrübt zu sein, dass diese Welt vor allem von Menschen bevölkert wird, die nicht logisch handeln, nicht warmherzig sind, nicht in der Liebe stehen, die selbstsüchtig sind, habgierig und skrupellos, auf jeden Fall gedankenlos. Wenn ich nun sehe, was wir jetzt als Tatsachen in den Medien lesen, dann weiß ich, das lässt sich sogar steigern. Tja. Große Wirtschaftszampanos, kleine Finanzberatungswichtigtuer, Linke, Rechte und die der gemäßigten Mitte, Politiker, einfache Leute, Unternehmer und Gewerkschafter - sie alle wissen, dass wir die Kernschmelze des westlichen Finanzsystems erleben. Tja. Tenor: die Welt muss zum rechten Maß zurückfinden. Wenn man nur wüsste, welches das rechte Maß ist, gell? Ich weiß ja, dass es eine übergeordnete Gerechtigkeit gibt. Die hat nichts damit zu tun, dass alles nach sozialistischem Traum gerecht verteilt ist. Es hat vielmehr damit zu tun, dass es ein untrügliches Gefühl des echten Ausgleichs gibt. Dieses Gefühl kennt jeder Mensch. Kein kleiner Hilfsarbeiter ist der Ansicht, dass er so viel verdienen muss wie ein hochqualifizierter Herzchirurg. Aber dass einige Banker im Laufe von fünfzehn Jahren einen derartigen Sprung ihres Einkommens durch ihr Können rechtfertigen, wäre nicht einmal dann zu begründen, wenn sie nicht die ganze Sache versemmelt, sprich: uns in eine der größten Wirtschaftskrisen gebracht hätten, die es seit der Wirtschaftskrise in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts gegeben hat. Was also ist das zukünftig zu findende rechte Maß?
Meist meint man damit, sich zu bescheiden. Kleine Semmeln zu backen. Das ist zwar so manchem zu wünschen. Aber eigentlich ist dies nicht die Zeit der Bescheidenheit, sondern die Zeit der größtmöglichen Kreativität, der großen Klarheit, höchste Zeit auszubrechen aus den alten Strukturen, Zeit der supergroßen Wahrhaftigkeit, Zeit über sich hinauszuwachsen und den Weg der riesigen Echtheit zu gehen. Allerhöchste Verantwortung tragen. Große Worte, das ist schon klar. Aber es sind große Zeiten. Von manchen Dingen kann man eben gar nicht genug haben. Und es ist noch immer das rechte Maß.
Genug haben wir allerdings alle von den Peter Pans, die in der Generation der heute Dreißig- bis Fünfzigjährigen überproportional vertreten sind. Neben einem Heim für schwer erziehbare Politiker hätte ich bitte auch noch eines für ebensolche in die Jahre gekommene Burschen aus der Finanzwirtschaft. Ich will, dass Erwachsene nun die Dinge in die Hand nehmen und nicht Kinder, die in den Körpern von Erwachsenen stecken.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir besseren Zeiten entgegen gehen. Die Zeitqualität zwingt uns. Ein Herr Müller, der Redakteur beim deutschen Manager-Magazin ist, hat ein passendes Buch dazu geschrieben. Es heißt: Die 7 Knappheiten. Er meint, dass folgende Ressourcen bei uns knapp werden: Arbeitskraft, Energie, Land, Wasser, Zeit, Geist und Macht. (Wobei ich meine, dass wir jetzt schon darunter leiden, dass wir vor allem zu wenig Geist haben). Die 7 Tugenden, die helfen, das wieder klarzukriegen sind: Arbeit, Sparsamkeit, Kreativität, Offenheit, Solidarität, Originalität und Kooperation. Lesen!



26. Oktober 2008

Leben auf dem Lande, Bösewichte und die große Welt


Im Herbst liebe ich es am allermeisten, auf dem Lande zu leben. Das ist ein reichlich realitätsfernes Gefühl. Kann mich nicht erinnern, wann ich das erste Mal diese Sehnsucht nach heiler Welt verspürte, die unweigerlich mit der Freude am Landleben verknüpft ist. Es gehört dazu, dass geerntet wird. Ich fühle mich dann immer, als ginge es auf eine große Reise, die Reise durch die dunkle Jahreszeit, für die man vorsorgen muss. Wenn ich dann noch mittendrin im Geschehen in die große Welt reisen muss, wird es noch schöner, sobald ich zurückkehre. Ich war gerade in Salzburg, wo die Schlangenberg-Essenzen auf der Gesundheits- und Wellness-Messe gezeigt werden. Dieses Salzburg ist ja wunderschön, wie die wissen werden, die schon einmal dort waren. Ich habe die besten Erinnerungen an diese Stadt, war sie doch einmal Schauplatz einer großen Liebe. Aber gestern kam ich nun zurück von der Messe, und nun geht es um Holz, das gesägt werden muss; Äpfel klauben, Laub fegen; Kamin und Öfen heizen. Wanderungen mit den Hunden. Ich koche so gern im Herbst. Zeit, um sich zu fühlen, als sei man schon kurz vor der Buddhaschaft, also kurz davor, weise zu sein. Und dann denkt man. Sprache. Welch ein unglaubliches Instrument. Dass wir alle benutzen, als gäbe es nichts zu denken. Wir sprechen von eingefleischten Vegetariern. Haha. Oder Bösewichte. Hallo? Die meisten fiesen Menschen, die ich kenne, sind merkbar größer als 1,60 m.

Aber dieser Herbst schenkt uns nicht nur Idylle. Darum lade ich zweimal zu Veranstaltungen, die es in sich haben. Am 2.November, an Allerseelen, gibt es vor dem Tor der Burg Bertholdstein (in Pertlstein, Bezirk Feldbach) das Kindergedenken. Gemeinsam mit vielen Menschen möchte ich all der Kinder gedenken, die getötet wurden, die verloren gingen, die weggelegt wurden, ausgesetzt, vernachlässigt und gequält. Alle Kinder der Welt sind unsere Kinder. Wir sind für alle Kinder in der ganzen Welt verantwortlich. Wer mehr wissen will: www.kindergedenken.at . Und die zweite Veranstaltung ist der Dialog in der Region. Aus gegebenem Anlass möchte ich am 12. November mit wichtigen Menschen darüber sprechen, welche Auswirkungen die Weltwirtschaftskrise auf unsere kleine geliebte Region - ich spreche von der Südost-Steiermark - haben wird. Vertreter von Industriellen-Vereinigung, Wirtschaftskammer, Unternehmen, Arbeitsmarkt-Service, Caritas und Banken sprechen mit mir darüber, was im kommenden Jahr wirtschaftlich auf uns zukommt. Titel der Veranstaltung: Wie groß wird die Not?



15. Oktober 2008



Morgen, Donnerstagabend, spreche ich in der Apotheke zur Kaiserkrone in Wien über Angst, Verzagtheit, Versagensängste. Das Thema eines solchen Abends ist natürlich in Wahrheit die Leichtigkeit des Lebens, das Lustvolle des Seins, das Spielerische des Erfolgs. Das ist ein echter Kraftakt, wenn einem das in diesen plutonisch-saturnischen Zeiten gelingen soll. (übersetzt: wir werden grad durch eine heftige internationale bis persönliche Katharsis geschickt). Dabei haben wir hier unten im wilden Süden einen so unglaublich heiteren, sommerlich-sonnigen Herbst, eine reiche Apfelernte; der Wein soll auch recht gut werden, habe ich gehört. Wenig Walnüsse! Das deutet auf einen milden Winter. Lasst uns hoffen. Unten im Tal tuckert wieder einer mit einem uralten Diesel-Traktor herum. Wenn man nicht hinschaut, kann man sich einbilden, da fährt wieder ein Boot zum Fischen aufs Meer hinaus. Ist derselbe Tucker-Ton des Motors. Man sollte mal wieder ans Meer fahren, am besten, wenn die Saison wirklich vorüber ist, so dass man noch ein wenig in süßer Melancholie trauern kann.


11. Oktober 2008

Schwerer Sturm über Rudis Reste-Rampe


Ich komme gerade aus Deutschland zurück und hatte mal wieder jede Menge große und kleine Einblicke in das dort herrschende Weltbild. Es ist ein Volk, das Leben so betrachtet, als wären sie allesamt Stammkunden an Rudis Reste-Rampe. Ein Volk, das nur von einem Gedanken beherrscht wird: wo kriege ich das, was ich haben will billiger. Möglichst viel bekommen und möglichst nichts zahlen. Und das nennen sie dann Wertvorstellungen. Wertschätzung? Nie gehört. Gemeinsinn? Was soll das denn sein? Alle flippen aus, weil jetzt das Leben, die Realität, das zum Gott erklärte Geld entzaubert und uns vorführt, was passiert, wenn man es zu seinem Lebensinhalt macht. Noch ist es nicht wirklich bei uns angekommen. Aber bald schon tobt ein schwerer Sturm über Rudis Reste-Rampe und wird alle Discounter-Seelen mal so richtig traumatisieren. Das ist eine große Chance für uns alle.
Nicht, dass es bei uns in Österreich anders wäre. Vielleicht verhaltener, aber letztlich auch hier: Die Qualität, also der Wert ist wurscht. Es darf nichts kosten. Das ist die Hauptsache. In Restaurants bekommen wir Fertigessen von der Metro auf den Teller. Für den Preis kann nichts Frisches von einem ausgebildeten Koch produziert werden. Ist doch egal. Wer schmeckt denn schon den Unterschied. Wir wollen im Urlaub im Fünf-Sterne-Hotel nächtigen. Aber kosten soll es nicht mehr als ein Bett in einer Jugendherberge. Und so weiter. Es findet eine ununterbrochene Entwertung statt. Wir setzen die Preise herab und merken nicht, dass das auch eine Herabsetzung der Arbeit der Produzenten ist. Wir wollen, dass die Bauern Schweine und Hühner nicht mehr unter so entsetzlichen Bedingungen halten? Dann muss das Fleisch mehr kosten dürfen.



04. Oktober 2008

Ruin der Ideale


Seit Tagen ringe ich mit Worten, um zu beschreiben, wie ich mich in diesem Herbst fühle. Nur selten erlebt man, dass die Dinge im eigenen kleinen Leben und die großen Geschehnisse in der Welt dieselben Zustände abbilden, wie es jetzt, am Ende dieses Sommers 2008 der Fall ist.
Die meiste Zeit verdrängt man - muss man geradezu verdrängen - dass dieses große, mächtige Land USA darüber bestimmt, ob es uns in diesem kleinen Österreich oder in diesem mäßig bedeutenden Deutschland gut oder schlecht geht. Und darüber bestimmt, wie es uns gut oder wie es uns schlecht geht. Da sitzt ein einzelner Mann, umgeben von uns unsichtbaren Beratern und bestimmt, wie es auf der Welt zugeht. Bis hinein in mein kleines Leben.
Die Ära Bush geht nun endlich zu Ende. Ich lese Kommentare und Berichte vieler gut informierter Journalisten darüber. Und alle sind sich einig, dass dieser Mann unserer Welt, der Demokratie und unserem Wirtschaftssystem große Verletzungen und Wunden zugefügt hat. Ich muss das hier nicht im Einzelnen aufzählen. Er hat alle Ideale über die Demokratie und die Menschenrechte, die wir in unserem Herzen tragen sollten, zerstört. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal einen tiefen Schmerz verspüren würde, wenn ich an den Zustand der Welt denke.
Früher hatte ich trotz allem Irrsinn, der durch die Machtspiele der Mächtigen die Welt im Großen und Kleinen irritieren konnte, ein unerschütterliches Empfinden, dass Begriffe wie Meinungsfreiheit, Demokratie, Gerechtigkeit, Menschenrechte gelten; dass es zum größten Gut gehört, darum kämpfen zu können; dass wir in der großen Welt und darum auch in der kleinen ein gut funktionierendes Frühwarnsystem haben, durch das wir diese kostbaren Begriffe in Theorie und Praxis schützen können, falls sich jemand dazu verführen ließe, sie zu missbrauchen.
In diesem Herbst des Jahres 2008 nun weiß ich, dass dies eine Illusion war. Und bleibe tief verstört zurück. Die Welt hat sich vollkommen verändert. Ich bemerke und registriere, dass allein die Machbarkeit von etwas der einzige Maßstab ist, den Menschen mittlerweile offenbar anzuerkennen vermögen. Menschen sind einander in tiefem Misstrauen verbunden. Und das optimistische, glücksbereite und am Ende sogar liebende Ich, das zu ermöglichen unser aller Ziel doch eigentlich ist, wird günstigstenfalls als dumm, naiv und weltfremd bezeichnet, in der Regel sogar verfolgt und zerstört. An seine Stelle tritt eine ein Vakuum erzeugende eiskalte Berechnung. Weil aber das Leben kein Vakuum kennt, nimmt diesen Raum die Herzlosigkeit ein, die Gedankenlosigkeit, die Unfähigkeit, Verantwortung zu tragen. Es darf gelogen und betrogen werden. Die neuen Helden sind die mit der geringsten Beißhemmung. Gib Peter Pan eine Pistole in die Hand und du weißt, was diese Figur für Ziele verfolgt und welche Erfolge sie anstrebt. (Und welche Erfolge so einer Figur niemals beschieden sind) Die besonders gefährlichen sind nicht die Milchgesichter, sondern die Milchgesichter ab Mitte Vierzig. Wie Bush, der ewige Sohn.
Noch immer hoffe ich, dass wir das Schlimmste nun trotz allem überstanden haben. Die Ära Bush ist vorüber. In Österreich sind nun alle politischen Führer, die auf dem politischen Feld dazu beigetragen haben, dass unsere kostbaren Ideale ruiniert wurden, abgetreten. Jeder Partei sei ein Obama gewünscht, es eilt. Die rechtsradikalen Brandstifter verteilen bereits Zündhölzer an unsere ahnungslose Jugend.
Mein persönliches Leben erlebte in diesem Sommer vergleichbare Krimis. Gleich mehrere genau wie in der großen Welt. Ich lese die großen Journalisten in der Beurteilung der letzten Jahre Begriffe wie Mafia verwenden. Und muss schmerzvoll lächeln. Ich kann es im Kleinen bestätigen. Ich wurde in den letzten zwölf Monaten Zeugin von Machenschaften, die es in unserer Demokratie gar nicht geben dürfte, eben weil wir eine Demokratie sind, also ein Gesellschaftssystem, das auf Meinungsfreiheit, Gesetzen und einer Legislative und Exekutive beruht, die sich an solche halten. In meinen persönlichen Krimis bin ich den alternden Milchgesichtern mit Zugang zur Waffenkammer ebenso begegnet wie zwei "Mafiapaten der alten Schule".
Noch bin ich zu verstört, um fröhlich Hoffnung zu schöpfen, dass die Wunden, die diese erbärmlichen Gestalten geschlagen haben, sich leicht wieder heilen lassen. Immerhin, ihre Zeit ist vorüber. Meine Freude, mein Glück, mein Trost ist, dass sich im Erleben dieser schrecklichen Dinge Menschen gefunden haben, die einen klaren und liebenden Weg bevorzugen.



30. September 2008

Wach sein


Da geht so manches globale und nationale Beben durch unsere Länder. Worauf kommt es jetzt an? Darauf, wach zu sein. Das ist sowieso und jederzeit zu empfehlen. Es gibt da eine Äußerung von Jiddu Krishnamurti, die mir immer ein Lebensmotto war und ist. Er sagte, man solle so leben, als ob man sich in einem Zimmer befände, in dem sich auch eine Giftschlange aufhält. Ein wunderbares Bild, das dazu zwingt, jede Angst sofort und ohne Verzögerung aufzugeben und durch eine klare Wachheit zu ersetzen. Awareness ist der englische Begriff, der deutlich macht, dass diese Wachheit nicht in verkrampfender Kontrolle liegt, sondern in erhöhter Bewusstheit. Wir verschlafen viele wichtige Dinge in unserem Leben. Biedermann und die Brandstifter. Während wir uns in gemütlicher Sicherheit unserer eigenen subjektiven Wirklichkeit wiegen, marschieren die Kerle ganz ungeniert mit vollen Benzinkanistern auf unseren Dachboden. Auch ich habe in diesem Sommer meine Lektionen erhalten, die mich am Ende hellwach sein lassen. Die Welt ist nicht so harmlos, wie sie daherkommt.


25. September 2008



Da hatte ich am Donnerstag also wieder zu einem "Dialog in der Region" nach Straden eingeladen. Wir sprachen in der dortigen Bibliothek über das Lesen, den Zauber des Lesens und wie man jungen Menschen diese Möglichkeit schenken kann. Wesentliche Voraussetzung ist, dass erwachsene Menschen Kindern viel erzählen, viel vorlesen, damit dieser Sinn geweckt werden kann. Es war ein schöner Abend mit viel Tiefgang und wunderbaren Begegnungen. Vor allem die junge Autorin Ulrike Mayer hat mich beeindruckt.
Ich habe schon ein wenig von meinem neuen Krimi erzählt, der im kommenden Frühjahr erscheint. Er wird - wie schon erwähnt - einen neuen Helden haben, denn die schwarze Witwe der alten Krimis hat ausgedient. Im neuen Krimi geht ein Dorfpolizist auf die Jagd nach einem mysteriösen Motorradkiller und wirbelt viel auf, von dem so mancher gehofft hatte, es möge unentdeckt und ungesehen bleiben. Natürlich ist die Geschichte völlig frei erfunden, obwohl eine Schriftstellerin sich ja von vielem, was sie hört, sieht, liest und erfährt, inspirieren lässt. Und so wird es niemanden verwundern, dass es um den verschwundenen Intendanten eines kleinen Provinz-Kulturfestivals geht. Kaum war er weg, stellte man fest, dass auch die vier Millionen nie dort angekommen waren, wo sie hinsollten. Versickert? Unterschlagen? Lois Pammer, der gemütliche Dorfpolizist will es wissen. Landesregierung und ein ebenso kunstbeflissener wie machtbewusster Bürgermeister sind in Aufruhr. Oder ist doch alles ganz anders? Da sind noch mehr, die etwas zu verbergen haben. Ein anderer Bürgermeister mit einer anderen Parteifarbe. Eine einsame Schriftstellerin. Ein Großunternehmer, der sie alle in der Hand hat. Mafia in der Südoststeiermark. Nein, nein, das kann es doch nicht geben. Wir sind doch nicht in Neapel. Oder doch? Zwischen zwei Buchdeckeln warten die Abenteuer.



21. September 2008

Die Seele ist immer jung


Heute im Stern gelesen:

"Wenn ich noch einmal leben könnte", ist der Titel eines Gedichtes von Jorge Luis Borges, das geradezu eine Rezeptsammlung ist für das, was die Seele jung hält.
"Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte,
im nächsten Leben würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht so perfekt sein wollen,
ich würde mich mehr entspannen.
Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben.
Ich würde mehr riskieren,
würde mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten,
mehr Bergsteigen,
mehr in Flüssen schwimmen.
(...)"

Lebendig bleiben und Perfektion vermeiden, neue Ideen zulassen und sich nicht einmauern lassen von Rollenmustern im Alltag und in der Partnerschaft, das ist die beste Prävention gegen die Faltenbildung der Seele.



16. September 2008

Heilende Geschichten


Heilende Geschichten sind solche, in denen Gestalten agieren, die wesentliche Bereiche unserer Seele berühren. Geschichten über Schurken und Engel, Kämpfer und Verräter, Liebende und Sterbende. Heilende Geschichten sind weder moralisch noch erzieherisch. Sie haben manchmal ein happy end, aber manchmal auch nicht. Sie sind auch nicht kitschig und nicht zerstörerisch. Nicht tröstlich und nicht erbaulich. Jedoch können sie verstörend sein. Heilende Geschichten kennen sowohl ganz realistische Schauplätze wie auch Fantasy-Welten. Manchmal sind sie märchenhaft und manchmal erschreckend unverschlüsselt. Heilende Geschichten gibt es vom 20. - 22. November auf den ersten steirischen Gesundheitstagen in der Raabtalhalle in Pertlstein zu hören. Wir werden dort einen Webstuhl aufbauen und dort wird Wolle versponnen. Und während Webstuhl und Spinnrad in Bewegung sind, werden heilende Geschichten erzählt. Jeden Tag zwei.


11. September 2008

Ankunft der Kreuzspinnen


Zu Spinnen, realen Spinnen, mag man stehen wie man will. Die meisten Leute fürchten sich. Am Schlangenberg haben wir Spinnen von jeder Art. Es gibt die unglaublichsten Erscheinungen. Vor allem die Tigerspinne, die wirklich einen getigerten Leib hat, ist beeindruckend. Aber das ist nichts Besonderes. Ihre Zeit ist der Spätsommer. Dann macht das Licht der schon tiefer stehenden Sonne vor allem im Morgentau ihre großartigen Netze auf betörend schöne Weise sichtbar. Aber nun ist die Kreuzspinne bei uns angekommen. Kleine und große, alle mit dem respekteinflößenden weißen Kreuz auf dem Rücken. Sie bauen ihre Netze, und ich stehe und staune.
Als ich nach meinem Vortrag in der Apotheke zur Kaiserkrone in Wien heimfahren wollte, hatte eine die Zeit genutzt und zwischen Lenkrad und Kopfstütze ein großes Netz gesponnen. Am nächsten Tag fand ich bei Andreas Krüger, dem für mich derzeit beeindruckendsten Homöopathen aus Berlin, einen Text in seinen Schriften:
"Uns, die Spinnen, kriegen nur die als Totemtier, die dem Tod oder dem Wahnsinn begegnet sind. Und die, denen Tod oder Wahnsinn begegnet sind, die sind ermächtigt, mittels des Heilliedes das Schicksal zu zersingen."
Ich bin beidem begegnet. Mehr als einmal. Aber in den letzten Monaten erneut. Mit Aurum habe ich die Zerstörung der alten Welten wahrnehmen können. Mit Mercurius habe ich jetzt die alten Welten völliger Zerstörung durchschritten. Dann habe ich mein Lachesis-Schloss betreten und lag dort hundert Jahre wie tot. Und nun sagen die Spinnen in der Morgendämmerung zu mir: Du hast das Schlimmste hinter dir. Hinter diesen Worten verbirgt sich ein von homöopathischen Mitteln begleiteter seelischer Reifungsprozess. Und so zersinge ich nun das Schicksal.
Die Welt der Homöopathie und die Welt der Blütenessenzen sind von großer Tiefe. Der innere Reichtum, in den sie uns führen, indem sie uns Lebensprozesse so deutlich wahrnehmen lassen wie nichts sonst, ist unglaublich. Dagegen ist die Welt der Schulmedizin und auch die Welt des Theaters grobschlächtig und rau. Es sei denn, die, welche in ihnen leben, haben sich der Essenz ihres Lebens zugewandt.



09. September 2008

Magische Momente


Welch ein Sonntag! Ich durfte auf dem Tag der offenen Tür in der Apotheke zur Kaiserkrone in Wien die Schlangenberg-Essenzen und das dazu gehörige Energiefeld vorstellen. Und ich durfte auf diese Weise einen magischen Moment erleben, wie man ihn nicht planen und nicht herstellen kann, sondern wie er eben nur dann geschieht, wenn alle Beteiligten mit allen Kräften den Augenblick feiern, absichtslos und in Herzensoffentheit.
Ein wunderschöner Tag! Wunderbare Begegnungen! Der Gott Chairos hatte seinen Auftritt.
Zurück auf meinem Schlangenberg geht der Alltag weiter. Aber alles ist wie verändert. Chronos verlangt sein Recht. Aber Chairos` Geschenk macht alles leicht.

Ab Oktober werde ich regelmäßig in Wien in der Apotheke zur Kaiserkrone Vorträge und Weiterbildungsveranstaltungen halten. Die Vorträge wenden sich an alle Menschen, die mit den Schlangenberg-Essenzen umgehen möchten. Die Weiterbildungsveranstaltungen sind für alle Heilerinnen und Heiler gedacht, aber auch Menschen, deren persönliche Entwicklung neue Impulse von mir und meiner Arbeit zu erhalten wünschen. Die Themen und Termine finden sich auf meiner website unter "Veranstaltungen". Ebenso findet man sie auf www.schlangenberg.at sowie auf der website der Apotheke zur Kaiserkrone unter www.kaiserkrone.at .
Ich freue mich auf einen magischen Herbst.



05. September 2008

Ich tät so gern was Lustiges schreiben


Oder etwas Lockeres! Nein, nein, ich folge nicht den Spuren des großen Komponisten Johannes Brahms, der, wenn er mal so richtig gut drauf war, einen Grabgesang auf seine Freude komponierte. Aber irgendwie fordern die Zeiten, auf vieles Leichte zu verzichten, scheint es um anderes zu gehen als um Hedonismus, Flockiges, Fluffiges, Lifestyle. Tiefgang will das Leben offenbar. Ernsthaftigkeit. Dagegen hatte ich noch nie etwas. Aber es ist doch anders geworden, seit sich Pluto des Zeichen Steinbock bemächtigt hat. Chronos hat uns fest im Griff. Chairos hat wenig zu tun. Dabei können diese beiden Götter über die Zeit gar nicht ohne einander existieren. Chronos, der ernsthafte, stete, uns Menschen vor sich herschiebende Zeitstrom, der uns "memento mori" murmelnd niemals lang verweilen lässt, der uns Genauigkeit lehrt und auch Unaufhaltsamkeit, Unentrinnbarkeit hat einen - natürlich - jüngeren Bruder. Chairos. Er ist der intensiv gelebte, in umfassender Gegenwart gelebte Augenblick. Er lässt uns sagen: dies ist ein schöner Tag. Oder: das ist das Schönste, das ich je erlebt habe. Er lässt uns schwelgen und das Leben wie ein wunderbares Musikstück erleben. Aber dann kommt Chronos und sagt: Auf geht´s. Weiter. Dieser Zug hält nirgends.
Alle Kinder des Chronos, also alle Steinbock-Geborenen, alle Institutionen des Chronos, also alle, die mit Geld zu tun haben (Banken, Finanzämter zum Beispiel) oder mit der Einhaltung von Regeln (Polizei, Justiz) oder die mit dem Aufstellen von Regeln zu tun haben (Regierungen zum Beispiel, aber auch Eltern) und zum Schluss auch alle, die mit Steinbock-Geborenen in irgendeiner Beziehung verbunden sind (also die meisten Menschen) oder mit den anderen genannten konfrontiert sind (also alle Menschen) erleben diese Kraft in den nächsten Jahren auf eine andere Weise als bisher. Einerseits werden sie als mächtiger und wichtiger wahrgenommen als in den letzten Jahrzehnten. Andererseits werden sie selbst in eine Verantwortlichkeit gezwungen wie noch nie. Das wird ein langer und unbequemer Prozess. Institutionen bestehen aus vielen einzelnen Menschen, die alle wiederum aus einer großen Ansammlung von Gedanken, Wünschen, Glaubenssätzen und Gewohnheiten bestehen. Man kann sich vorstellen, wie lang es dauert, bis die anfangen, umzudenken, zu begreifen, sich umzugewöhnen und die Dinge so zu betrachten, wie Chronos, also die Zeit, es will. Wir werden viel Irrationales erleben, Bizarres bisweilen sogar. Es dauert lang, bis Pluto Ordnung geschaffen hat, die Spreu vom Weizen getrennt hat. Und dann ist auch der neue Zustand nur vorübergehend, auch wenn er hoffentlich viele Möglichkeiten für Chairos bietet, in Erscheinung zu treten. In 13 Jahren ist auch diese Zeit vorüber und neue geistige Systeme werden entstehen. Dann werden wir auf die gründlichen Umwälzungen, die Chronos gerade selber erfährt, zurückblicken wie jetzt in dieser Zeit auf die Jahre der künstlich mit Bedeutung aufgepumpten Blasen der letzten 20 Jahre, als alles Strahlende, Verheißungsvolle die Leute zu den unglaublichsten, aber leider verantwortungslosen Taten verlockte, ohne dass jemand schaute, was da wirklich glitzerte.



31. August 2008

Die 36 Gerechten


Nach der antiken jüdischen Tradition gibt es zu jeder Zeit sechsunddreißig verborgene Gerechte, geheime Heilige, von denen der Fortbestand der Welt abhängt. Stirbt einer von ihnen, so nimmt ein neuer seinen Platz ein. Die Gerechten unterscheiden sich nur durch das herzzerreißende Ausmaß ihres Mitleids von anderen Menschen. Und nur solange sie existieren, solange ihr Mitleid anhält, wird Gott die Welt der gewöhnlichen Menschen bestehen lassen. So untröstlich sind die Gerechten in ihrem Schmerz über das Leiden von Mensch, Tier und Pflanze, dass auch Gott ihnen nicht helfen kann. Die Welt bleibt, wie sie ist. Doch als einen Akt der Gnade stellt Gott von Zeit zu Zeit die Uhr des jüngsten Gerichts um eine Minute vor.

Diese wunderbare Legende gibt mir viel Kraft. In den letzten Wochen bin ich, weil ich einen besonderen Vortrag und das komplette Herbstprogramm vorbereite, bis zu meinen chassidischen Quellen zurückgegangen. Und ich habe so vieles gefunden, das nicht nur ich, sondern wir alle dringend benötigen: Tiefe Gedanken, heilende Berührung von Schmerz und Geschichten, die dazu da sind, dass wir sie einander erzählen, um so die darin enthaltenen Wunder zu teilen. Die Chassidim sagen, Gott erschuf den Menschen, das erzählende Wesen, denn Gott liebt Geschichten. In diesem Sinne will ich mich auch weiterhin um ein gottgefälliges Leben bemühen und meine Geschichten erzählen. Wir wollen Gott doch nicht langweilen!

Zur Zeit arbeite ich an einem neuen Kriminalroman. Er spielt in der südlichen Steiermark. Sein Held ist Lois Pammer, ein Dorfpolizist, der versehentlich hinschaute, wo er hätte wegschauen sollen. Und der dann über sich hinauswächst im Kampf gegen vielerlei Verschwörungen in diesem schönen Land.



29. August 2008

Auf den Zehen der Mächtigen daheim


In der Neuen Züricher Zeitung steht, dass Anna Göldies, die vor 226 Jahren der Hexerei beschuldigt und dafür umgebracht wurde, jetzt vom Glarner Parlament rehabilitiert worden ist. Sie gilt als letzte Person, die als Hexe in Europa ermordet wurde. Man spricht von Justizmord und es ist europaweit das erste Mal, dass eine so genannte Hexe durch ein Parlament rehabilitiert wurde.
Das hat für Menschen wie mich eine große Bedeutung. Denn zum einen bin ich eine, die von der Wirksamkeit praktizierter Magie überzeugt ist und zum anderen bin ich immer wieder so manchen Mächtigen kräftig auf die Zehen gestiegen, wenn es darum ging, offensichtliche Ungerechtigkeiten öffentlich zu machen. Da muss man schon ab und an mit einem kräftigen Gegenwind rechnen. Aber man kann dafür nicht mehr getötet werden. Immerhin. Auf dem Scheiterhaufen bin ich nur symbolisch und zum Spaß in der Faschingsausgabe einer hiesigen Zeitung gelandet, nachdem ich um einen Betrieb zur Massenaufzucht von Schweinen zusammen mit einigen anderen einen magischen Kreis gezogen und dabei ein Wasser gegen Selbstüberschätzung ausgegossen habe. Dass man seither munkelt, der Betrieb komme einfach nicht richtig in Schwung kann - falls es überhaupt stimmt - ganz sicher nicht damit zusammenhängen.
Ich bin sehr froh, dass wir in einer Gesellschaft leben, die besondere Frauen nicht für ihre Kunst verfolgt. Auch wir hier in der schönen Steiermark haben diese dunkle Vergangenheit, als Feudalismus und Kirche die Gesetze machten, wie es ihnen passte. Die Inquisition wütete schrecklich bei uns. Und eine Rehabilitierung der ermordeten Hexen steht noch aus. Die Gallerin, Herrin auf der Riegersburg, konnte sich jahrelang durch großzügige Zahlungen an die Inquisition schützen. Bis sie eines Tages wohl meinten, dass sie nach ihrem Tod einen viel direkteren Zugriff auf ihr großes Vermögen haben. Sie wurde gefoltert und umgebracht. Am 25. Mai 1689 wurde Veronika Rauch als letzte Hexe der Steiermark am Gleichenberger Kogel aufgehängt.
Ich höre nicht auf, an sie zu erinnern. Die Rehabilitierung von Veronika Rauch steht noch aus. Und ich werde - eingedenk der Spielregeln unserer Demokratie - weiterhin auf den Zehen der Mächtigen daheim sein, denn ich bin dem Spruch verpflichtet, der auf Nikos Kazantzakis Grab steht: Ich begehre nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. Zwar begehre ich nichts, aber ich verfolge Ziele. Und niemand hält mich auf.



24. August 2008

Die Welt bleibt wie sie ist - wir verändern uns


Der große Weltenlauf - wir tun alle unser Bestes, um unseren Beitrag zu leisten und sei er noch so klein und bescheiden. Und es gibt immer zwei Kräfte, die darauf einwirken. Eine Kraft, die voranbringen will und eine Kraft, die ihre Macht bewahren will. Manchmal läuft es wie in Georgien. Schnell, brutal und gnadenlos. Manchmal auch wie bei der derzeitigen österreichischen Regierung. Da bleiben beide auf der Strecke und die Zerstörung im Glauben der Menschen an die Demokratie ist gewaltig. Und manchmal wie bei David und Goliath. Damit rechnet so mancher Mächtige ja nicht, dass die Sache auch so ausgehen kann.
Letztere ist eine sehr alte Geschichte, was zeigt, dass die Welt immer bleibt wie sie ist. Wir aber nicht. Menschen kommen und gehen im großen Weltenlauf. Und in der kurzen Spanne zwischen seinem Kommen und Gehen verändert sich der Mensch. Wenn er Glück hat, reift seine Seele, ob er nun David ist oder der mächtige Goliath. Natürlich nur bei denen, die sie nicht verkauft haben. Das ist eigentlich alles.
Ich bin immer wieder erstaunt, was Menschen bereit sind, anderen anzutun, wieviel Verrat sie begehen, nur um den kleinen persönlichen Vorteil. Oder um eigene Missetaten im Verborgenen zu halten. Oder um den Machterhalt. Was kann man tun? Lachen. Leicht werden. Locker bleiben. Tanzen.
Wir, die wir unsere Seele nicht verkauft haben, haben von Menschen gelernt, die gute Lehrer waren. Hier will ich an einen erinnern: Sheldon B. Kopp. Mein Lieblingstext von ihm:
"Diesen Sommer bin ich an die See zurückgekehrt und fühlte kein Verlangen mehr, hinauszuschwimmen und nicht zurückzukehren. Ich gehe ins Wasser, um mit den großen Brechern zu kämpfen. Meine Balance bleibt unsicher und mein Durchhaltevermögen begrenzt. Aber mein Mut ist zurückgekehrt. Ich überlasse mich der Kraft des Wassers, reite selig auf den Wellen, lasse mich von jeder sich brechenden Woge an den Strand zurücktragen, wo ich hingehöre. Ich verschmelze nur kurz mit der See; ich weiß, dass ich aus dem Wasser komme, aber nicht aus Wasser bin. Die See erneuert mich mit ihrer dunklen Kraft, aber ich bin ich, und sie ist sie. Und ich weiß jetzt, ich werde leben, so lange meine Zeit reicht. Sollte mein Körper noch mehr zerschlagen werden, dann will ich leben, wie ich kann, genießen, was ich darf, die Freude haben, die ich bekommen kann und für die Menschen, die ich liebe, sein, was immer ich bin. Ich muss weitergehen auf meiner Pilgerschaft, es ist mein einziger Weg, offen zu bleiben für diese Vision. Für den Rest dieser Wanderung, die mein Leben ist, muss ich darum kämpfen.
Unterwegs muss ich meine Bürde tragen wie jeder andere. Aber ich habe nicht vor, sie dankbar oder still zu tragen. Ich werde meine Traurigkeit annehmen und wenn ich kann, mache ich sie singen. Wenn andere mein Lied hören, werden sie vielleicht aus der Tiefe ihres eigenen Fühlens mitschwingen und antworten.
In der Finsternis des großen Waldes werden wir einander zurufen, damit wir uns nicht verlieren. Wie die unschuldigen Waldmenschen leben wir dann einen Augenblick lang in einer Welt, die ein gütiger Gott geschaffen hat; wenn wir in Not sind, wissen wir, er schläft. Und wie bei den Chassidim, wenn das Leben am schwersten ist von Schmerz und Angst, dann ist es Zeit, dass wir zusammen singen und tanzen, um den schlafenden Gott unserer verlorenen Hoffnung zu wecken."

Zwischen dem 12. Und 14. September gebe ich am Schlangenberg Unterweisungen in Außerkörper-Erfahrungen. Wie frei die Seele ist, wenn sie die Last des Körpers nicht mehr spürt! Ein Platz ist noch frei.



20. August 2008

Die Umwälzung


Überall, allgemein und auf allen Ebenen schauen wir auf die Dinge des Lebens und stellen fest: So wie es ist, kann es nicht weitergehen. So wie es ist, soll es auch nicht bleiben. Denn Stillstand bedeutet Verfall. Es braucht Erneuerung. Eine Umwälzung. Angefangen hat es schon vor einigen Jahren. Vielleicht im Jahre 2000. Manche von uns haben es vorausgesagt. Aber wir wurden erwartungsgemäß verlacht. Das macht nichts. Nun sieht es wirklich jeder. Erste Ergebnisse des Verfalls sind international zu erkennen. Ich sage nur Bankenkrise. Was fehlt, ist klar. Sinn, Visionen, Ethik. Sagen Sie einem Wirtschaftsboss etwas von Ethik seines Handelns, und er wird Ihnen antworten, dass er sich täglich 20 Seminare zum Thema Ethik in der Wirtschaft aussuchen kann unter den Hunderten, die ihm auf seinen Schreibtisch flattern. Wir haben jetzt auch ein Ethik-Business. Der beste Beweis für die Abwesenheit von Ethik. So wie das Schamanen-Business ein Beweis für die sichere Abwesenheit tiefen Schamanentums ist. Wie gesagt, die Zeichen für die Notwendigkeit einer Umwälzung sind so zahlreich wie unübersehbar.
Allerorten ist die Angst vor Veränderung aber auch sehr groß. Es soll nicht so bleiben, aber es soll auch nicht anders werden. Der Mensch hat halt immer Angst vor dem Unbekannten. Die Menschen fürchten sich vor Veränderungen wegen ihrer nicht vorhersehbaren Auswirkungen auf die Zukunft. Daher ist es eine wirklich ernste Angelegenheit, wenn sich die Anzeichen für Notwendigkeit einer Umwälzung mehren. Einige sehen dann den Untergang nicht nur des Abendlandes, nein gleich der ganzen Welt kommen. Und der Mayakalender sagt es ja auch, sagen sie. Andere ziehen den Kopf ein und hoffen auf ein mildes Schicksal und niedrigere Benzinpreise.
Klarheit, Vorausschau und große Hingabe sind erforderlich, wenn Umwälzungen sich ankündigen. Bei richtiger Handhabung kann das Ergebnis eine fortschrittliche neue Ära herbeiführen. Aber nur, wenn alle einen klaren Kopf behalten. Es soll ja keine Holtertipolter-Umwälzung werden, sondern eine sorgfältig berechnete Umwandlung. Natürlich kann man eine Umwandlung, die global ist, nicht als einzelner Mensch berechnen. Auch nicht als Gruppe. Nicht einmal als Nation. Oder vielleicht doch? Wer mich kennt, weiß, wie ich darüber denke. Auf jeden Fall ist große Ausdauer vonnöten. Und der wohlbekannte, lang nicht mehr gehörte Klang von: Viva la Revolucion!



18. August 2008

Fülle. Vertrauen. Glück


Unter diesem Titel habe ich in der vergangenen Woche zwei Vorträge gehalten. Und am Wochenende habe ich das Seminar über den Wert und die Wirkung der Worte gehalten. Der Wert dieser drei Worte - Fülle. Vertrauen. Glück - ist wahrlich groß. Haben wollen wir das alle. Aber es erschaffen? Es ist schon eine ganz schöne Schinderei, Fülle, Vertrauen und Glück zu ermöglichen. Aber es gelingt, man muss nur dem Mangel-Gespenst auf die Schliche kommen. Es hat so viele Menschen in seinem Würgegriff.
Wir Schlangenberger sind jetzt um zwei Menschen reicher, die in Zukunft gemeinsam mit uns für Fülle und Glück sorgen werden. Richtig mit Unterschrift und Siegel. Mit Tatkraft und Freude. Ich bin sicher, unser heilerisches, spirituelles und kulturelles Herbstprogramm wird sich sehen lassen können.



02. August 2008

Lebensthemen - Lebensfallen


Sonnenfinsternis, rumpelnde Gewitterwolken als tägliche Erscheinung, nachts unsere Käuzchen und Fledermäuse, auch die Igel, am Tage die faul schlafenden Katzen, die grasenden Schafe, meine einzige noch verbliebene Ziege, die Rosen blühen, auch die Hortensien, die Feuerlilien haben ihre Zeit schon hinter sich. Die Wildpflanzen machen einen durchschnittlichen Eindruck, denn die meisten blühen bis zum Frühsommer, dann beeindrucken nur noch die Kulturpflanzen. Unter dem Nussbaum ist nicht nur Schatten, sondern es duftet, als hätte irgendjemand zehn Liter ätherisches Öl verschüttet. Sommer auf dem Schlangenberg. Man könnte hier in aller Ruhe verwildern und die ganze Welt da draußen vergessen. Die einzige Aufgabe scheint zu sein, inneren Frieden zu finden und zu fühlen.
Aber das Leben macht niemals Ferien. Es variiert unsere Lebensthemen und zeigt uns immer wieder auf stets neue Weise, wozu die kleinen Lebensfallen da sind. Lebensfallen? Ja, Lebensfallen. In die verrennt man sich. In die tappt man. In denen steckt man. Und scheint sie nur im Rückblick zu erkennen. Wenn man eine andere geworden ist. An der Arbeit, sich wieder herauszuarbeiten, gewachsen, größer, klüger, verstehender geworden. Das Leben ist eine einzige Wundertüte. Du kannst immer wieder hineingreifen. Und was du erwischt, ist erstaunlich. Weder gut noch schlecht. Aber immer erstaunlich.



26. Juli 2008

Sendefrequenzen


Wenn du Freunde willst, sei ein Freund. Sei nicht freundlich. Sei nicht nett. Sei nicht höflich. Das sind ganz andere Sendefrequenzen. Freunde kommen dorthin, wo ein Freund ist. (Ich wähle hier absichtlich die neutrale Form "Freund" und nicht die das Weibliche betonende Form "Freundin"). Was du aussendest, wird beantwortet. Du kannst nur auf der Frequenz empfangen, auf der du sendest.

Was heißt das? Sind wir alle Funker? Im gewissen Sinne ja. Unsere wahren Motivationen, unsere eigentlichen Gedanken und Überzeugungen bilden ein unsichtbares Energiefeld. Es zeigt sich in dem, was wir fühlen. Wirklich fühlen. Man kann beispielsweise freundlich sein, aber Verachtung für Menschen fühlen. Was beim Gegenüber ankommt, ist nicht die freundliche Fassade, sondern das wahre Energiefeld. Und das sendet auf eigenen Frequenzen. Wer also Angst hat, bekommt die bestätigenden Antworten. Daher der Spruch: Wer Wind sät, wird Sturm ernten.
Wer Glück schenkt, wird mit Glück beschenkt. Wie man vom Nettsein zum Glück schenken kommt? Wie man seine Energiefelder positiv verändert? Das lernt man bei mir. In einem meiner Seminare. In einer Beratung. Einem Gespräch. In meinen Büchern.



22. Juli 2008

Wenn`s lauft, dann lauft`s


Es war eine Premiere. Es war ein besonderes Wochenende. Wir müssen den Flüssen vertrauen war eine Veranstaltung, die uns alle ergriffen hat, mitgerissen hat. Welch ein Erlebnis. Selbst das Wetter spielte mit. In diesem regenreichen Sommer schenkte man uns ein Wochenende mit Sonne, Hitze und blitzblauem Himmel. Am Sonntagnachmittag zogen wir alle von der wilden Mur auf den Schlangenberg und ließen bei einem Feuer und Weitblick bis auf die Koralpe ausklingen.
Aus der Tiefe der Wasser-Erfahrungen wieder aufzutauchen und sich zum Abschluss auf das Dach der Welt zu begeben, um von oben auf das Gewesene zu blicken - das war perfekt. Im August geht es weiter. Und wieder beginnen wir an den Ufern der Mur, hören sie flüstern, hören die Wellen flüstern. Und lernen zu zaubern. Mit Worten zu zaubern. Denn am Anfang war und ist immer das Wort.

Was flüstern die Wellen
Vom Wert und von der Wirkung der Worte
15. - 17. August
Schiffsmühle Mureck/Schlangenberg



14. Juli 2008

Fürchtet euch nicht!


Deutschland schlottert vor dem Untergang. Österreich fürchtet sich heimlich mit. Soll es denn wahr sein? Lasst ihr euch ins Bockshorn jagen? Hört auf damit. Holt tief Luft. Denkt nach. Wechselzeiten sind angesagt. Mehr nicht. Man wird umdenken müssen. Mehr nicht. Schaut auf euer eigenes, einmaliges Leben und betrachtet, was euch unglücklich macht; schaut hin und ändert, was geändert werden muss. Angst ist dabei ein schlechter Ratgeber. Der schlechteste überhaupt. Bedenkt, dass es einen Grund hat, dass eure Ängste zur Zeit geschürt werden. Fallt nicht drauf rein.
Vom 18.-20. Juli und vom 5.- 7. September nehme ich dich mit in die Tiefe. Dorthin, wo noch unterhalb deiner Angst die Verbundenheit mit allem Lebendigen zu finden ist. Und ich nehme dich mit hinauf in die Höhe. Dorthin, wo du dich mit dem Göttlichen verbinden kannst und erfährst, worauf es in deinem Leben ankommt. Am Ende wirst du unbeirrt deinen Weg gehen können.

Wir müssen den Flüssen vertrauen.
Eine Veranstaltung über die Wechselfälle des Lebens.



12. Juli 2008

Was Neues oder was Wesentliches?


Ich habe mich gestern in einem Vortrag darüber geäußert, dass die Psychotherapie nicht das hält, was Menschen sich von ihr versprechen. Es waren einige Psychotherapeutinnen anwesend, die ihren Berufsstand angegriffen fühlten. Das war weder das Ziel meiner Bemerkung noch führte die Angegriffenheit zu etwas. Ich meine, die Psychotherapie bildet Menschen darin aus, Aufräumarbeiten im Keller des Seelenhauses anderer Menschen zu machen. Das ist gut so, darf aber nicht überbewertet werden. Und was noch viel schwerer wiegt, die Psychotherapie neigt dazu, aus diesem Kellerblick den Rest des Seelenhauses zu beurteilen. So kann es kommen, dass wir die Traumata der Kindheit für die Ursache unserer Probleme halten. Der Keller wird mit dem Unterbewusstsein gleichgesetzt, seine Funktion scheint allein darin zu bestehen, Raum bereit zu stellen, in dem der Müll der Vergangenheit aufbewahrt wird. Träume - eine Funktion, um Erlebtes zu verarbeiten. Das Seelenhaus ist aber viel größer. Das Unterbewusstsein kann viel mehr! Es verwaltet alles, was wir schon können und stellt es uns bei Bedarf zur Verfügung. Es verwaltet den Reichtum der Gefühle. Es ist die Verbindung zu allem, was wir mit allen anderen Menschen gemeinsam haben und es ist die Verbindung zum Göttlichen.
Da kann die Psychotherapie nicht einfach nur Kellerarbeit im Seelenhaus machen.
Um den Rest des Seelenhauses kümmern sich mittlerweile meist Menschen mit den buntesten Berufsbezeichnungen, wo man nie weiß, was sich dahinter verbirgt. Wir haben nicht nur Therapeuten, wir haben auch Berater, Heilpraktiker, Coaches, Trainer, Begleiter, Heiler und Schamanen, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Dagegen ist nichts zu sagen. Wir brauchen hin und wieder die Chance auf Seelenarbeit. Und das ist nicht allein zu bewerkstelligen, es braucht die Sicht aus der Distanz, den Spiegel, die Reflexion. Da ist Platz für bunte Erscheinungen. Das Problem ist, dass dieser bunte Haufen Seelenarbeiter deshalb bunt ist, weil alle immer glauben, sie bräuchten was Neues auf dem Gebiet. Unzählige Methoden sind entstanden. Der größte Teil unterliegt modischen Wellen. Ich aber meine, wir brauchen nichts Neues, wir brauchen was Wesentliches. Essenzielles.
Die Therapeuten, Berater, Coaches, Trainer und Begleiter brauchen ausreichend bewusst überlebte spirituelle Notlagen, die ihren zahlreichen schönen Methoden zur Pflege des Seelenhauses überhaupt erst einen Sinn verleihen. So wie ein Auto erst fährt, wenn man den Tank mit Benzin füllt. So gesehen bin ich eine Art Tankwart. Das ist mein Sein. Das ist mein Platz. Bei mir kann man das Wesentliche tanken.



09. Juli 2008

Steinreich


Ja, da kommen heftige Zeiten auf uns zu. Wie Josef Zotter, (der mit den besonderen Schokoladen) auf meinem "Dialog in der Region" darlegte, werden wir - wenn alle die Völker, die jetzt unseren europäischen Lebensstandard auch haben möchten, wie zum Beispiel China, ihn haben werden - zirka 4,8 mal die Erde benötigen. Es ist klar, das kann sich nicht ausgehen. Das könnte also eng werden. Natürlich halten wir es mit der persönlichen Einschränkung so wie mit unserer Haltung beim Steuerzahlen. Am liebsten ist es uns, wenn sich die anderen darum kümmern. Man selbst wäre gern eine Ausnahme. Wir werden also wieder Gemeinsinn entwickeln müssen. Eine Tugend, die aus guten Gründen sehr aus der Mode gekommen ist. Wir werden uns dieser Dinge mit Gemeinsinn annehmen und mit dem auskommen, was wir haben, was nicht immer leichtfällt. Zum Beispiel Politiker. Es hilft nichts, wir haben die, die wir haben und man weiß nicht, wie man das ertragen soll. Oder wo man bessere herbekommt, welche mit Charisma und Augenmaß ; welche, die wissen, was sich gehört, glaubwürdig und geradlinig. Bei den letzten Wahlen in Österreich hatten wir die Wahl zwischen Cholera und Pest. Wir wählten. Wir bekamen Cholera UND Pest. Jetzt dürfen wir wieder wählen. Die Auswahl ist die gleiche.

Wenden wir uns lieber wieder unserem eigenen kleinen Leben zu und schauen, dass es uns gutgeht. Uns und den anderen. Glückliche Seele, sprühender Geist in genussfähigem Körper.

Ich habe dazu ein Buch wiederentdeckt, das viele von euch vielleicht noch kennen. "Steinreich" von Luisa Francia. Die Frau hat einfach geniale Bücher geschrieben. "Steinreich" ist eines davon. Wer es noch hat - schaut mal hinein. Es ist die Antwort auf alles, was uns jetzt betrübt: die hohen Preise, der deutsche Armutswahn, die Unfähigkeit mit allen Kräften des Lebens fröhlich zu spielen. Wer Luisa Francia noch nicht kennt, schaut doch mal in ihre website: www.salamandra.de . Schreibt ihr und sagt ihr einen schönen Gruß von mir.



07. Juli 2008

Innere Anwesenheit


Ich war eine ganze Woche weggetaucht. Am Schlangenberg gab es eine einwöchige Arbeitsklausur mit Claudia, Manuela, Wolfgang, Athena und Veda, um unserer Zukunft die Wege zu ebnen. Aus der produktiven und kreativen Abwesenheit wieder aufgetaucht, bekomme ich heute per e-mail einen wunderbaren Begriff geschenkt: Innere Anwesenheit.
Wir fragen uns ja manchmal, wo nimmt die oder der nur die Energie her. Ich zum Beispiel arbeite ja nur halbtags, denn laut Klaus Kobjoll hat der Tag 24 Stunden, weshalb 12 Stunden für ihn ein halber Tag sind. Aber im Ernst. Die innere Anwesenheit ist das Geheimnis. Es ist die Kunst der äußersten Wachheit. Wie Jiddu Krishnamurti sagte: man solle sich immer so verhalten, als ob man sich in einem Zimmer aufhält, in dem auch eine Giftschlange lebt. Ihr seht, äußerste Wachheit, innere Anwesenheit ist ein Zustand der angstfreien Klarheit. Die größte Zuwendung zum Leben. Ich kenne nicht wenige Menschen, deren Geist ununterbrochen nur auf Standby läuft. Außer nachts, da liegt der Geist dann auch noch in Narkose. Leute, wacht auf. Wo immer ihr auch seid, kehrt in euch selbst zurück. Innere Anwesenheit erlangt man durch Stille, tiefes Atmen und Konzentration. Durch Offenheit. Schweigen.



27. Juni 2008

Der Schlangenberg summt, singt, lockt, ruft


Der Schlangenberg ist von ganz besonderer Ausstrahlung in diesem Jahr. Ganz unten auf der Essenzenwiese legen wir wieder ein großes Labyrinth mit einem besonderen Mittelpunkt. Im Elfengarten sind außergewöhnliche Begegnungen möglich. Am Wildgarten unter dem Dach des großen Nussbaumes sitzen wir und hören Geschichten, ein Platz zum Lesen und Leben. Und die Feuerstelle hat eine großartige Fassung bekommen. Oben am Pool wird an der Zukunft gewebt. Aber auch gegessen, getrunken, gelacht, gefeiert.....Der Berg hat Energie geschöpft in den Monaten der Ruhe. Nun ist er wieder ein Ort der Kraft und Stille. Ein Ort der Mystik. Ich lade zu einem Besuch.

Geschichten am Spinnrad am 26. Juli und 23. August. Ab 18.00 Uhr bis Mitternacht
Alitis Geschichten vom Schicksal und von Schurken; von Elfen und Schweinen; von Furien auf Bäumen und liederlichen Mädchen; vom Weg ins Labyrinth und den Ungeheuern in uns selbst.



25. Juni 2008

Der spirituelle Notfall


Ich schreibe heute über einen Begriff, den der Psychologe Stanislav Grof geprägt hat: vom spirituellen Notfall. Gemeint ist eine spirituelle Krise, die eine ganz bestimmte Intelligenz schult, ohne die ein Mensch nicht zu einer integren Persönlichkeit heranreift.
Wohin man auch schaut, man trifft, sieht und erlebt Menschen, die eine Menge Ausbildungen gemacht haben. Wenn man genauer hinschaut, dann haben sie Techniken gelernt; wurden vielleicht in Methoden geschult. Es sind vor allem die, die mich fragen, welche Methoden ich in meinen Seminaren anwende. Ich werde dann immer tieftraurig. Man sollte mich fragen, wieviele spirituelle Notfälle ich erfahren habe, an denen ich seelisch gewachsen bin. Denn daran erst zeigt sich, was jemand lehren kann. Therapeutische Methoden sind blosses Handwerk, und auch das nur, solange es von jemand benutzt wird, die eine Guriani oder ein Guru ist. Also ein echter Lebenslehrer.

Wer vor allem Techniken und Methoden für bedeutsam hält und glaubt, man müsse nur einfach eine Ausbildung machen, dann hätte man es drauf, der hat nichts Wesentliches zu geben. Der kennt die Schritte vom Tango, aber er kann nicht tanzen. Die meisten dieser Methoden-Leute kennen nicht mal die Schritte des Tango, sondern nur einzelne Schrittfolgen. Drei Schritte Tango, zwei Schritte Foxtrott, drei Schritte Walzer. Und dann machen sie eine Tanzschule auf.

Wir haben Unternehmensberater, die haben nicht im geringsten eine Ahnung, wie man ein Unternehmen führt oder wie es sich anfühlt, in einem Unternehmen geführt zu werden. Ich erinnere an die junge und unerfahrene Frau, der vom größten Unternehmensberater der Welt ein Vertrag angeboten wurde, nur weil sie von einer originellen Problemlösung in ihrer WG erzählte. Hätte sie angenommen, wäre sie losgeschickt worden, um große Unternehmen zu beraten. Worin, frage ich mich. Wir haben Menschen, die mir allen Ernstes erzählen, sie hätten eine schamanische Ausbildung gemacht. Dass ich nicht lache. Die sind bestenfalls im Schamanen-Business, was traurig genug ist, aber Schamane wird man so keiner. Wäre diesen Gelegenheits-Schamanen bewusst, was ein Schamane auf sich nimmt, indem er viele eigene spirituelle Notfälle durchlebt und sogar Krankheit und Leid bewusst erleidet, um anderen in ihren spirituellen Notfällen zur Seite zu stehen, dann kämen sie nicht einmal im Traum auf die Idee, so jemand sein zu wollen. Schamanen sterben jung oder werden im Alter chronisch krank und einsam, von vielen Dämonen gejagt.

Eine gute Freundin, die nebenbei gesagt selber eine der wirklich guten Therapeutinnen ist, die ich kenne, erzählte mir, dass sie bei der XY eine neue Ausbildung mache, die wirklich effizient sei. Voll des Lobes war sie. Ob der gelernten Methode. Über die XY fand sie weniger lobende Worte und analysierte kompetent deren seelische Dürre und fragwürdigen Charakter. Und von so jemand lernt sie? Was denn? Meine Freundin ist übrigens deshalb eine gute Therapeutin, weil sie keinem spirituellen Notfall in ihrem Leben ausgewichen ist, sondern stets bereit war, die erforderlichen tausend Tode zu sterben.

Ich wünsche mir Menschen, die ihre spirituelle Intelligenz schulen wollen. Die eine Guriani suchen, eine Lebenslehrerin, die ihnen auf ihrem Weg zu einer integren Persönlichkeit weiterhilft. Integrität hat keinen Bedarf an Techniken.



23. Juni 2008

Kapitel 18
oder: wie ich aus meinen eigenen Büchern lerne


Eigentlich wollte ich nur kurz etwas nachschauen. Da habe ich plötzlich meinen letzten Krimi "Heißes Herz" in der Hand und schlage blind auf. Es ist der Schluss des Buches, Kapitel 18. Und da steht:

Die Schwarze Witwe rannte bis hinter Georgis` Taverne und setze sich für einen Augenblick auf die kühlen Kiesel am Strand, um wieder Luft holen zu können. Dann zog sie sich aus und verstaute ihre Kleidung in einer Felsmulde. Frierend und ein wenig ängstlich stand sie nackt da und starrte zur Insel hinüber. Es war inzwischen dunkel geworden. Das Meer lag still und schwarz zwischen ihr und ihrem Ziel, eine Grenze, die es jetzt zu überschreiten galt und die dazu führen würde, dass sie eine völlig andere, eine neue würde.
Solange sie sich zurückerinnern konnte, war sie noch nie bis zur Insel geschwommen. Irgend etwas hatte sie immer davon abgehalten, wie auch ihre Liebe zu Kreta im Grunde größer war als ihre Liebe zum Wasser, das die Insel umgab. Unzählige Male war sie mit dem Boot übergesetzt, aber niemals hatte sie sich allein auf den Weg gemacht.
Langsam ging sie Schritt für Schritt ins dunkle Wasser hinein. Es erschien ihr, als griffe das Wasser kalt und nass nach ihr. Quälende Gedanken, dass sie unterwegs ihre Kräfte verlassen würden, dass etwas Unbekanntes sie in die Tiefe ziehen würde, dass sie ihr Ziel verfehlen würde, überkamen sie und ließen ihre Beine bleischwer und unbeweglich werden. Ihr Herz sank, aber irgend etwas trieb sie weiter.
Die Schwarze Witwe wurde ein Staubkorn im Universum. Verlassen stand sie im Wasser und schauderte. In jeder Zelle ihres Körpers fühlte sie, dass sie allein war auf der Welt. Sie war bereit zu sterben, alles aufzugeben, alles loszulassen. Noch immer hatte sie keinen blassen Schimmer, was sie trieb, sich auf das Unbekannte einzulassen. Sie glaubte nicht, dass sie ihr Ziel, die Insel, erreichen würde. Sie wusste nicht, warum sie hinüberschwimmen wollte. Aber sie wusste, dass sie es tun musste. Sie musste allein, ohne überhaupt irgendeine andere Seele diesen einen Schritt tun.
Schweren Herzens und in großer Angst ging sie weiter. Ihre Füße spürten spitze Steine und seltsam Glitschiges, das sie nicht definieren konnte. Am liebste wäre sie laut schreiend zurückgelaufen, hätte ihre Kleidung angezogen und sich an Marias Esstisch gesetzt. Hätte darüber gescherzt, wie erfrischend ein abendliches Bad im Meer sei. Aber es war völlig klar, dass diese Welt der gedeckten Tische und trinkenden Gäste nicht mehr die ihre war. Es gab nur noch eines: Schwimmen oder untergehen.
Sie wusste, dass die Angst, unterzugehen, dafür sorgen würde, dass sie unterging. So war sie also auch bereit zu ertrinken, sich aufzulösen, im großen Wasser aufzugehen. Beherzt machte sie einen weiteren Schritt ins Meer hinein, und auf einmal verschwand der Boden unter ihr. Mit einem Schrei fiel sie ins tiefe Wasser und musste schwimmen, ob sie wollte oder nicht. Dann wurde sie von einer unbekannten Kraft in das Labyrinth hineingezogen und konnte nur noch an den nächsten Schwimmzug denken, den sie zu machen hatte.
Irgendwann hatte sie das Denken aufgegeben. Alle Furcht fiel von ihr ab, alles Hoffen, alles Sehnen, kein Wünschen war mehr da und auch kein Leid. Sie war ein Fisch, sie war Wasser, war Bewegung, einatmen, ausatmen. Sie vergaß, dass es ein Ziel gab. Sie vergaß auf die Richtung zu achten, und hatte kein Empfinden mehr, ob sie ins offene Meer hinausgetrieben wurde oder noch immer auf die Insel zuschwamm. Ihr Körper funktionierte und machte die Bewegungen, die notwendig waren, um sich über Wasser zu halten, aber nicht einmal das nahm sie noch wirklich wahr. Sie war im Nichts angekommen. Die Große Mutter nahm sie in sich auf und verschlang ihre einsame Tochter.


Wie es weitergeht? Wird die es schaffen? Erreicht sie die Insel? Und was erwartet sie dort? Wer weiß.



20. Juni 2008

Feindliche Übernahme der Wörter


Als ich in meinen Zwanzigern war, benutzte ich den Begriff "Seele" unbefangen und aus tiefstem Herzen, so wie in der griechischen Sprache üblich, auch in der deutschen Sprache. In einer damaligen Literatenrunde regte man sich darüber auf und attestierte mir, dass ich keine Schriftstellerin werden könne. Denn man könne Seele nicht mehr verwenden, seit die Nazis dieses Wort getötet hätten. Ich wollte das nicht akzeptieren. Jede Umschreibung wäre wie eine Prothese gewesen. Psyche. Das ist nicht Seele. Jedenfalls nicht in der deutschen Sprache.
Seit damals sammle ich Wörter, die kontaminiert, missbraucht oder gar getötet wurden. Ich sammle sie und belebe sie neu. Manche muss man nur waschen und ein wenig aufhübschen. Andere müssen wirklich beatmet werden. Ich will hier keine Einzelheiten über die Täter aufzählen, es könnten so einige Leute, die ich kenne, tief beleidigt sein, aber hier wenigstens ein kleiner Ausblick auf gemarterte Wörter: Spiritualität, heilig, Ritual, Persönlichkeitsentwicklung, Seminar, Zukunft, Beratung und Coach, Vision, Kreativität, Innovation zum Beispiel. Oder Therapie, Beratung, Begleitung. Man sollte einen Wortschutzverein gründen.
Vor kurzem sagte jemand zu mir, er wolle auf keinen Fall als Guru betrachtet werden. Schön. Wenn er keiner ist, sollte er das auch auf keinen Fall. Wenn er aber einer ist, warum will er dann keiner sein? Ein Guru ist ein ganz besonderer Lehrer. Ich betrachte mich als Guriani (weibliche Form des Guru), weil ich eine bin. Eine, die viel Kraft aufwendet, sich dessen würdig zu erweisen. Eine Guriani, die den drei L folgt: Lust, Liebe und Leidenschaft. Noch so drei arme Wörter, denen viel angetan wurde in den letzten Jahrzehnten.



19. Juni 2008

Ein Abend wie dieser


Am Morgen sah es noch so aus, als wäre die Südoststeiermark ins regenreiche Irland verlegt worden. Weltuntergangsstimmung. Aber als am Abend in Straden der achte Dialog in der Region startete, war es ein lauer schöner Sommerabend im Freien. Meine Gäste waren engagiert bei der Sache. Dass die Preissteigerungen dafür sorgen werden, dass wir alle umdenken müssen - darüber waren sich alle einig. Josef Zotter, der legendäre Schokolatier erzählte von seiner unternehmerischen Weitsicht, die ihn davor bewahrt, jetzt unter den explodierenden Kakaopreisen zu ächzen. Er ist ein Fair-Trade-Mann, sagte er. Und zahle seit jeher schon wesentlich mehr als das Übliche für seine Rohstoffe. Rupert Rauch, Landschaftsplaner und wilder grüner Mann begrüßte erwartungsgemäß die hohen Benzinpreise. Albert Neumeister, Weinbaumeister, bewies, dass er zu Recht Visionär genannt werden darf.
Ein Abend wie dieser macht mich glücklich, weil er beweist, dass meine Annahme, Menschen müssten mehr über die wesentlichen Dinge des Lebens ins Gespräch kommen, richtig ist. Es ist etwas anderes, über diese wesentlichen Dinge in den Medien zu lesen, als im überschaubaren Kreis leibhaftig darüber zu sprechen - mit einem echten Gegenüber und in Bezogenheit auf das eigene Leben und die eigene Region.



16. Juni 2008

Mein Leben mit den Ziegen


Heute ist Viktoria, die vorletzte meiner Ziegen, nach einem langen Leben auf dem Schlangenberg gestorben. Einmal waren sie eine elfköpfige Familie. Beinahe schon so lang wie ich haben sie auf dem Schlangenberg gelebt. Viele ihrer Streiche, die Überfälle auf meine Gärten, ihre Waldabenteuer, haben Eingang in meine Bücher gefunden. Ich habe über das Herdenleben im allgemeinen und das einer intakten Ziegenfamilie im Besonderen unendlich viel gelernt. Weiß auch, warum der Begriff "Tragödie" in der Tat wörtlich übersetzt Bocksgesang bedeutet. Wer damals meinen Bauxi gehört (und gerochen) hat, als er noch jung und fesch war und ständig auf Freiersfüßen wandelte, der wird das nie vergessen. Nun ist noch meine Mutzigam übrig. Auch sie schon sehr alt. Sehr gebrechlich. Vielleicht ist ihr noch dieser ganze Sommer beschieden, bevor auch sie in die nächste Welt hineinstirbt. Noch kann ich es nicht fassen, dass ich meinen Wildgarten nicht mehr eingezäunt haben muss. Dass die Blumengärten um die Häuser nicht mehr in Gefahr sind (denn meine Schafe verfügen nicht einmal über einen Bruchteil der kriminellen Energie, zu der Ziegen fähig sind).
Wehmut. Abschiedsstimmung. Möge es Viktoria gutgehen, die anderen werden sie schon gebührend in Empfang genommen haben. Heuer erscheint mir der Schlangenberg besonders schön. Die Feuerlilien blühen so üppig und so zahlreich wie noch nie.

Ich denke mir, wir sollten zu Geschichten am Spinnrad laden. Sollten alle einladen, mit uns die vielen Geschichten zu hören, über das Leben am Schlangenberg; über die Tiere. Lupita, das legendäre Schwein; die Ziegen; die Hunde und Katzen. Über die vielen lustigen Dinge, die hier in all den Jahren geschehen sind, über das Labyrinth und die Frauenmysterien; über die Elfen und die anderen Naturgeister; über tapfere Menschen und elende Schurken. Was es halt alles so gibt und was man so erlebt, wenn man Hüterin des Schlangenberges ist.



15. Juni 2008

Meister und Lehrling


Zur Zeit führe ich viele Gespräche im Zusammenhang mit unseren Essenzen, die das Essverhalten normalisieren helfen. Ich kenne keine Frau, die nicht mehr als einmal versucht hat, ihr Gewicht zu kontrollieren, die echten oder eingebildeten überflüssigen Pfunde zu verlieren. Viele, mit denen ich spreche, steigen mit mir in eine Diskussion darüber, wie das denn funktionieren kann, dass sich das Essverhalten normalisiert. Sie WOLLEN doch normal essen, und was haben sie nicht alles versucht, ihr übertriebenes Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme zu verändern. Ich WEISS doch, dass das, was ich tue, nicht richtig ist, sagen sie meist. Ich muss mich nur anstrengen, irgendwann habe ich es im Griff, ist der Gedanke, der sie antreibt.
Eben nicht. Ich weiß, wovon ich spreche, wenn ich sage, dass es nicht zu kontrollieren ist. Das ist, als ob der Lehrling versucht, den Betrieb zu führen. Er mag wollen, aber er kann es nun mal nicht.

Das Bewusstsein, der Produzent unseres Willens, ist - ich sagte es oft - der dümmste Teil von uns. So ist es auch vorgesehen. Es ist unser Lerninstrument. Dafür gemacht, sich um das zu kümmern, was der Mensch nicht kennt, nicht weiß, nicht wahrnimmt. Worüber er nachdenken muss, was er üben muss. Wenn dann gelernt wurde; wenn der Mensch weiß und wahrnimmt, ist das Gelernte auch schon wieder uninteressant für unser Bewusstsein. Es sinkt hinein in die Seele, in den Geist, sogar in den Körper und leuchtet quasi von innen nach außen. Als Summe der Erfahrung, als Essenz des Gelernten. Je älter wir werden, umso mehr muss von innen nach außen leuchten, was bereits gelebtes Leben ist. Um das, was wir können, müssen wir uns nicht kümmern. Im Gegenteil! Das Gekonnte kümmert sich um uns! Wir müssen uns um das kümmern, was fehlt.
Dass es Fehlverhalten gibt, zum Beispiel auch beim Essen, ist ein Zeichen dafür, dass es einen Grund hat, warum wir so lange leben. Es gibt noch mehr zu lernen. Die Seele, der Geist sind weiterhin hungrig. Und dieser Hunger ist nicht mit Essen zu stillen.
Das Bewusstsein hat sich also darum zu bemühen, etwas zu finden, was diesen Hunger stillen kann, damit der Mensch aufhören kann, es über Nahrung zu sich nehmen zu wollen. Hunger ist die gewaltigste Kraft auf Erden. Sie beherrscht den Menschen mehr als die Kraft der Sexualität. Die Seele ist der Produzent dessen, was wir MÜSSEN. Diese Kraft ist nichts anderes als elementares Bedürfnis. Signal für Lebenswillen. Wie groß muss erst der Hunger der Seele sein, wenn sie sich dieses primären Signals bedient.

Seit drei Monaten nehme ich meine fünf Essenzen, die für die Normalisierung des Essverhaltens stehen. Manche Emotion ist einfach und schnell zur Ruhe gekommen. Anderes wühlt mich auf, dem ich mich mit großer Aufmerksamkeit zuwende. Ich esse, wenn ich Hunger habe, und zwar nur dann. Darum muss ich mich nicht bemühen. Es ist ganz selbstverständlich. Nichts, worüber ich nachdenken muss, was ich aber staunend wahrnehme. Und langsam aber sicher habe ich eine ganze Kleidergröße verloren.

Du bringst den Leuten bei, weniger zu essen? Fragte mich neulich jemand. Nein, habe ich geantwortet: Ich bringe den Leuten bei, ihre Seele zu respektieren. In jeder Hinsicht. Das habe ich immer getan. Und wie immer gehe ich voran. Damit ich weiß, wovon ich rede.



09. Juni 2008



Der Begriff Lebensenergie hat eine systemsprengende Kraft, da er sich mit keinem Teilprozess im Menschen, mit keiner bestimmten Triebkraft, etwa der Sexualität oder Aggression identifizieren lässt. Das einzige Kriterium für die Aktivierung der Lebensenergie ist, dass etwas "wirkt" und funktioniert, was immer dieses "etwas" ist. Eine Psychotherapie, die letztlich nur darauf hinzielt, dass im Klienten Leben lebendig wird, stellt permanent Konventionen und Denkschablonen in Frage. Das wachsende Gefühl für das, was in uns "am Werk" ist, gibt eine Freiheit, die kein noch so vollständiges psychologisches System, keine tiefenpsychologische Schule geben kann. - Im Tiefsten ist Energieerfahrung Mystik. Diese sprengt eingefrorene, systemgewordene Vorstellungen durch die Erfahrung von Bewegung und Wirkungen, die über diese hinausgehen.
(Peter Schellenbaum)



04. Juni 2008

Wertschätzung


Was ist los? Alles wird teurer! Das wissen alle. Das sagen alle. Ich kann nicht leugnen, dass es so ist. Aber was ist mit den Reaktionen? Was ist los mit uns? Am 18. Juni veranstalte ich den achten Dialog in der Region und er soll eine der Möglichkeiten erhellen helfen, die zu dieser Preisspirale führen. Titel: Zockt uns der Kapitalmarkt in die Hungersnot? Nicht, dass ich das wirklich glaube, auch wenn der Rohstoffmarkt derzeit von den Heuschrecken überfallen wird, die uns die Bankenkrise der letzten Monate eingebracht haben. Das wäre zu einfach, obwohl man ihnen auf die Pfoten schauen muss, voller Argwohn. Die Preissteigerungen haben viele Ursachen. Beim Öl, und in Folge beim Auto-Treibstoff sind es andere Gründe als bei der Milch und anderen Lebensmitteln. Mich beschäftigt, dass wir als Gesellschaft, als Nationen an einem galoppierenden Schwund an Wertschätzung leiden. Wertschätzung überhaupt. Niemand gibt, jeder nimmt. Anspruchshaltungen allerorten. Und wenn es nicht mehr so klappt, dann ist das Geschrei groß. Wer erfüllt unsere Ansprüche und wer garantiert uns, dass die Fettlebe so weitergeht? Wir wollen billige Lebensmittel und sind damit Ursache für unvorstellbare Tierqual, weil das nur mit Massenhaltung unter schlimmsten Umständen zu realisieren ist. Wir wollen billige Kleidung und machen damit Kinderarbeit in der Dritten Welt möglich. Stutenmilch für schöne Haut? Wisst ihr eigentlich, wie diese armen Viecher gehalten werden? Östrogene gegen Wechselbeschwerden? Wird aus dem Urin trächtiger Stuten gewonnen. Die Stuten werden unter schlimmsten Umständen gehalten. In Dauerträchtigkeit, bis sie nach vier, fünf Jahren körperlich völlig fertig sind. Ihre Fohlen wandern in die italienische Salami. Wir wollen immer ganz, ganz viel für möglichst ganz wenig Geld. Aber alles hat seinen Preis. Das haben wir wohl vergessen. Wertschätzung kostet grundsätzlich erst einmal gar nichts. Lass uns doch mal probieren, ob meine These, dass alles in der nicht-materiellen Welt, der Welt der Gedanken und Absichten verändert wird, stimmt und funktioniert. Lasst uns doch mal ein Energiefeld der Wertschätzung öffnen. Dankt unseren Bauern für ihren schweren Job, den sie machen. Achtet alle, die Essen und Kleidung produzieren, die das große Wirtschaftsrad drehen und drehen. Schaut genau hin, welchen Preis wir eigentlich wofür zahlen. Und seid auch hier nicht zu schnell und selbstgerecht. Es geht nicht ums Gutmenschentum. Es geht um mehr. Augen auf. Herzen auf. Verstand anwerfen wäre auch nicht schlecht.

Dialog in der Region
Zockt uns der Kapitalmarkt in die Hungersnot?

18. Juni 08, 19.30 Uhr
Straden,vor der Greislerei "de Merin"

Gäste:

Alfred Neumeister, Weinbaumeister und Visionär
Rupert Rauch, Lebensraumgestalter und Realist
Dietfried Suppan, Steiermärkische Sparkasse Bad Radkersburg
Josef Zotter, Schokolatier und Visionär
Moderation: Angelika Aliti


Dialog in der Region ist ein No-Money-Projekt. Niemand kriegt Honorar oder Kosten ersetzt. Keine Miete wird gezahlt. Keine Orga-Kosten geltend gemacht. Kein Eintritt erhoben. Und es funktioniert bestens !



03. Juni 2008

Der Wunsch hinter dem Wunsch. Das Ziel hinter dem Ziel.


Was ist der Sinn deines Tuns? Ich meine der wirkliche Sinn? Und was sind die Folgen deines Tuns? Ich meine die wirklichen Folgen? In letzter Zeit wurde ich Zeugin, wie manche Menschen es schaffen, sich und andere ins Scheitern zu zwingen. Das sind große Selbstzertörungskräfte. Man steht da, schaut sich das an und wundert sich. Warum tun Leute das? Warum beschädigen sie lieber sich selbst und andere Menschen als das Feld der Liebe zu betreten? Es ist die Angst. Wie immer die Angst. Je weniger jemand wirklich über sich selbst weiß, umso größer die Chance, dass das Lebensboot an immer denselben Klippen zerschellt. Oder im Hafen verrottet, ohne jemals auf hoher See gewesen zu sein, das heißt, dem Schiff das ermöglicht zu haben, das zu erleben, weshalb es gebaut worden ist.


28. Mai 2008

Ein zauberhafter Tag


Das war er wohl, der Tag, an dem wir die symbolische Eröffnung der Schlangenberg-Akademie für Bildung gefeiert haben. Symbolisch ist die Eröffnung deshalb, weil ich in diesem Sommer meine Seminare an den Ufern der Mur zwar abhalte, wir aber erst im Herbst unseren endgültigen Standort erhalten werden. Während ich derzeit noch meinen alten Zauber lehre und den neuen Zauber mit großer Entdeckerfreude in der Phase des Entzückens erlebe- und von einem kleinen Kreis Lehrerinnen unterstützt werde, steigt ab Herbst ein neuer Stern am Himmel auf. Es wird ein geheimnisumwitterter Platz sein, der alle Schönheit dieses Landes zwischen Mur und den erloschenen Vulkanen vereint. Mystisch wie so vieles hier.

Der Tag war günstig, der Tag war wichtig. Das Kind sollte um 11.00 Uhr in der Früh das Licht der Welt erblicken. So sagten die Sterne. Und dann kamen viele Gratulantinnen und Gratulanten. Mit Freundinnen und Freunden, mit Wegbegleitern, Gästen aus Politik und Nachbarschaft, verwandten Branchen und Familie; mit Klientinnen und zukünftigen Dozentinnen der Akademie haben wir den ganzen Tag gefeiert. Bei zauberhaftem Wetter.



24. Mai 2008

Arbeiten am Fluss


Ein Seminar sollte Tiefe haben und Leichtigkeit ermöglichen. Es sollte Erkenntnisse schenken und Herzen berühren, Intensität haben und locker machen. Die Methoden, mit denen man das erreichen kann, sind zahlreich. Wobei ich meine, dass, je mehr sich jemand noch an die standardisierten Methoden im großen und weiten Raum des Seelenbusiness klammert, es noch ein weiter Weg für die Seminarleiterin oder den Seminarleiter ist, bis obige Voraussetzungen erfüllt sind. Wichtigste Voraussetzung für ein Gelingen aber ist der Raum. Der Raum im weitesten Sinne. Am Berg, im Tal, am See, am Meer - das macht einen großen Unterschied. Die Erde spricht jedes Mal anders zu uns.
Die legendären Schlangenberg-Seminare waren getragen von sehr erdigen Kräften und getrieben von einer kreiselnden, inspirierten Energie. Erstere hielt die Leute gut geerdet am Boden. Letztere schenkte Selbsterkenntnis im Sekundentakt. Am Schlangenberg hat man Weitblick in jeder Hinsicht.
Mein neuer Ort an der Mur bringt ganz andere und neue Möglichkeiten zum Vorschein. Gerade ist das erste Seminar an der Schiffsmühle in Mureck zu Ende gegangen. Dieser Fluss, ach dieser Fluss macht, dass alles anders ist. Der Regen zwang uns zur knorzigen Gemütlichkeit im Stadl mit Feuer im Kaminofen und Meditation auf dunkelrotem Samt. Und draußen tobte das Grün, bis die Luft dampfte. Die Mur, deren Wasserstand so hoch wie selten war, rauschte und raste dahin, ein unglaublich beruhigender Ton ununterbrochenen Fließens, dazwischen Eidechsen - eine Schlange, die auf einem Ast über dem Fluss in der Sonne döste. Und uns löste das Wasser alle alte Form auf; trug sorgsam gepäppelte Attitüden davon; unterspülte alle Platitüden; reinigte die Seele und auf einmal konnte man loslassen, mitfließen, eintauchen. So also ist das Arbeiten am Fluss. Das sind hier andere Geister als am Schlangenberg. Am Fluss schwimmt sich die Seele frei.



19. Mai 2008



Die Mystik des Waldes. Dunkles Grün. Die Stille, das träge Wasser des Mühlbaches, das Rauschen der Mur, die sich an den großen Felsen in der Mitte des Flussbettes bricht. Orchideen, Maiglöckchen, Anemonen. Ab und zu gleitet eine Schlange auf der Flucht vor Menschenstiefeln in das Wasser. Nicht weit entfernt eine Terrasse über dem Fluss. Sonnenschirme vor altem Holzhaus. Die Terrassentür weit geöffnet. Darinnen Rattansessel an großen Tischen, im Nebenraum weinrote Sitzbänke zum Meditieren. Menschen lachen, diskutieren.
Musik, leise Musik und das Klirren von Gläsern und Besteck.
Lust bekommen auf ein Wochenende im Auwald-Paradies?
Kulinarische Extravaganzen und geistige Inspiration inklusive?
Ich freue mich darauf, euch in diesem Jahr mit den Flussgeistern und der Murfrau, die auf dem Grund des Flusses lebt, bekannt zu machen.



15. Mai 2008



Ein mit mir in Verbindung stehender griechischer Architekt hat mir einen wunderschönen Satz von Kavafis (einem der größten griechischen Dichter) geschenkt:
"When you set out on your journey to Ithaca, pray that the road is long, full of adventure, full of knowledge."
Wenn du dich auf die Reise nach Ithaka begibst, bete darum, dass der Weg lang ist, voller Abenteuer und voller Erfahrungen.



07. Mai 2008

Übergewicht beginnt im Kopf


Gerade ist eine erfreuliche Meldung hereingeschneit. Eine der Therapeutinnen, die schon seit einiger Zeit mit den Schlangenberg-Essenzen arbeitet, hat erste Erfolge mit unserem neuen Programm "Abnehmen mit Schlangenberg-Essenzen" erzielt.
Es sind ja ganz unterschiedliche Ursachen, die dazu führen, dass wir uns mehr Kilos auf die Hüfte packen als uns lieb und gesund ist. So manche isst, um nicht sichtbar zu sein. Andere fürchten, im übertragenen Sinne kein Gewicht zu haben. Wieder andere bunkern, weil sie Leben als eine endlose Folge von Mangel wahrnehmen. Noch anderen fehlt das Vertrauen ins Leben. Oder sind zu wenig bemuttert. Oder fürchten, an gedeckten Tischen verhungern zu müssen. Die Liste ist lang.

Blütenessenzen helfen, sich der eigenen, individuellen Ursache bewusst zu werden. Ich habe vier Blüten herausgefunden, die für vier Konstitutionstypen von Übergewicht stehen. Eine fünfte hat sich dazugesellt, nachdem eine Klientin mit ihr gute Erfahrungen macht. Die fünf Blüten sind: Ackerwinde, Borretsch, Klee, Kürbis und Mais. Wer herausfinden will, zu welchem Konstitutionstypen sie gehört, möge sich austesten lassen. Zuständige Therapeuten findet ihr unter www.schlangenberg.at . Bitte Schlangenberg-Essenzen und dann den Button "Therapeuten" anklicksen.

Ein entsprechendes Seminar gibt es im Sommer. Und zwar Zwischen Sicherheit und Wagnis: Abnehmen mit Schlangenberg-Essenzen13.- 15. Juni 2008 Infos dazu: hier



05. Mai 2008

Was tun?


Strategen gelten als berechnend, als kalt und gefühlsarm. Ehrgeiz macht rücksichtslos und "gute Geschäfte" ist ein Synonym für Betrüger. Die Reihe der Vorurteile gegen strategisches Verhalten ließe sich endlos fortsetzen. Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Sind wir erfolgreichere Menschen - ich meine im Sinne von einem gelungenen Leben - wenn wir planlos unserem Gefühl folgend leben? Einen guten Lebensplan in der Tasche zu haben, erscheint mir, seit ich in der zweiten Hälfte des Lebens angekommen bin, eine wirklich gute Sache zu sein. Wäre es nicht gut, wenn viel mehr Menschen wissen, was sie tun? Wäre es nicht wunderbar, wenn man möglichst frühzeitig Klarheit über die eigene Bestimmung hätte? Und es dann noch mit Hilfe und Unterstützung gelänge, dieser zu folgen?
Der Mensch braucht Herausforderungen, sonst macht das ganze Leben keinen Spaß. Und der Mensch braucht Sicherheit, denn planloses Herumirren in der eigenen Lebengeschichte ist nicht dazu geeignet, glücklich zu werden. In beiden Fällen braucht es einen funktionierenden Plan und gutes Augenmaß. Ganz besonders in den Zeiten, wenn es ungemütlich wird. Nämlich in den Zeiten, wenn das Leben uns drängt, in Bewegung zu kommen.



22. April 2008

Wellen und Willen. Strategie!


Strategisches Denken, Zielstrebigkeit, immer einen Plan in der Tasche - die meisten Menschen handeln nicht danach. Und täte man dies ständig und im normalen Alltagsleben, so würde man über den Mangel an Spontaneität traurig und verzagt wie der Tausendfüßler, der am Ende nicht mehr weiß, mit welchem Fuß er zuerst losgeht. Aber dann: die Welt ist ein Meer an Entscheidungen, die zu treffen sind und wir stehen unzählige Male vor inneren Weggabelungen und müssen wissen, welches der erfolgreiche der beiden Wege sein wird. Gehen oder bleiben? Siegen oder besser verlieren? Wann ist es Zeit, den Job zu wechseln? Ist es Angst die mich beherrscht oder doch Vernunft? Soll ich meine Beziehung beenden? Soll ich dem Leben vertrauen oder ist es sträfliche Passivität?
Ich meine, man soll sein Leben gestalten wie ein Maler ein Gemälde, wie ein Schriftsteller einen Roman. Wir müssen dabei nicht größenwahnsinnig werden, das Leben hält ausreichend Hindernisse, Finten und Rätsel bereit, denn es ist immer klüger als der Mensch. Und doch gibt es strategische Systeme, die uns einen großen Handlungsspielraum lassen, weil wir eben genau diese Überraschungen des Lebens Teil unseres Systems werden lassen.
Wer sich dafür interessiert, wie man elegant, mit Anstand und Achtsamkeit zum Gewinner des Lebens wird: Wellen und Willen. Strategie! Die Kunst des königlichen Siegens. Vom 19. Bis 24. Mai an der Schiffsmühle in Mureck. Nähere Informationen: Seminare 2008



02. April 2008

Ungeahnte Möglichkeiten


Alles, was wir fühlen, denken oder hören, ist nur ein Teil dessen, was möglich ist. Dieser Satz, der von dem Autoren Manuel Schoch stammt, eröffnet ganze Welten voller Wunder, voller Lachen und Freiheit. Es ist nicht einfach, sich so zu verhalten, dass die ungeahnten Möglichkeiten jederzeit Gelegenheit bekommen, sich uns zu zeigen. Es ist halt viel bequemer, sich in der Enge der vertraut-beschränkten Vorstellungen zurückzulehnen. (Ich hörte von einem Mann, dem gewünscht wurde, dass er hundert Jahre alt werden möge. Er soll geantwortet haben: Warum der göttlichen Vorsehung mit derart eingeschränkten menschlichen Vorstellungen begegnen?) Das Leben hält in der Tat immer wieder neue Welten für uns bereit, von denen wir einige Zeit vorher nicht einmal gewusst haben, dass es sie gibt.
In diesen Zeiten, in denen viel Schlimmes und Böses zum Vorschein kommt - ich denke da allein daran, wie die Zockergier der Banken die Wirtschaft an die Wand fahren lässt, lese ich plötzlich in nicht wenigen Artikeln, dass die Zeit der Buben, deren Zukunftsvorstellung immer nur gerade bis zu den nächsten Quartalszahlen reicht, endgültig vorbei sein dürfte. Plötzlich gibt es wieder eine Erinnerung daran, dass Banken dazu da sind, den Geldfluss unserer Welt zu kanalisieren und zu steuern, anstatt eben diese Welt in ein gigantisches Spielcasino zu verwandeln. In meiner kleinen Welt gibt es ähnliche Hoffnungen. Auf einmal ist es gar nicht mehr so unabänderlich, in einem ungeliebten Job auszuharren und man besinnt sich auf verlassene und verleugnete Lebenswege. Andere öffnen einfach die Augen und erkennen, wie groß die Welt ist. Viele beschließen, nicht mehr gegen die Bedürfnisse ihrer Seele zu handeln.
Mein Leben lang habe ich die Aufgabe und Ehre gehabt, im Leben unzähliger Menschen durch meine Arbeit Impulse zu geben, die Bedürfnisse der eigenen Seele überhaupt wahrzunehmen. Meine Medien waren und sind meine Bücher, die Bühne, das Gespräch, Lesungen, Vorträge. Seit einiger Zeit fülle ich Selbsterkenntnis sogar in Flaschen ab, so dass wirklich niemand mehr sagen kann, es gäbe keine Möglichkeit zur Erweiterung des Horizonts. Ich spreche von meinen Blütenessenzen. Neulich meinte jemand, man sollte die Essenzen ins Trinkwasser geben. Na, auf jeden Fall!



29. März 2008

Zweite Auflage


Das hat niemand ahnen können: Mein neues Buch "...denn wie ein wilder Garten ist die Seele" ist bereits nach drei Wochen vergriffen. Wir gehen in die zweite Auflage. Bestellungen werden gern und jederzeit entgegen genommen.

Die Natur feiert wilde Auferstehung. Wir feiern mit.



20. März 2008

Zwei Zitate zu Ostern


"Wenn uns etwas aus dem gewöhnlichen Gleise wirft, bilden wir uns ein, alles sei verloren. Dabei fängt nur etwas Neues, Gutes an. Solange es Leben gibt, gibt es auch Glück."
Leo Tolstoi

"Wenn ich meine Kunden gefragt hätte, was sie denn wirklich wollen, hätten sie geantwortet: ein schnelleres Pferd."
Henry Ford

Allen ein schönes Osterfest und allen, die den Kampf gegen die eigene Dummheit und den eigenen Kleinmut nicht aufgegeben haben, ein gutes Maß Beherztheit! Allen, die sich beherzt auf den Weg gemacht haben, gute Begleitung und viel Freude auf dem Pilgerweg.



17. März 2008

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen


Diese Überschrift ist der Anfang eines Rilke-Gedichtes. Nun ist schon wieder Ostern. Ich habe einen Gedanken von Hermann Schreiber übernommen, einem Journalisten der alten Garde. Er sagt: Fang nie an, aufzuhören und hör nie auf anzufangen.

Ja so ist das. So passt der März. Ich arbeite an morphogenetischen Feldern, lache über Dummheit, weine über die kalte Gier in der Welt; ich wundere mich über gar nix mehr. Aber lustig ist es schon, das Leben.



25. Februar 2008

Der Frühling bringt es an den Tag


Ich arbeite derzeit auf Hochtouren am Seminar- und Theaterprogramm für 2008. Mein neues Buch erscheint. Premiere ist am 6. März in Regensburg in der Buchhandlung Pustet. Danach bin ich in Wiesloch. Darauf freue ich mich ganz besonders, immerhin habe ich einige Jahre in Heidelberg, was gleich um die Ecke liegt, gelebt. Bis dahin ist das Veranstaltungsprogramm fertig. InteressentInnen können sich schon jetzt eines reservieren.


07. Februar 2008



Die Wirklichkeit wird von Denk- und Gefühlsprozessen verschleiert, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Wenn du gerade eine Million Dollar gewonnen hast und an einer Rose vorbeigehst, wirst du sie wunderschön finden. Hast du aber gerade erfahren, dass du verlassen wirst und den Job auch noch los bist, wirst du die Rose nicht einmal wahrnehmen, geschweige denn schön finden. IN BEIDEN FÄLLEN bist du nicht in der Lage, mit der Rose, sprich der Wirklichkeit zu kommunizieren. Einmal wirst du die Rose für einen Millionengewinn halten. Im zweiten Fall für die Verstärkung deines Elends. Die Rose, sprich die Wirklichkeit, kann auch nicht mit dir kommunizieren, weil dein Denken sich an das anpasst, was du zu dieser Zeit glaubst. Daraus erwächst gelinde gesagt eines der größten Missverständnisse, die es gibt - die Fixierung auf das, was negativ ist. Dies ist die Quelle allen Unglücks, das du erlebst. Ohne Ausnahme.
Die ganze Zeit unseres Lebens handeln wir aus Gründen, die nicht in der Wirklichkeit existieren, sondern in der Vergangenheit verankert sind. Die Wirklichkeit ist aber immer im Jetzt. Die auf diese Weise nicht wahrgenommene Wirklichkeit wird sich durch den verschleierten Blick der Vergangenheit zu einer weiteren Folge von Misserfolg, Scheitern, Leid und Schmerz wandeln und auf diese Weise in unser Glaubenssystem eingespeist werden, um es weiter am Leben zu halten.

Angeregt durch Manuel Schoch



06. Februar 2008

Zurücknahme


Nun haben wir also wieder die Zeit, in der es gut ist, nach innen zu gehen, sich selbst zurückzunehmen, zu fasten. Altes, Überflüssiges, Ballast abzuwerfen. Zeit für Seelenarbeit, eigentlich Seelenhygiene. Na, dann macht mal halblang! Eigentlich beginnt das Jahr ja erst im April, wenn wir uns an der astrologischen Jahressicht orientieren. Also bereiten wir uns darauf vor, mit leichtem Gepäck den Übergang zu vollziehen.


30. Januar 2008



Ein Problem kann nur gelöst werden, wenn das Potenzial eines Menschen, d.h. seine Qualitäten sich ausdrücken dürfen.

Manuel Schoch



20. Januar 2008

Wir werden uns noch zurücksehnen nach den Zeiten des Patriarchats


Manchen ist es vielleicht noch nicht aufgefallen, aber die Zeiten, als wir noch in einer patriarchalen Gesellschaft lebten, sind schon lange vorbei. Robert Bly wies vor 20 Jahren schon darauf hin, erntete damals aber nur Häme. Globalismus, um einen vielstrapazierten Begriff zu bemühen, heißt, dass wir kein Patriarchat mehr haben. Wir sind entsetzt über Nokias ungenierte Habgier in Bochum? So wie vor vielen Jahren, als die deutsche Conti ohne Not den österreichischen Reifenhersteller Semperit zerschlug? Wir sind baff über obszöne Manager-Gehälter, die offenbar umso höher sind, je größer die Niete, die sie empfängt? Es gibt Banken, die einen Kredit an eine andere Bank weiterverkaufen, obwohl der Kreditnehmer brav seinen Vertrag erfüllt und seine Raten zahlt. Und diese zweite Bank kündigt den Kredit, versteigert die Häuser, um die es geht, weil sie nur schnelles Geld wollen. Auch hier Existenzen ohne Not vernichtet. Andere Banken geben Leuten einen Kredit für ein Haus, wohl wissend, dass sie die Leute ein paar Jahre später mit hohen Zinsverteuerungen in den Ruin treiben werden. Sie tun dies ohne Bedenken, auch wenn sie wissen, dass auch ihre eigene Bank letztlich dadurch in den Ruin taumelt. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Das alles hat damit zu tun, dass es keine Patriarchen mehr gibt (Matriarchinnen schon lange nicht mehr), Männer und Frauen, die sich als Väter und Mütter eines Unternehmens verstehen. Die sich für die Mitarbeiter verantwortlich fühlen und wissen, dass ein Unternehmen mehr ist als nur eine Möglichkeit, Gewinne zu machen oder einen Arbeitsplatz zu haben. Was wir haben, sind Leute, die nicht dafür geradestehen müssen, wenn Sie Mist bauen. Biologisch erwachsene Kinder, die der Ansicht sind, alles zu kriegen und nichts geben zu müssen. Da kommt gewaltig etwas auf uns zu.


10. Januar 2008



Wir sind nicht Menschen, die gelegentlich ein spirituelles Erlebnis haben - es ist andersherum: Wir sind spirituelle Wesen, die gelegentlich eine menschliche Erfahrung haben.

Deepak Chopra, "Die sieben geistigen Gesetze des Erfolgs"



08. Januar 2008

Vom glückseligen Leben


...inzwischen halte ich mich, worin alle Stoiker eins sind, an die Natur; von ihr nicht abzuirren und sich nach ihrem Gesetz und Beispiel zu bilden, ist Weisheit. Glückselig also ist ein Leben, welches mit seiner Natur in Einklang steht; dies aber kann uns nicht anders zuteil werden, als wenn zuerst der Geist gesund und in beständigem Besitz seiner Gesundheit ist; sodann, wenn er kräftig und entschlossen, zudem sittlich rein und geduldig ist, sich den Umständen fügt, für den Körper und seine Bedürfnisse besorgt ist, jedoch ohne Ängstlichkeit; achtsam ferner auf die übrigen Dinge, die zum Leben gehören, ohne auf irgendeines großen Wert zu legen, bereit, die Gaben des Glückes zu benutzen, nicht aber ihnen zu frönen. Du siehst, auch ohne dass ich es hinzufüge, dass dem auch eine beständige Gemütsruhe und Freiheit folgen muss, da alles verbannt ist, was uns entweder reizt oder schreckt. Denn an die Stelle der sinnlichen Genüsse und alles dessen, was kleinlich und hinfällig und Unheil bringend ist, tritt eine hohe, unerschütterliche und sich gleich bleibende Freude, Friede und Harmonie der Seele und Größe mit Sanftmut gepaart; denn alle Rohheit ist nur ein Zeichen von Schwäche.

Seneca, "Vom glückseligen Leben"



01. Januar 2008

Als hättest du die Welt noch nie gesehen


Dieses neue Jahr hat also mit der Kraft Jupiter zu tun. Er repräsentiert eine leuchtende, strahlende Kraft.
Mehr als einmal habe ich ein Seminar zu dieser Kraft abgehalten. Dabei ging es meist um das Licht in dir selbst, das du so fürchtest. Dieses Jahr gehen wir mit der Kraft noch einen wesentlichen Schritt weiter und setzen voraus, dass wir strahlende Heldinnen sind. Als diese sich der Welt so zuzuwenden, als hättest du sie noch nie gesehen. Darauf kommt es nun an.
Das ist gar nicht so einfach. Ich behaupte, dass wir weitaus mehr als uns bewusst ist, mit unserem Leben, unseren Ansichten über das Leben und mit anderen Menschen so umgehen, als wären wir ein überversorgtes, verwöhntes Kind, das sich vom Feuer des Enthusiasmus kaum noch berühren, geschweige denn bewegen lässt.
Was kennen wir nicht alles bestens vom Wegschauen! Wie automatisch und zuverlässig arbeiten doch unsere Wahrnehmungsfilter, auf dass wir nicht von unbekannten Sichtweisen gestört werden! Der staunende Mensch ist bei uns Synonym für den Narren.
Nachts, wenn wir schlafen, sind wir alle in unseren Träumen wie staunende Närrinnen. Dann wandeln wir durch eine Welt, in der die Dinge nicht mehr so sind, wie wir es gewöhnt sind. Leider stehen wir in ihnen aber nicht unbedingt immer als strahlende Heldinnen da. Die sind wir eher in unseren Tagträumen. In diesen ist die Welt so, wie wir sie uns wünschen.
Die Realität ist ganz anders. Viele und lange Jahre verbringen wir damit, sie zu bekämpfen, uns über sie zu empören, uns von ihr bedroht zu fühlen, sie zu leugnen.
Aber auf dem Weg in die Erleuchtung kommt es darauf an, den Sinn in ihr zu finden. Ich glaube, er enträtselt sich, wenn wir Traum, Tagtraum und Realität gleichermaßen anerkennen und ineinander fließen lassen. Eine völlig neue Welt, strahlend wie ein Sonnenaufgang. Meine liebste Tageszeit.



30. Dezember 2007

Essenzielles


Was soll ich hier den ermüdenden wie zahllosen professionellen Jahresrückblicken einen weiteren hinzufügen. Wie auch immer es war, dieses 2007, hat es offenbar in mehr Leuten als sonst das Bedürfnis geweckt, wissen zu wollen, womit sie 2008 rechnen müssen. Ich durfte vielen ausrechnen, welche astrologischen Transite welche Zeitqualitäten im Leben der Einzelnen auslösen. Und weil ich mehr Anfragen als Termine hatte, will ich dies Ende Januar noch einmal tun, wenn ich wieder auf Reisen durch Deutschland bin. Also nur zu: sollte sich jemand zwischen Köln und Kempten dafür interessieren, welche Aufgaben das Leben im kommenden Jahr bereit hält, bitte bei Veda anmelden. Unter veda.aliti@schlangenberg.at.

Was kann ich euch allen und mir wünschen? Alles, was nötig ist, damit wir in einem Jahr rückblickend sagen können: Es waren leuchtende Tage. Wünschen wir uns, dass wir nicht schweigen, wo wir den Mund aufmachen müssen; dass wir nicht wegschauen, wenn Dummheit und Macht unheilige Allianzen eingehen; dass wir das, was wir tun, auch verantworten können.



22. Dezember 2007

Schöne, schönste Weihnachten!


Es ist klar, für die allermeisten von uns war es kein leichtes Jahr, dieses 2007. Mir kommt vor, ich wäre zu Fuß, was heißt zu Fuß, barfuss durch die vergangenen zwölf Monate gelaufen. Am besten charakterisiert durch eine Postkarte, die ich bekommen habe. Da sieht man ein kleines Mädchen, wie sie vor dem Weihnachtsmann steht. Und der zählt,auf, was das Mädchen Gutes und Blödes getan hat, wie es üblich ist. Und sagt zu ihr: Und dann sollst du sogar wörtlich gesagt haben, das Leben ist doch eine einzige Psychokacke. Ja, das hat wohl so mancher 2007 gesagt.

Nach einer langen Reise quer durch Deutschland bis hinauf nach Hamburg und zurück auf meinen Schlangenberg dachte ich darüber nach, dass das vergangene Jahr mir vor allem gezeigt hat, dass man nicht mehr an Wunder glauben sollte. Aber dann musste ich lachen. Was für ein Blödsinn. Die Wunder zeigen sich halt nur nie so, wie wir meinen, dass Wunder sein sollten. Ich habe eines erlebt. Durch einen gewissen Rossi. Rossi ist klein, sehr klein. Klein, einsam, verlassen und sehr, sehr hungrig, so stand er vor vier Wochen bei uns vor der Tür. Ein heimatloses Kätzchen, höchstens drei Monate alt. Und weil er rot getigert ist, habe ich ihn Rossi genannt. Keine Ahnung, was ihm wohl geschehen ist. Niemand weiß, wie er es hier zu uns auf den Schlangenberg herauf geschafft hat. Aber nun ist er da und arbeitet daran, ein gezähmter Hauskater zu werden, der kleine wilde Kerl. Er muss viel Angst überwinden. Ein Wunder. Ein Geschenk. Ein großes Glück. Für andere Leute vielleicht nichts Besonderes. Für mich das Größte.

Ich wünsche allen ein Weihnachten der großen und kleinen Wunder. Eine gute Zeit.



12. Dezember 2007

Ich schreibe mir die Augen wund


Diese Zeilen zum Tode von Stockhausen stammen nicht von mir, sondern von Hans Zimmermann aus Görlitz, dem ich so manche philosophische Unterfütterung meines Lebensweges der letzten Jahre verdanke.

da hat er also, wie er selbst es sagen würde, sich als Gesamtkunstwerk vollendet ("zu leben ist eine Kunst" sagt Novalis), ist in seine Auferstehungsphase übergegangen, begibt sich nun zu seiner Heimat im Hundsstern links unterhalb des Orion und nimmt sich ins lärmübersteigende Schweigen der Planeten, Sonnen, Galaxien zurück. Ich war von vielen seiner Kompositionen fasziniert, und daß man ihn seit seiner Äußerung über den Fall der beiden Türme ("größtes Kunstwerk aller Zeiten: 3000 Menschen auf einen Schlag in die Auferstehung geschickt!") versucht hat, einmütig und absolut totschweigen, als gäbe es ihn plötzlich nicht mehr, darauf bin ich stets aufmerksam gewesen. Welche Paradoxie, einen Meister der Klänge in der Stille zu verstecken, eine derart schöpferische Person so nachhaltig zur Unperson zu erklären. Sein offensichtlicher, aber mit Arbeit ("Ich schreibe mir die Augen wund!" rechtfertigte er sich einmal bei Biolek gegenüber Reich-Ranitzky) ausgewogener Größenwahn stört mich weniger als die Moralinsäure jener Zeitgenossen, die weder einen Begriff von Kunst (denn alles ist Kunst: es ist eine Frage der Auffassungsgabe) noch von Auferstehung (denn der Tod ist ein von Illusionen umfaltetes Nichts in Anbetracht des ewig lebenquellenden Jetzt) haben.

Ich werde die letzten Tage unter dem Jahresregenten Saturn im ihn ehrenden Fleiß verbringen und landauf, landab FreundInnen, Feinde, Klientinnen, Schülerinnen, Schönfärberinnen, Gefährten und Fans zwischen Graz und Hamburg treffen, bevor ich mich am 24. Dezember zum Jahrestreffen der Waldfeen am Schlangenberg zurückziehe. Der neue Jahresregent, Jupiter, König der Expansion, wird sehnlichst erwartet.



27. November 2007

Chapeau Markus Kupferblum !


Samstagabend habe ich mir die Verleihung des Wiener Theaterpreises Nestroy angeschaut. Es gab auch eine Ehrung des Off-Theaters. Das ist an sich ja schon erstaunlich, denn eigentlich feiert sich mit diesem Theaterpreis die Szene selbst. Man fragt sich immer, warum soll man dabei zuschauen, wenn Angehörige einer bestimmten Branche sich gegenseitig für ihre Erwerbstätigkeit feiern. Aber dann erhielt Markus Kupferblum, ein bemerkenswerter Querkopf unter den Theatermachern, den Preis für bestes Off-Theater und hielt den anwesenden Kollegen von den fett subventionierten Staats- und Stadttheatern und vor allem den Kulturpolitikern einen klaren Spiegel vor. Sein Schlüsselsatz:
Er frage sich, wieso nicht ein Theatermacher geehrt werde, der neues, beunruhigendes und riskantes Theater gemacht habe, sondern er für ein Stück gefeiert wurde, in dem es darum gehe, dass er - Markus Kupferblum - dem Publikum erklären müsse, dass er die geplante Oper nicht produzieren könne, weil er nicht ausreichend Subvention erhalten habe.
Er erhielt viel Applaus, von der richtigen und der falschen Seite. Ein stiller, mutiger und stolzer Künstler, ein feinsinniger und scharfsinniger Mann. Weil man ihn für lustig hielt und weil man wohl glaubte, dass er Dankbarkeit für die Ehrung zeige, ließ man ihn für kurze Zeit in das von innerer Fäulnis angefallene System.



20. November 2007

Die Luftgängerin


Ich habe "Die Luftgängerin" von Robert Schneider entdeckt.

Mein Engel ist fortgegangen, mein Engel aus den jurassischen Bergen. Da ging eine große Hand über mein Gesicht, und ich wurde müde, müde, herzensmüde; meine Gedanken verdunkelten, mein Leben verdämmerte. Die Sehnsucht fraß mir meinen Tag.
Die Liebe war ihm abgebrochen. Ich dachte, schwerelos zu sein für zwei, aber beide stürzten wir und fielen in die Geographie einer unbekannten Nacht. Als er fort war, glaube ich, verarmte ich. Am Ende verging mein Talent, das wirkliche: mit Wörtern in den Schmerz eines anderen zu greifen. Im längst ausgewachsenen Gesicht plötzlich geweitete Kindsaugen zu entfachen. Ich meinte Nähe, er nannte es immer Kränkung. Mir schwand die Kraft, die Fehler wieder zu machen, die alten. Ich verlor den Mut, die Menschen zu verlieren.
Ich schlief ein, verschlief wohl viele Jahre. Als ich erwachte und noch immer lebte, stand ich auf, blickte hinauf zu den schneebereiften, fünfgeschossigen Tannen von Meschach, und plötzlich, ich weiß nicht wie, verging die Sehnsucht nach meinem Engel wie Morgennebel. Die Nacht war aus.
Nicht länger die Hoffnungslosigkeit verehren, nicht länger die Wertlosigkeit aller Werte veranschlagen, nicht länger die Wahrheit um- und um- und um- und umwenden. Nicht mehr den Schild blankgeputzter Worte vor das ohnehin ausgeleerte Herz heben. Nicht mehr mächtig sein und bestaunt und uneinnehmbar für jeden. Wieder einem Engel entgegenfallen.


Ein wunderbarer Autor. Ein Text von großer Tragweite.



12. November 2007

Wilder Garten auf Reisen


Nun bin ich wieder auf Reisen. Ihr findet mich in Passau, Regensburg, Ziegenhagen (Göttingen) und Deggendorf. Die Termine:

14.11. Passau und Regensburg
15.11. Ziegenhagen
16.11. Deggendorf


In Passau und Deggendorf bin ich das erstemal zur Beratung in Fragen Blütenessenzen und mehr anwesend. Daraus soll eine regelm&äßige Einrichtung werden. Andere Städte kommen noch hinzu. Sobald festgeklopft ist, welche Städte es sind, lasse ich es euch wissen. Sollte für einen der hier erwähnten Orte noch Interesse an ausführlicher Beratung über Blütenessenzen Bedarf sein, bitte unter 0043-(0)676-6806657 oder veda.aliti@schlangenberg.at anmelden!



05. November 2007

Logik der Magie - Magie der Logik


Ich habe ein ganzes Wochenende mit diesem Thema verbracht, dh über dieses Thema referiert. In meinem geliebten Wien! (Graz, nicht eifersüchtig sein, ich liebe Graz auch). Es ist etwas Unvergleichliches, Wunderbares, Inspirierendes, sich mit vielen Menschen über ein interessantes Thema austauschen zu dürfen. Viel gelernt, viel gestaunt, viel gelacht. Alle Herzen offen.


23. Oktober 2007




Ach, ich bin begeistert. Die Erwähnung der im Fernsehen gehörten Gedichtzeilen hat dafür gesorgt, dass Leserinnen sich auf die Suche gemacht haben. Margarita aus der Schweiz ist fündig geworden. Das Gedicht stammt von Else Lasker-Schüler. Ich bedanke mich ganz herzlich und präsentiere das Gedicht hier in voller Länge:

ABSCHIED

Ich wollte dir immerzu
Viele Liebesworte sagen,

Nun suchst du ruhlos
Nach verlorenen Wundern.

Aber wenn meine Spieluhren spielen
Feiern wir Hochzeit.

Oh deine süssen Augen
Sind meine Lieblingsblumen.

Und dein Herz ist mein Himmelreich....
Lass mich hineinschaun.

Du bist ganz aus glitzernder Minze
Und so weich versonnen.

Ich wollte dir immerzu
Viele Liebesworte sagen,




21. Oktober 2007


Zurück im wilden Garten



Ich war in den vergangenen Tagen im schönen Bayern unterwegs. Habe viele von früher wieder getroffen, zum Beispiel Luisa Francia; habe viele neue Menschen kennengelernt. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben in Passau. Das ist mal eine schöne Stadt! Dieses Reisen, diese Begegnungen, dieser geballte Austausch - ich mag das sehr. Nach beinahe zehn Jahren das erste Mal ohne Hunde als Begleiter. Man glaubt gar nicht, wie viel Zeit Menschen ohne Hund unterwegs haben.

Ich habe über den wilden Garten als Metapher für eine gesunde Seele gesprochen. Habe noch viele Geschichtln über mein Leben mit Tieren und Pflanzen am Schlangenberg drangehängt. Und ich habe einen mich erschütternden Satz gefunden. In einem Artikel in der Süddeutschen. Irgendjemand hat ein Porträt über irgendeinen Komiker geschrieben. Und da stand: Komiker werden deshalb Komiker, weil sie ihr Leben lang darum kämpfen, in die Mitte zu gelangen, in die andere hineingeboren werden. Bumm. Das stimmt. Und trifft auch auf viele zu, die einen Bü:hnenberuf haben, nicht nur Komiker. Ich war erfreut baff. Das erklärt mir aber noch etwas anderes. In der Welt von Theatern, Verlagen und Kulturzentren trifft man auf diese zwei Sorten Leute. Und die können so gar nicht miteinander. Das unterscheidet eben die Besessenen von den anderen. Zwei unterschiedliche Lebenssprachen.



17. Oktober 2007





Gestern las jemand in irgendeinem Film im Fernsehen ein Gedicht. Ich weiß nicht, von wem es ist, ich weiß nicht einmal, ob es überhaupt als Literatur existiert oder "nur" vom Drehbuchautor als Pseudowerk. Es frappierte mich, denn es waren Zeilen, die ich gern jemandem aus meinem Leben genau so, gern sagen würde.

"Ich wollte dir immer zuviel Liebesworte sagen. Nun suchst du ruhmlos nach verlorenen Wundern."

Es gibt halt Menschen, die halten Träume einfach nur für Träume, falls sie überhaupt träumen. Aber, hier zitiere ich einen Wunder-Mann in meinem Leben, Andreas Krüger: "Ich kann meine Träume nicht einfach entlassen, ich schulde ihnen noch mein Leben".

Zeit für Traumarbeit. Zeit für Seelenarbeit.



14. Oktober 2007





Für alle, die das heurige Jahr mühsam und geradezu zum Ächzen finden, habe ich eine gute Nachricht - und nur eine gute Nachricht. Während Saturn, dieser Spezialist für Fleiß, Ausdauer, Genauigkeit und Anstrengung das Jahr 07 regiert, wird das Jahr 2008 unter der strahlenden und glückhaften Jupiter-Schwingung stehen. Was wir uns in diesem Jahr im Schweiße unseres Angesichts und in der Beharrlichkeit erarbeitet haben, wird im kommenden Jahr zur hinreißenden Blüte gelangen und reich belohnt werden. Das ist doch was!

Und für alle, die so wie ich, ganz schön zu kämpfen haben in diesem saturnischen Jahr: Das Leben gab mir Salz. Ich machte Margharitas draus!



02. Oktober 2007


Die Seele ist ein wilder Garten



Unter diesem Titel starte ich ab 04. Oktober eine Vortragsreise, die mich bis Dezember auch durch ganz Deutschland führen wird. Wie ihr wisst, habe ich ja einen wilden Garten auf dem Schlangenberg. Ein Garten braucht einen Zaun, denn das, was innen ist, muss sich von dem, was außen ist, nicht nur unterscheiden, es muss auch vor der Grenzenlosigkeit bewahrt werden. Innen, innerhalb des Zauns aber wächst es wie wild. Kräuter, Rosen, Spargel, Kürbis, Zwetschge und manches andere Kulturgrün, das ausgewildert wurde, dazu Weiden, Clematis, Walnuss, Kräuter aller Art, die sich freiwillig und wild angesiedelt haben.
Wenn ich in meinem wilden Garten sitze und alle sechs Wahrnehmungsstufen durchlaufe, sehe ich um mich herum, wie alles, was wächst, in direkter Verbindung mit meiner Seele steht.

Die sechs Wahrnehmungsstufen:
Die Erde
Das Wilde
Das Gezähmte
Das Kultivierte
Die Kunst
Der Himmel

Diesen Vortrag wird es ab kommender Woche auch auf CD zu hören geben. Hier eine kleine Leseprobe:

1. In meinem wilden Garten
So sitze ich hier in den Abend hinein. Vielleicht bin ich müde oder auch schwer. Vielleicht auch verliebt. Was sehnt sich in mir? Nichts war leicht. Und was vor mir liegt, scheine ich zu wissen. Noch ein wenig sitzen bleiben bis zur endgültigen Dunkelheit. Die Nacht ist nah. Dann gehe ich ins Haus. Gehe darin hin und her. Bürste mein Haar. Summe ein Lied. Und klopfe mir die trockenen Gräser, die kleinen Erdklumpen, ein paar Blütenblätter aus den Kleidern. Ich war den ganzen Tag in meinem wilden Garten.

2. Die Erde
Wenn dein wilder Garten sich auf einem Stern namens Erde befindet, dann ist ein Versprechen daran geknüpft. Ein Versprechen über Fruchtbarkeit, Überfluss, Nahrung, Gesundheit, Frieden und sinnlichen Genuss. Die Erde selbst ist grenzenlos und groß. Ist auch Krieg und Blut; Hunger, Gier und böse Stürme, kein Traum, kein Gott. Erde ist unser aller Boden. Wieder duftet der Wald. Geh nur hinein in den Garten!

3. Das Wilde
Die Erde weich und feucht. Die wilden Hunde kreisen um den Garten. Darin blühen alle Dinge. Und es ist kein Raum. Nichts ist klar, nichts ist rein. Das Leben erstickt an seiner eigenen Üppigkeit. Der Zaun wird gleich brechen. Der Wimpernschlag der Zeit bringt immer mehr hervor. Blumen, Beeren, kleine Vögel, die dort wohnen. Käfer, Spinnen, Schlangen und Kröten. Ich schlafe bei den Wurzeln.

4. Das Gezähmte
Verzicht und Beschränkung. Disziplin und Dankbarkeit. Ich ringe mit dem Abendgrün. Ich pflanze. Folge sauberen Wegen und sitze unter Apfelbäumen, die das Gewicht von vielen Arbeitstagen tragen. Die vollen Früchtekörbe erzählen von Geduld, vom Sieg über Wölfe und Wind. Nur langsam geht der Wandel vor sich. Der Zeit folgend wiege ich mich in Sicherheit. Die Opfer bringe ich gern.

5. Das Kultivierte
Mein Erinnern an einen Frühlingstag. An einen Frühlingstag in jedem Jahr. Der bekannte Garten, in ihm fremde Tänzer sich bewegen. Schweres Leinen, zarte Spitzen über die flüchtigen Früchte gedeckt. Der Wein in einem zarten Glas. Bin ich endlich frei vom Tod? Lorbeer und Reife, vielleicht auch leise Müdigkeit.

6. Die Kunst
Wem zu Liebe bin ich hier? Muss das Wilde wieder suchen. Muss das Edle zerkratzen, muss mein Lied singen und nach dem Gott und seinem Himmel rufen. Mit weiten Augen sehe ich das Offene. Wieder und wieder. Schwere schwarze Erde klebt an meinen Schuhen. Hält mich fest. Und meine Arme reichen nicht hinauf. Da schicke ich meinen Zauberspruch in die Wolken, dass ich die Erde vergesse.

7. Der Himmel
Aller Tage Stunden sind zerstoben, und ich schaue, wie die Vögel sich sammeln. Dies ist der Anfang, das Unbekannte. Und wenn die Vögel fliegen, fliege ich mit bis zum Rand meiner Sehnsucht. Auch der Himmel gibt uns ein Versprechen. Das Leben ist groß, und ich nur ein kleiner Garten, der vor sich hinblüht, von dem keiner weiß. Doch die Himmel sind nicht leer.



26. September 2007


Kampfesmut



Ich habe in einem Buch von Andreas Krüger ein Zitat von Nikos Kazantzakis gefunden, das exakt beschreibt, worum es augenblicklich in meinem Leben geht. Und weil ich meine, das es auch anderen etwas geben kann, setze ich es hier ins denk mal.

"Jeder Mensch besitzt einen eigenen Kreis aus Dingen, Bäumen, Tieren, Menschen und Ideen und diesen Kreis zu retten ist seine Pflicht. Er, kein anderer. Wenn er ihn nicht rettet, wird er niemals erlöst sein."

An vier Schauplätzen war ich in den vergangenen Monaten herausgefordert, meinen Kreis aus Dingen, Bäumen, Tieren, Menschen und Ideen zu retten. An zwei von ihnen ist mir die Rettung gelungen. Für den nächsten habe ich bis Ende November Zeit. Der vierte hat noch einige Monate bis ins nächste Jahr Zeit. Es ist unglaublich, wie sehr Kazantzakis Begriff von der Erlösung zutrifft. Es braucht viel Kampfesmut, kann ich euch sagen. Aber es lohnt sich.



17. September 2007





Langsam weicht der Schock über Sullys Verlust. Ich wage, mich über gewonnene Bewegungsfreiheit zu freuen. Meine Hündin Tipsy kommt ins Leben zurück und nimmt wieder Beziehung zu mir auf. Auch sie war wie starr, wie gelähmt, in sich zurückgezogen.

Der Tod. Ach der Tod. Die vor uns gehen zeigen uns wie das Sterben geht. Damit wir es kennen, wenn es an uns ist. Damit wir uns mit unserem eigenen zukünftigen Tod versöhnen, er uns nicht fremd ist und seine Nähe nicht mehr schreckt.

Für heute schenke ich euch Zeilen von Nikos Kazantsakis

ICH BEGEHRE NICHTS
ICH FÜRCHTE NICHTS
ICH BIN FREI


Ich ziehe mich wieder zurück in meinen wilden Garten und schreibe.



14. September 2007


Die Zeit ist mir mein tiefstes Weh



Diese Rilke-Zeile berührt die schweren Zeiten jetzt. Das war ein finsterer Neumond vor ein paar Tagen, aus dem wir uns nur langsam wieder hervorwagen, aus dessen Dunkelheit wir heraustreten wie aus einem Haus, erschöpft, wie niedergeprügelt. Alles hinter uns lassen, was gewesen, ohne Bedauern, ohne Weh. Ich sitze und schreibe. Ich sitze und plane die Zeit, die nächsten Monate. Mein alter Ziegenbock Hänsel erholt sich zusehends. Er wird täglich mehrmals gefüttert, ist wieder bei Kräften. Wenn er auch langsam und schwer nur geht. Ist halt schon ein sehr alter Mann.
Bald ist das, was ich zu sagen habe, auch zu hören und zu lesen. Als podcast von der Seite herunterzuladen, auf CD und einem Buch. Wurde auch Zeit. Ich schreibe immer, als wär´s ein Gesang und hoffe, dass viele Menschen das Lied hören, das ich zu singen habe.



10. September 2007





Gestern, am Sonntagabend, ist mein geliebter Hund Sully gestorben. Er war sieben Jahre lang mein wunderbarer Begleiter, der Sicherheitsbeauftrage der Freien Bühne Steiermark, ehemaliger Theaterhund des Stadttheater Fürth, geprüfter Seminarhund, Seelenbegleiter für viele Klientinnen, einziges männliches Mitglied der Schönfärberinnen. Er war schon sehr lange krank, aber wir haben immer geglaubt, dass er noch viel Zeit hat, die wir mit ihm verbringen dürfen. Und dann ging es doch sehr schnell. Ich bin dankbar, dass es nur ein Tag war, an dem er schrecklich gelitten hat. Nun ist er erlöst. Ich bin sehr traurig und wie verloren ohne den festen Halt, den er mir gegeben hat.


09. September 2007


Ist die Zeit nun leicht oder schwer?



Oft weiß man es erst hinterher. Was die Sache nicht angenehmer macht. Wir schauen auf das Leben der anderen und denken, dass die es gut haben. Und wir nicht. Deren Zeiten sind immer leicht. Unsere nicht. Am besten haben es die, die Geld haben. Oder nicht? Da schneit mir eine mail herein, die davon erzählt, dass nicht Liebe, sondern Geldgier blind macht. Es ist ein unschwer zu erkennender hoax (Quatschmail), in der behauptet wird, dass Bill Gates sein Geld verschenkt. Jeder, der diese mail weiterverschickt, bekommt Tausende von Euro vom lieben Onkel Bill und seiner Microsoft. Weil die verfolgen wollen, wie verbreitet Microsoft ist. Wer jetzt an dieser Stelle lacht, gehört zu den intelligenten Realisten. Aber liebe gute Freunde, darunter bekannte Gesichter, die durchaus einen Ruf zu verlieren haben, hängten bedenkenlos ihre eigene e-mail-Adresse an den Unsinn und schickten ihn herum. Unter Angabe sämtlicher e-mail-Adressen, die sie in ihrem Adressbuch nur finden konnten. Je mehr Adressen, umso mehr Geld wird von Microsoft erwartet.

Zeiten sind dann schwer, wenn uns der Sinn unseres Tuns abhanden gekommen ist. Je mehr ich in Situationen hineingezwungen werde, in denen ich mit Menschen zu tun habe, die selten oder nie darüber nachdenken, ob ihr Tun und Sein überhaupt in Verbindung mit einem höheren Sinn steht, umso schwerer ist es, den eigenen Lebensfaden sicher in der Hand zu behalten. Dann finde ich die Zeiten schwer.

Da sind die der Geldgier anheim gefallenen nicht nur unter den hoax-Trotteln zu finden. Nein, die Geldgierigen sind das, was beim Hund die Flöhe sind. Sie sind einfach überall. Dabei fällt mir auf, dass diejenigen den Gott der Geldgier anbeten, die es am Herzen haben. Sie haben halbe Herzen, kalte Herzen, tote Herzen, Herzen aus Stein. Was übersetzt bedeutet, dass sie keine Ethik haben.



25. August 2007


Es war wunderbar, es war köstlich



Wir haben die "Murfrau" zuende gespielt. Welch ein wunderbarer Sommer, welch eine Herausforderung. Es war die wilde Seite der Trauer, die ich da zeigen durfte. Ich hatte in Matthias Eberth einen wunderbaren Regisseur, in Roland Hirtenfelder den besten Theaterkoch aller Zeiten, alle haben eine Riesenzeit miteinander gehabt. Und das Publikum? Ach das Publikum ! Es war zahlreich. Es war aufmerksam. Es war erstaunt und hingegeben. Ich habe so viel zu danken.

Wir bereiten die nächste Produktion vor und folgen außerdem dem Ruf der Schlangenberg-Essenzen (siehe www.schlangenberg.at), die ich in diesem Herbst weiter in Deutschland vorstelle und in der Steiermark gut und weithin sichtbar präsentiert weiß, tatkräftig unterstützt von vielen, denen die Entwicklung unserer Region am Herzen liegt.

Mein Leben auf dem Hof ist getragen von der Liebenswürdigkeit meiner Tiere, vom Werkeln in Haus und Hof, vielen guten Gesprächen mit zahlreich durchreisenden Freunden.

Die Kraft, die mich derzeit trägt? Na, ganz einfach folgende: Es hat keinen Sinn, es zu versuchen, sagte Alice. Man kann nicht an das Unmögliche glauben. Ich wage zu behaupten, dass du darin nicht viel Übung hast. Als ich in deinem Alter war, habe ich es immer für eineinhalb Stunden getan. Manchmal habe ich an sechs unmögliche Dinge noch vor dem Frühstück geglaubt. (Lewis Carroll)



27. Juli 2007


Seltsame Zeit



Seltsame Zeit diese Sommerzeit. Einerseits rast die Zeit dahin, so dass ich mich am Montag schon mal auf den Sonntag vorbereite, denn zack ist auch diese Woche vergangen. Andererseits scheint alles stillzustehen, denn alle sind fort, im Urlaub, in den Ferien. Man muss Geduld haben. Und Pläne machen. In solchen Zeiten glaube ich, das Leben ist eine Liste. Eine lange, lange Liste. Rasender Stillstand. Mal wieder.


17. Juli 2007


Offener Brief



Mein offener Brief hat eine Art von Antwort erhalten. Die will ich meinen Lesern nicht vorenthalten. Ebenso wenig wie meine Antwort auf die Antwort. Ich zitiere Jörg Fauser, den früh verstorbenen Schriftsteller: "Ich bin kein netter Mensch, sondern Schriftsteller", schrieb er, "einer der Dunkelmänner also,die beim ältesten Verfassungsschutz der Welt angestellt sind - beim Verfassungsschutz für Sprache und Zweifel." Er war so, wie Künstler zu sein haben: Radikal, subjektiv, leidenschaftlich, dabei moralisch bis zum Pathos. In diesem Sinne lesen wir also:

Sehr geehrte Frau Aliti!
Im Namen von Herrn Landeshauptmannstellvertreter Dr. Kurt Flecker darf ich mich für Ihre kritischen Worte bedanken. Sie sehen, Politiker sind sehr wohl kritisierbar ...

Schwer fällt es mir allerdings, auf manche Details in Ihrem Schreiben einzugehen, da sie leider nicht in Verwandtschaft mit der Realität stehen bzw. ich es nicht als meine Aufgabe sehe, das Grundlagenpapier des völlig weisungsfreien Landeskulturbeirats zu erklären, die ebenso beachtliche Leistung der ebenso weisungsfreien Jury bezüglich aller 12 eingereichten Projekte zu rechtfertigen und es eigentlich auch klar auf der Hand liegen sollte, dass Bürgermeister Kurt Deutschmann als regionaler Koordinator und nicht als "Kulturschaffender" tätig ist ...

Ich werde mir daher erlauben, Ihr Schreiben an die betroffenen Gremien weiterzuleiten und diese um Stellungnahme ersuchen. Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass wir einen offen, kritischen Prozess eines auf Fakten beruhenden Meinungsaustausches sehr schätzen.

Mit freundlichen Grüßen,
Dipl.-Ing. Barbara Binder

Büro Landeshauptmannstellvertreter
Dr. Kurt Flecker
Herrengasse 16 / Landhaus
A-8010 Graz



Und hier meine Antwort:

Sehr geehrte Frau Dipl.-Ing. Binder,
Danke für Ihre Antwort, die ich als ebenso aufschlussreich wie unzufriedenstellend betrachte. Selbstverständlich sind Politiker kritisierbar. Das ist DIE Säule unserer Demokratie. Dass es dennoch nicht wenige Menschen in der Steiermark gibt, die auf dieses Recht verzichten, sollten sich Politiker nicht nur zu Herzen nehmen, sondern zum Anlass, darüber nachzudenken, wohin das führt. Es gibt in dieser Hinsicht Handlungsbedarf. Nehmen Sie also meine diesbezügliche Äußerung als nicht unbedeutende Anregung, dass etwas getan werden muss.

Es ist nicht notwendig, mir zu unterstellen, ich hätte das Konzept des Kulturbeirates nicht verstanden. Ich habe, während der Kulturbeirat daran arbeitete, regen Anteil daran genommen, denn die Mitglieder haben sich - selbstverständlich - mit den Künstlern des Landes besprochen. Vielleicht sollten aber Sie selbst sich noch einmal ins Konzept sowie in offizielle Äußerungen des Kulturbeirates vertiefen. Denn das Konzept sieht vor, dass die Position des regionalen Koordinators nicht von einem politischen Funktionär eingenommen wird, sondern von einem Kulturschaffenden. Und das ist - Sie sagen es ja selbst ganz nachdrücklich - der Herr Bürgermeister Deutschmann nicht. Es hat diesbezüglich Kritik von Seiten des Kulturbeirates an Herrn Landeskulturrat Dr. Flecker gegeben. Das kann eigentlich auch kaum Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein. Da bleiben nur zwei Schlussfolgerungen übrig: Entweder hat der Zeitdruck dazu geführt, dass von Ihrer Seite nicht genau gearbeitet wurde oder es wurde in voller Absicht so geregelt. In beiden Fällen bleibt die schiefe Optik bestehen.

Sie bekommen, sehr geehrte Frau Dipl.-Ing. Binder, das Problem nicht aus der Welt. Am 11. September 2007 eröffne ich an der Schiffsmühle in Mureck den "Dialog im Kreuzstadl", eine regelmäßige Gesprächsrunde zu Themen, die uns in der Region auf den Nägeln brennen. Eröffnungsthema wird lauten: "Ist der Regionalezug bereits abgefahren?". Ich möchte Sie schon heute wissen lassen, dass ich dazu den Herrn Landeskulturrat Dr. Flecker sowie den Herrn Bürgermeister Deutschmann einlade, sich gegenüber interessierten Bürgern der Region zu äußern. Selbstverständlich werden auch Heinz Weyringer vom Kulturbeirat und andere, die etwas dazu beizutragen haben, eingeladen werden. Es geht um die Frage, was konzeptionell nachgebessert werden sollte. Denn dass nachgebessert werden muss, steht für jeden denkenden Kulturschaffenden außer Frage. Für die Anwesenheit der Medien wird gesorgt sein.

Freundliche Grüße
Angelika Aliti
Freie Bühne Steiermark



08. Juli 2007


Offener Brief zum steirischen Kulturfestival 2008



Sehr geehrter Herr Landeskulturrat Dr. Flecker,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Deutschmann,

ich schreibe Ihnen heute einen offenen Brief, weil es KünstlerInnen, BürgerInnen und auch KulturpolitikerInnen und JournalistInnen in der Steiermark gibt, die meine Gedanken und Empfindungen so oder ähnlich teilen, jedoch nicht den Mut haben, Ihnen klar entgegen zu treten. Diese Mutlosigkeit, die vielfach darauf beruht, dass man beispielsweise fürchtet, zur Strafe für den Protest Streichung von Förderungen hinnehmen zu müssen oder andere Sanktionen erwartet, ist bestürzend. Dass das demokratische Grundrecht des Protestes gegen politische Maßnahmen aufgegeben wird und an seine Stelle Schweigen und Angst treten, wird auch von "mir-san-mir-und-der-Rest-ist-neidisch"-Haltungen, wie Sie sie, sehr geehrter Herr Dr. Flecker, als Reaktion auf Veronica Kaup-Haslers Haltung gezeigt haben, auch noch unterstützt. Ich wünsche mir, dass wir Betroffenen mit Ihnen in einen offenen und aufrichtigen Dialog treten. Politiker sind kritisierbar.

Eine große Chance ist vertan worden. Ein guter und sinnvoller Gedanke, die antiquierten Landesausstellungen abzuschaffen und durch ein lebendiges Kulturfestival der steirischen Regionen zu ersetzen ist dem Dilettantismus und der politischen Naivität des steirischen Kulturbeirates und dem Griff nach politischem Kleingeld zweier steirischer Politiker zum Opfer gefallen.
Der Berg hat gekreisst und eine Maus geboren.

Dem Kulturbeirat ist vorzuwerfen, dass sein Konzept eines Kulturfestivals weltfremd ist. Es ist so strukturiert, dass es dem übergriffigen Einfluss der Politik auf Kunst und Kultur Tür und Tor öffnet. Der Politik ist vorzuwerfen, dass sie dies ausgenutzt hat.
Zu viele Köche sind an diesen Brei gerufen. Leider auch solche, die ganz andere Berufe haben.

So wird dies ein Festival der Politiker werden, die "großzügigerweise" den einheimischen Künstlern Gelegenheit geben, sich um eine Teilnahme am Festival zu bewerben. Ich will hier gar nicht von der schiefen Optik reden, die Sie, sehr geehrter Herr Landeskulturrat, erzeugt haben: Politiker und ihre Beamtenschaft sind ja nicht unbedingt dafür berühmt, schnell und effizient zu arbeiten. Das soll keine Kritik sein, es mag der Apparat so mit sich bringen. Umso mehr staunt der Bürger, wie auf einmal keine Zeit verloren wird. Da vergehen zwischen letztem Termin für die Abgabe der Bewerbungen für die Intendanz und dem Hearing der favorisierten Kandidaten nur ein paar wenige Tage, in denen die Jury allen Ernstes die Bewerbungen gesichtet und ihre Auswahl getroffen haben will. Da vergehen ebenso wenige Tage zwischen dem letzten Abgabetermin für die Einreichung der Projekte aus den Regionen und dem Zuschlag, den Feldbach bekommen hat, in denen die Jury zwölf Projekte geprüft haben will. Auch will ich gar nicht erst auf die Gerüchte hören, die sagen, es habe Jurymitglieder gegeben, die nicht ein einziges der Konzepte gelesen haben und dass Sie, Herr Bürgermeister Deutschmann, offenbar hellseherische Kräfte besitzen, weil sie schon Tage vor Jury-Entscheid Ahnungen hatten....nein, ich glaube nicht daran, dass demokratische Entscheidungsprozesse nur zum Schein existieren. Zur schiefen Optik gehört jedoch auch der Zynismus uns Künstlern gegenüber, der in der Bemerkung liegt, dass das Konzept der Regionale gar nicht so schlecht sei, weil es die Kulturschaffenden im ganzen Land dazu bringe, im Vorfeld viele künstlerische Aktivitäten zu setzen ohne dass das Land dafür ein Geld in die Hand nehmen müsse. So in der Kulturabteilung gehört.

Als Koordinator, der auswählt, wer teilnehmen darf, haben Sie, sehr geehrter Herr Bürgermeister Deutschmann, sich selbst eingesetzt. Wer an einem Kulturfestival teilnimmt, hat ein Intendant oder eine Intendantin, haben also Kulturschaffende zu entscheiden, aber ganz sicher keine Bürgermeister. Vielleicht sind Sie ein kunstsinniger Mensch, ich kann es nicht beurteilen, aber das reicht als Qualifikation nicht aus. Sie sind einfach nur ein Bürgermeister. Davon, Kunst und Kultur zu machen, kreativ zu sein, haben Sie nicht die geringste Ahnung. Ein Intendant resp. künstlerischer Koordinator würde sein Programm gestalten, indem er Künstler beruft und kaschierte seine Unkenntnis nicht mit einem weiteren, für uns Künstler mit einem unangemessenen Arbeitsaufwand verbundenen Bewerbungs- und Einreichverfahren.

Was aber noch schwerer wiegt: Solange Sie Politiker sind, dürfen Sie nicht Kulturschaffender sein und Funktionen in diesem Sinne ausüben. Die Trennung von Politik und Kunst hat ja eine große gesellschaftliche Bedeutung, denn Kunst hat die Aufgabe, der Gesellschaft und dabei vor allem auch der Politik einen Spiegel vorzuhalten. Die Realisierungsstruktur des Festivals, die von Kulturbeirat und Landeskulturrat entworfen wurde, hindert uns Künstler daran, dieser Aufgabe nachzukommen.

Ihrem Aufruf, sich mit künstlerischen Projekten um die Teilnahme an Ihrem Konzept "Diwan" zu bewerben, werde ich nicht folgen. Mehr noch: Ich bitte alle Künstler und Künstlerinnen der Steiermark dies auch nicht zu tun und die Politik samt ihrem zahnlos gemachten Intendanten mit ihrem Festival allein zu lassen.

Erst holen Sie, Herr Bürgermeister Deutschmann, mit Hilfe eines dünnen Konzepterls die begehrten Millionen nach Feldbach und anschließend sollen wir Künstler Ihnen helfen, dem völlig nichtssagenden Konzept mit unserer Arbeit im nachhinein Leben einzuhauchen. Man schlug mir vor, die von mir im Frühsommer geplante Aufführung von Brechts "Kleinbürgerhochzeit" an der Mur für das Festival "Diwan" einzureichen. So falsch ist das vielleicht gar nicht. Geht es doch in dem Stück um schleißig gebaute und darum zusammenbrechende Möbel.

Angelika Aliti
Freie Bühne Steiermark



02. Juli 2007





Die Murfrau - schon geschehen. Es ist ja noch nicht ganz vorüber. Wir spielen auch noch im August. Und bis dahin gibt es wieder Etliches vorzubereiten. Aber es ist so - sie ist mächtig durchgerauscht durch meine Welt, hat alles mit sich gerissen, verändert, rein gewaschen, durcheinander gewirbelt, auf den Grund gebracht.

Das war das Debüt der Freien Bühne Steiermark. Viel Lob, viel Staunen; Zuschauer, die zweimal hintereinander in die Vorstellung kamen. Die Premiere war die reinste Feuertaufe. Wassertaufe sollte man eher sagen, bis zehn Minuten nach Vorstellungsbeginn war noch nicht klar, ob wir nicht im Regen untergehen. Aber dann! Sie kam heraus aus dem Fluss, die Murfrau und erzählte ihre Geschichte. Die Magie hielt! Es war mir ein großes Geschenk, diese Rolle zu spielen. Eine wunderbare Zeit.



30. Juni 2007


Langstreckenlauf



Man wird so geizig mit der Zeit. Heute ist der Tag, nein der Abend; der letzte Abend, an dem die Murfrau an der Schiffsmühle zu sehen ist. Es geht alles immer so schnell. Der Abschiedsschmerz stellt sich stufenweise ein. Erst kam der Abschied vom Regisseur. Nun sind auch Lichtmann und Ausstatterin abgereist. Morgen früh ist die Magie aufgelöst. Vorläufig. Denn im August geht es ja wieder weiter. Und überdies sind Gedanken an ein Ende überflüssig. Es ist ja der Anfang. Der Anfang eines Langstreckenlaufs. Die Freie Bühne Steiermark ist gestartet. Der Weg ist lang.
Auf der Strecke wird eine interessantes Ziel angelaufen. Im kommenden Mai. Nein, nein, nicht das neue Kulturfestival der Steiermark, das einen Namen hat, der irgendwie wohl einem Fahrplan der Österreichischen Bundesbahnen entnommen ist: Regionale. Warum nicht gleich Provinziale? (Da gibt es jetzt nichts blöd zum Grinsen!)
Nein, es ist nicht die Regionale, die wir anpeilen. Ja, es ist ein Festival. Ein Gegenfestival. Wir werden im Gegensatz zur Regionale kaum ein Budget haben. Aber einen viel schöneren Namen: Reißzahn. Den kann man in alles mögliche schlagen. Zum Beispiel ins Gesäß der Politik. Und der Konformisten. Wie sagte die Murfrau? Ich kenne ganz unglaubliche Geschichten. Wenn du wüsstest, welche Geschichten man erfährt, wenn man den Leuten zuhört. Einfach nur zuhört, was sie so reden.



29. Juni 2007





Ich bin heute aufgetaucht, aus einer wunderbaren, wunderwunderbaren Premiere der Murfrau aufgetaucht.
Dank allen, die mitgearbeitet haben. Dank allen, die uns unterstützt haben, Dank an die Wettergötter, die am Ende doch ein Einsehen mit uns hatten.



02. Juni 2007


Sprachlosigkeit



Alle Kraft fließt zur Zeit in die Proben. Die Murfrau fordert ihren Raum ein. Es ist keine Sprache darüber hinaus übrig. Stille.
Ich freue mich auf euren zahlreichen Besuch am 28. Juni zur Premiere in der Schiffsmühle in Mureck !



15. Mai 2007


Was ist heute? Mehr als gestern und weniger als morgen



Nicht vergessen: wir erschaffen den Zustand der Welt jeden Tag in unserem Kopf. Sie wird so, wie wir glauben, dass sie ist. Es lohnt sich also, die eigenen Vorstellungen von dem, was ist und was sein soll, zu erforschen.


14. Mai 2007





Gestern aus dem Munde des Glücksforschers Laszlo gehört: "Menschen können nicht selbst dafür sorgen, dass sie glücklich sind. Dann wäre Einzelhaft ja keine Strafe, sondern eine große Belohnung. Glücklich können wir nur durch andere werden. Wir können nur einander glücklich machen." Das heißt, dass das Glück auf Erden nur dadurch gemehrt werden kann, indem man andere glücklich macht.


06. Mai 2007


Liebe zum ganzen Leben



Zur Zeit habe ich mich so sehr daran gewöhnt, Schmerzen zu erleiden, unter Schocks und Enttäuschungen zusammenzubrechen, Schwierigkeiten zu meistern, Schurken zu vertreiben, Systeme zu Strukturen werden zu lassen, Bewegung in die Bewegung zu bringen, zu kämpfen, zu kämpfen, zu kämpfen – um das nackte Überleben, gegen den Zynismus der Schurken, um die Realisierung meines Theaters, um meine Vorstellung von Kultur für die Region, in der ich lebe; um das Seelenheil der Meinen und meines eigenen, dass ich ganz vergessen habe, glücklich zu sein. Und ich habe allen Grund zum Glücklichsein. Denn alles Leid ist nicht mehr als der Furz eines Kaninchens in einer Papiertüte gegen das, was ich habe: Leidenschaft und Freude, meine Familie und meine Kombattanten, meine Viecher und mein Land. Meine Leser und mein Publikum, die über so viele Jahre treue Begleiter sind.


30. April 2007





Ich erinnere mich nicht mehr daran, wer es gesagt hat, ich glaube, es war Gloria Steinem: Altwerden ist nichts für Feiglinge. Aus meinem neuen Stück (das am 28. Juni in der Murecker Schiffsmühle Premiere hat) stammt der Satz: Die Zeit ist ein Mörder. Niemandem bleibt dies erspart.
Es ist nun schon ein paar Jahre her, da schrieb ich ein Buch über die Freude, älter zu werden. Der weise Leichtsinn war der Titel. Diese Freude kann ich auch heute, Jahre später, ich könnte auch sagen, ein gut Stück älter geworden, noch immer empfinden. Aber es gibt auch diese Augenblicke, da schaut man sich selbst an und erschrickt. Und hadert. Und wills nicht wahrhaben. Und vergleicht sich mit anderen. Und kanns nicht fassen, dass man zu diesen alten Leuten gehören soll. Es braucht dann Zeit, bis man sich an das neue Gesicht gewöhnt hat, das nun das eigene Gesicht geworden ist. Meine website, die ja nun eine neue Adresse im Internet hat (www.angelikaaliti.at), zeigt nun gleich auch noch mein neues Gesicht. Nicht retuschiert. Nicht geschönt. Aliti heute.



22. April 2007


Fünf Kätzchen und ein Hallelujah!



Meine Katze Lucy ist vor einer Woche stolze Mutter von fünf kleinen Kätzchen geworden. Hubert, Reza, Zora, Rolfie und Easy sind überbehütete, viel bewunderte, entzückende Bereicherungen meines Lebens. Sie bleiben alle hier auf dem Schlangenberg. Wir hatten mit den Jahren eh ein Manko an Mäusefängern. Man könnte sagen, dass die Besetzung der Katzenrollen am Schlangenberg nun abgeschlossen ist.

Ich bin zur Zeit im schreiberischen Kokon verschwunden. In einem sehr anregenden Gespräch mit Peter Turrini (anlässlich der Uraufführung der Neubearbeitung der Minderleister am Schauspielhaus Graz war er zu Gast in der steirischen Hauptstadt) stellte ich fest, dass ich mich mit dem völligen Rückzug aus der Welt - wenn es daran geht, dass das Geschriebene endlich in die Form gegossen wird - in bester Tradition der Besten befinde. Hallelujah!



10. April 2007


Teilen macht Spaß



Die Entwicklungen der letzten Zeit haben dazu geführt, dass meine website völlig überholt ist. Genau genommen ist es an der Zeit aus einer website gleich drei zu machen.

Demnächst wird es eine website geben, die sich mit den von meinen Töchtern erzeugten Blütenessenzen vom Schlangenberg befasst. Die Freie Bühne Steiermark wird ihre eigene Seite bekommen, so dass meine persönliche website eben der Darstellung meiner Person dient und zeigen wird, was ich als Autorin, Theatermacherin, Philosophin, Kulturproduzentin und denk mal-Pflegerin kann und bin.

Bis es soweit ist, versuche ich, alles auf dieser Seite unterzubringen.



07. April 2007


Die Familie wächst



Nachdem Matthias Eberth die Regie von "Sie sehen mich hier sitzen. Heute ist der Tag" übernimmt, das am 30. Juni Premiere hat, freut es mich heute anzuzeigen, dass Corinna Jarosch, freie Regisseurin aus Berlin (mit Salzburger Wurzeln) die Regie für das erste Stück der Serie "Woman In Black" übernehmen wird, das am 25. Oktober 07 herauskommt. Es handelt sich um eine Adaption des magischen Salons mit dem Titel "Falls du mich suchst, ich bin im Irrenhaus".

Ich sitze auf dem Schlangenberg, inmitten blühender Kirsch- und Birnenbäume, Löwenzahn, Veilchen, Gänseblümchen und blühende wilde Erdbeeren in der Wiese und weiß, die Aschenzeit ist vorüber. Heute gibt es ein großes Osterfeuer, in dem alles Alte verbrannt wird; alles, das, was man nicht mehr braucht.
Der letzte Schritt auf dem Hochseil.

Noch schau ich nicht zurück, aber meine Gedanken wandern rückwärts in die Zeit. November. Bittere Enttäuschungen. Dezember. Zeit des Abschieds. Erste Schritte auf dem Hochseil. Januar. Februar. März. Ende und Anfang so nah beieinander. Aschenzeit halt. Aber nun: noch ein Schritt und alles hat sich erfüllt.

Allen ein fröhlich-buntes Osterfest !



06. April 2007


Besetzt!



Ich hatte die Ehre und Freude mit zahlreichen Bewerbern und Bewerberinnen für die Regie des Stücks "Sie sehen mich hier sitzen. Heute ist der Tag" zu sprechen und zu korrespondieren. Sehr viele, sehr interessante Menschen, Profis, Könner und Begnadete. Die Wahl fiel schwer, aber ich habe sie getroffen. Regisseur des Stücks wird Matthias Eberth.


30.März 2007





Man sollte den Maßstab nicht niedriger legen als man in der Lage ist zu springen.
(Georg Danzer)



24.März 2007


Nur noch drei Schritte



Ich habe mein derzeitiges Leben gegenüber Freunden vor einigen Wochen mit einem Drahtseilakt über einem tiefen Abgrund verglichen. Wenn ich in diesem Bild bleibe, so sind es nur noch drei Schritte, die mich vom sicheren anderen Ende trennen.
Es ist zu diesem Zeitpunkt sinnlos, zurückzublicken. Dazu ist später noch Gelegenheit. Es ist sinnlos, nach unten zu schauen. Und Blödsinn, den letzten Rest mit einem Sprung hinter sich bringen zu wollen. Das wäre überdies wenig elegant. Nichts wäre gewonnen. Denn dieser Augenblick ist kostbar. Drei Schritte. Die letzten drei Seiten eines spannenden Buches. Man liest immer langsamer. Wenn das vorbei ist, kommt der Augenblick der Leere bevor das Neue seinen Raum offenbart. Dann ist Zeit zum Knieschlottern, Ausatmen, Seufzen, Schreien, Lachen, Weinen und Trommeln. Und zum Erzählen: "...wie ich auf der Mitte war...und auf einmal...ich dachte, ich muss sterben...du liebe Güte...und wie ich dann..." Das wird der Zeitpunkt der größten Lebendigkeit sein. Jetzt noch nicht. Jetzt ganz ruhig, genau peilen, leicht, leicht, leicht sein. Welch ein Genuss !



19.März 2007





Theater lebt mehr als jeder andere Raum von den Seelen der dort Tätigen. Wenn man genau hinschaut, sorgsam wahrnimmt, dann ist dieser berufsmäßige Palast der Lügen und Illusionen der größte Wahrheitstempel, den man sich nur vorstellen kann. Man muss nur mal hinter die Bühne gehen, in die Kantine schauen, dem Intendanten zuhören, wie er mit den Leuten umgeht. Wo er eigentlich seine Ideen herhat. Es gibt ja den alten, aber wahren Spruch: Niemand darf schöner sein als der Chef. Und so sind die geistigen und menschlichen Grenzen des Chefs auch künstlerisches Limit für die unter ihm Tätigen. (Es kann natürlich auch eine Chefin sein, eh klar). Na mal schauen, wie groß der Raum ist, den ich mit der künstlerischen Leitung der Freien Bühnen Steiermark denen bereite, die dabei mittun, mag die Freie Bühne Steiermark auch noch klein und bescheiden sein.

Nach allem, was ich so in den Jahren erlebt habe - in Verlagen, an Stadttheatern, in Kulturreferaten, überall da, wo die sitzen, welche von der Genialität der Künstler leben, wünsche ich mir, dass ich eine Theaterleiterin sein werde, die niemals aufhärt, den feinen Flügelschlag der Genialität wahrzunehmen, wenn Menschen mich damit streifen.



14.März 2007


Stillstandbeschleuniger



Schon mal einem Stillstandbeschleuniger begegnet? Das sind diese Leute, die ja gern würden, wenn man sie nur ließe. Oder denen die Hände gebunden sind. Die ja leider nicht frei sind, sonst würden sie auf jeden Fall und unbedingt. Sie haben tausend Gründe, warum sie sich nicht weiterbewegen, doch immer wieder beim Selben landen, nichts riskieren. Zauderer, Zögerer, feige Hunde.
Eine andere Variante des Stillstandbeschleunigers sind die Leute, die ihren Auftrag nicht erfüllen, eine Entscheidung nicht fällen, weil dazu erstmal von der Gegenseite etwas geleistet werden muss. Liefert man das Gewünschte, fehlt mit Sicherheit wieder etwas, damit sie tätig werden können.

Gleich welche Sorte - Stillstandbeschleuniger sind mächtige Energiefresser, um sie herum arbeitet alles sich ab und niemals führt es zu irgendwas. Ich muss wohl nicht erst groß betonen, dass ich sie allesamt satt habe, die Stillstandbeschleuniger dieser Welt.



11.März 2007


Klarheit



Die zweite Tournee des magischen Salons durch die Steiermark ist erfahrungsreich beendet. Stets im Hintergrund begleitete mich der Gedanke an die geplante Theaterinitiative "Bühnen Steiermark", die professionelles Theater in den Bezirken Feldbach und Radkersburg aufbauen soll.

Mit den Salons haben wir uns gezeigt; haben gezeigt, was wir können und den Zauber des lebendigen Spiels entstehen lassen. Nun kommen die Dinge langsam in die Klarheit. Klarheit ist keine Sache, die man einmal erreicht und dann für immer besitzt, sondern eher die ständig fortschreitende Verfeinerung eines Bildes.

Am Anfang ist es, als säße man in einem Boot und ist auf der Suche nach einem Landeplatz. Dicke Nebelschwaden sorgen dafür, dass man nichts sieht. Und so kann man weder etwas unternehmen noch das Boot verlassen. Sobald sich der Nebel hebt - und es ist ein tröstlicher Gedanke, dass das immer geschieht - kann man sich umsehen und erkennt allmählich die verschwommenen Umrisse am Horizont, wo ein Ufer ist. Ist der Nebel ganz aufgelöst, ist das Bild ganz klar. Jetzt weiß man, was vor einem liegt und man bereitet sich auf das Landemanöver vor.

Ist man erst einmal gelandet, hat man andere Sorgen; andere und neue Herausforderungen.

Die Theaterinitiative "Bühnen Steiermark" steuert gerade auf einen sicheren Hafen zu.



10.März 2007





"Die Liebe hat einen Triumph und der Tod hat einen,
die Zeit und die Zeit danach.
Wir haben keinen.
Nur Sinken um uns von Gestirnen. Abglanz und Schweigen.
Doch das Lied überm Staub danach
Wird uns übersteigen."
(Ingeborg Bachmann)



09.März 2007





"Niemand kann sagen, was zwischen der Person, die du warst, und der Person, die du wirst, vorgeht. Niemand kartographiert diesen traurigen und einsamen Teil der Hölle.Es gibt keine Landkarten für Veränderung. Du kommst einfach auf der anderen Seite raus... oder eben nicht."
(Stephen King)



01.März 2007





Der nächste Salon "so dumm und Gomorrha" steht vor der Tournee-Tür. Es ist die Geschichte eines Mannes, der etwas über Tod und Sterben zu lernen hat.
Ich erinnere mich an die Zeit, als ich diese Geschichte schrieb. Damals hatte ich den leidenschaftlichen Wunsch, dass Männer den Mut zu wahrer Größe haben sollen; dass sie weniger feig sein sollten; weniger lügen; weniger oberflächlich sein; dafür mehr inspiriert sein sollten.
Immer wieder bin ich erstaunt und berührt, wieviele Zuschauer sich seither in diesem Mann aus Gomorrha wiedererkannt haben.
Natürlich habe ich mich damals von einem leibhaftigen Mann und seiner Welt inspirieren lassen. Im Gegensatz zu den zahlreichen Zuschauern zieht der aber weiter seine Bahn der Mutlosigkeit und Uninspiriertheit.
Die sich dafür entscheiden, hoffen auf die Sicherheit eines geraden Weges.
Aber dem ist nicht so. Ich erinnere an Nietzsche. "Wer eine gerade Furche ziehen will, muss seinen Pflug an einen Stern binden." So leben manche wohl lieber unter dem langweiligen Grau der altbekannten Hochnebeldecke als sich dorthin zu begeben, wo man einen freien Blick auf die atemberaubende Schönheit eines Sternenhimmels hat; wohl in der Hoffnung, unbehelligt zu bleiben.
Ich freue mich darauf, euch zahlreich als Zuschauer in diesem Salon begrüßen zu dürfen. Wir holen euch gern die Sterne vom Himmel.

7. März Gleisdorf, Kulturkeller
8. März Feldbach, Konzertsaal der Musikschule
9. März Mureck, Schiffsmühle
10. März Graz, Glockenspielhaus


Beginn jeweils 19.30



26. Februar 2007


Aschenzeit



Da sind wir nun mitten in der Fastenzeit. Aschenzeit. Aschenarbeit muss immer dann verrichtet werden, nachdem Großes geschehen ist. Die Faschingszeit, Karnevalszeit, Narrenzeit ist die Zeit von Prometheus gewesen. Prometheus, der Mann, der den Göttern das Feuer stahl, um es den Menschen zu bringen. Er steht für diese genialen Ideen, die uns manchmal übermannen und auch für all die Großartigkeit, wenn aus den genialen Ideen mindestens ebenso geniale Konzepte und Pläne werden. All die Dinge, auf die wir mit Champagner anstoßen, auf dass sie gelingen mögen.
Dann kommt das Erwachen. Er glaubte allen Ernstes, dass er in aller Heimlichkeit große Taten setzen konnte. "Was habe ich getan?" fragt Prometheus in dieser Zeit,nun zeigt sich, dass die saufreche Idee gewaltige Konsequenzen hat. Denn nun nehmen die Götter diesen bis dahin unauffälligen Sterblichen namens Prometheus wahr. Sie schauen hin und verlangen, dass er die Konsequenzen trägt. Der alte Spruch: wer Hitze nicht verträgt, soll sich nicht in der Küche aufhalten, gilt jetzt. Und mittendrin Prometheus in Flammen. Prometheus ist eine sehr junge Kraft, unbedacht, wild und - wie gesagt - unverschämt und saufrech. Anderen mag er mutig erscheinen. Aber er ist einfach nur spontan und das göttliche Feuer begehrend. Nun wirft ihn ein Gefühl der Schuld zu Boden. Aschermittwoch.
Am Morgen des Aschermittwoch begegnet er im Garten des Lebens der Roten Königin (keine Metapher, sondern ein Begriff, den ihr mal googeln solltet).
Sie strich ihm über den Kopf und heiß wie Feuer berührte es ihn. Eine leuchtend rote Haarsträhne trug er nun und versuchte sie zu verbergen. Als ob man vor den Göttern und der Roten Königin etwas verbergen könnte.
Im Wunsche, diese verräterische Haarsträhne zu verbergen, flüchtete er in den Keller des Schlosses, das der Roten Königin gehörte. Dort muss er nun 40 Tage Aschenarbeit verrichten. Fleiß. Vielleicht wird er auch an einen Felsen gekettet und täglich frisst ihm ein Adler die Leber, die sich nur zur Erfüllung dieser Qual immer wieder erneuert.
Nach diesen 40 Tagen wird er von den Göttern getötet werden. Und - wie wir wissen - wieder auferstehen. Als ein Neuer, als ein Strahlender. Bis dahin aber: Asche.



18. Februar 2007





"In welcher Zeit möchten Sie gelebt haben", wurde früher in den Salons gern gefragt. Nun wohl: Was würde ein beliebiger Repräsentant unserer Zeit ehrlich antworten, wenn man ihm eine ähnliche Frage stellte?
Ich glaube, darüber kann kein Zweifel sein; jede Vergangenheit ohne Ausnahme würde ihm wie ein enges Gelass vorkommen, in dem er nicht atmen könnte.
Das heißt, die augenblickliche Menschheit fühlt, daß ihr Leben mehr Leben ist als irgendein früheres; oder umgekehrt ausgedrückt, dem Gegenwärtigem ist die ganze Vergangenheit zu klein geworden.

aus Ortega y Gassets "Aufstand der Massen" (1929)



16. Februar 2007





"Es gibt viele Leistungen im Kreativen, auch im Zeitgenössischen, die Beschäftigungsaspekte haben - ohne es aber in ein ökonomisches Zwangskorsett zu pressen"



Das muss man sich - nein, nicht auf der Zunge - im Hirn zergehen lassen.
Was heisst das bitte?
Welcher Satiriker spricht da zu uns? Oder doch vielleicht ein Patient, diese gewisse Sorte, die man in gewissen Kliniken findet?

Es sind Worte unserer neuen Bildungsministerin Claudia Schmied, die ja auch unsere Kulturministerin ist.



13. Februar 2007





"Treten Liebende nicht immerfort an Ränder, eins im andern, die sich versprachen Weite, Jagd und Heimat. Da wird für eines Augenblickes Zeichnung ein Grund von Gegenteil bereitet, mühsam, dass wir sie sähen; denn man ist sehr deutlich mit uns.Wir kennen den Kontur des Fühlens nicht; nur, was ihn formt von aussen. Wer saß nicht bang vor seines Herzens Vorhang? Der schlug sich auf: die Szenerie war Abschied.

Rainer Maria Rilke, Duineser Elegien


Ich habe meine persönliche Erlebenszeit derzeit als einen Gang über ein Hochseil, das über einen tiefen Abgrund gespannt ist, beschrieben. Ich, die ich immer behauptete, dass man nur mit einem gewaltigen Satz über solchen Abgrund kommt, erfahre nun, dass es nur mit vielen kleinen Schritten zu machen ist, die voraussetzen, hellwach zu sein und auf keinen Fall nach unten zu schauen, ganz gleich, ob Angst oder Irritation dazu verführen. Mein Gang ist sicher, ich habe vielleicht noch ein Drittel des Weges vor mir.Immerhin habe ich ein Seil unter den Füßen. Nun ist mir schmerzlich bewusst, was ich zurücklasse und was mich erwartet, hat mich noch nicht begrüßt.



11. Februar 2007


Grövaz



Das hat man wohl nicht oft im Leben - und mag man so erfolgreich sein wie man will: ein Grövaz. Diese Abkürzung steht für größte Veranstaltung aller Zeiten. So ein Wunder haben wir mit dem magischen Salon "Falls du mich suchst, ich bin im Irrenhaus" am vergangenen Freitag erlebt. Dafür lebe ich, dafür arbeite ich: Für einen solchen Moment, an dem wir spüren können, dass die Himmlischen da oben offenbar mitspielen. Es war wunderbar. Auch die zweite Vorstellung am Samstag war super, von Seiten der Macherinnen aus sogar leichter, perfekt geradezu, aber man könnte so sagen: während wir am Samstag mit unserem Spiel den Himmel berührten, haben wir am Freitag gespielt, als kämen wir geradewegs von dort.

Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass damit am Stadttheater Fürth die Ära der magischen Salons zu Ende gegangen ist. Das heißt auch, dass meine Arbeit am Stadttheater Fürth damit zu Ende gegangen ist. Kein Grund zur Traurigkeit- oder sagen wir einmal - nicht nur zur Traurigkeit, denn es waren drei unglaublich großartige Jahre voller wilder und gieriger Spiel-Leidenschaft. Aber, vorbei ist vorbei. Trotzdem wird weitergespielt. In Österreich. Genauer: In der Steiermark. Im März und im April sind noch einmal in Feldbach, Gleisdorf, Mureck und Graz die beiden Salons "so dumm und Gomorrha" und "Falls du mich suchst, ich bin im Irrenhaus" zu sehen.

Und auch das ist nicht das Ende. Im Sommer trete ich an der Schiffsmühle in Mureck mit einem Open-air-Monolog auf: "Etwas von endloser Flucht". Ein Stück über eine Frau, die auf dem Grunde der Mur lebt. Manchmal kommt sie herauf und erzählt, warum sie sich dorthin zurückgezogen hat. Es ist die Geschichte einer verzweifelten Liebe, einer eisigen Einsamkeit.



09. Februar 2007





Jeder Augenblick, in dem Sie sich auf etwas konzentrieren, das nicht funktioniert, an jemanden denken, der Sie nicht liebt, lässt Sie wie ein Mensch handeln, der trotz gefüllter Schatzkammern über seine Armut klagt.
Worauf richten wir unsere Gedanken? Je mehr Sie sich auf das konzentrieren, was Sie unzufrieden macht, umso mehr Unzufriedenheit werden Sie in Ihrem Leben hervorbringen.



05. Februar 2007





Für mein Herz genügt deine Brust,
Für deine Freiheit genügen meine Flügel.
Von meinem Mund gelangt bis zum Himmel,
Was schlummerte auf deiner Seele.


In dir ist die Illusion eines jeden Tages.
Du kommst wie der Tau zu den Blumenkronen.
Du untergräbst den Horizont durch dein Fernsein.
Ewig auf der Flucht wie die Welle.


Du singst, so sagte ich, im Wind
Wie die Föhren und wie die Masten.
Wie sie bist du hoch und schweigsam.
Und plötzlich wirst du traurig, wie eine Reise.


Gastfreundlich wie ein alter Weg.
Dich bevölkern Echos und Stimmen der Sehnsucht.
Ich erwachte, und manchmal ziehn flüchtend fort Vögel, die schliefen in deiner Seele.

(Pablo Neruda)

Ich begebe mich auf den Weg nach Fürth. In eine Begegnung mit zwei ganz besonderen Frauen: Kassandra von Troja und Kleopatra, Königin von Ägypten.
Zwei Frauen, die sich den üblichen Lebenswegen für Frauen verweigerten.
Ihre beiden Leben stehen dennoch für zwei entgegen gesetzte Lebensentwürfe.
In diesen Tagen, wenn sich Fragen aufdrängen, Fragen nach den richtigen Zielen, nach dem Sinn des eigenen Tuns, freue ich mich darauf, in ihre Haut zu schlüpfen und die Welt durch ihre Augen zu betrachten.

Der magische Salon in Fürth ist an beiden Tagen ausverkauft. Wer also keine Karte bekommen hat und den beiden königlichen Gestalten begegnen will, muss bis Ende April warten, dann sind sie in der Steiermark zu sehen.



31. Januar 2007





Es gibt Zeilen von Rilke, die mir viel bedeuten, zum Beispiel diese hier:

"Das Leben ist für uns eine tägliche Folter, ist Unbill, Leid und Verwirrung,
und gelegentlich öffnet sich ein Fenster über verzauberten Meeren."


Ich fühle mich für das Finden und Öffnen dieser Fenster zuständig. So begreife ich meine Arbeit. Und ich bin mir beinahe sicher, dass uns - Jutta Czurda, meiner Bühnenpartnerin; Werner Müller, dem szenischen Einrichter; Willy Kulmer, dem Saxophonisten; Heike Endres, der Bühnenausstatterin; Veda Aliti, der Organisatonsmanagerin; Athena Stebner-Aliti; der graphischen Gestalterin - dies in der vergangenen Woche gleich fünfmal gelungen ist. In allen fünf Orten, an allen fünf Spielstätten. Wir vom Theater betraten jedesmal eine andere Welt und konnten feststellen, dass das Publikum an jedem Ort - mag es so verschieden sein wie es will - unsere Geschichte verstand, aufnahm, an sich nahm. An allen fünf Orten wurde uns das größte Geschenk offenbar, das es für Theaterleute geben kann: dieser Moment, wenn man bemerkt, dass das Publikum und wir im gleichen Rhythmus atmen; dass der Herzschlag von allen Menschen im Raum einer ist.



29. Januar 2007


Zauber und Wirklichkeit



diese beiden Dinge gehen erfahrungsgemäß meist nicht zusammen. Darum haben wir Zeiten für beides. Aber manchmal verschmelzen sie eben doch. Und dann kommt es nur noch darauf an, alle Sinne weit, weit zu öffnen, um es bis in die kleinste Zelle und tief in der Seele und direkt ins Herz hinein zu erfahren.

Solcherart war die erste Steiermark-Tournee des Magischen Salons, die gestern zuende gegangen ist.

Es war ein Wirbel von Arbeit und Anstrengung, Leichtigkeit und Applaus. Am wichtigsten jedoch ist, dass der Theaterabend für viel Aufregung beim Publikum gesorgt hat. Menschen, die anschließend noch bis in die tiefe Nacht kontrovers diskutierten. Das ist der Sinn von Theater. Aller Applaus ist nicht genug, so sehr ich ihn auch liebe. Erst, wenn das, was man zu sagen hat, für Bewegung, Beunruhigung und vielleicht sogar Aufregung sorgt, haben wir es richtig gemacht. Und es sieht so aus, als hätten wir es richtig gemacht.



23. Dezember 2006


Essentielles



Das Leben sei, so hört man es oft, kein Wunschkonzert. Wirklich nicht? Ich meine eher, dass das Leben uns alle Wünsche, die wir äußern, erfüllt. Nur ist das nicht halb so schön, wie wir uns das vorgestellt haben. Denn stets leiden wir heute unter der Erfüllung unserer Wünsche von gestern.

In den Zeiten, die von uns verlangen, dass wir Bilanz ziehen, also zum Beispiel jetzt, hält uns das Leben einen Spiegel vor. Da ist die Vergangenheit groß, so groß wie ein ganzes vergangenes Jahr und die Zukunft auch, denn wir haben das kommende Jahr so ungelebt vor uns wie der Zen-Mönch eine frisch geglättete Sandfläche. Das, jetzt, sind die Zeiten, in denen das Wünschen ganz besonders hilft.

Was sollen wir uns wünschen? Gesundheit und ein langes Leben? Ach ja. Langweilig. Doch lieber Dinge, Güter, Sachen? Ein Cabrio? Eine neue Wohnung, oder eine neue, die wahre Liebe?

Die Kunst des richtigen Wünschens setzt die Fähigkeit, nehmen zu können voraus. Empfangen zu lernen heißt, nicht um die Form, sondern um die Essenz dessen zu bitten, was man ersehnt. Essenz ist das, was wesentlich ist. Von allem gibt es mehr, als wir in Wahrheit brauchen. Vom Guten wie vom Schlechten. Dass es das Schlechte wie das Gute gibt, soll uns nicht bekümmern, wenn wir bedenken, dass wir beides benötigen, um uns dem ununterbrochenen Wandel von Geist und Seele hinzugeben. Was am Ende aber bleibt, was wir nach jedem Wandel in die neue Zeit mitnehmen, ist die Essenz dessen, was gewesen ist. Mehr ist nicht nötig. Es ist diese Essenz des Gewesenen, die wir in die Zukunft mitnehmen. Wenn wir das berücksichtigen, handeln wir aus unserer Stärke heraus und nicht aus unserer Schwäche. Dann können wir niemals verlieren, denn ganz gleich, was gewesen ist, es ist ein Gewinn, den wir wie einen Schatz mit uns tragen. In die Zukunft. In eine Zeit, in der wir nicht mehr dieselben sein werden, die wir heute sind. Und was sind wir heute? Tatsächlich einen Tag klüger als gestern. Aus diesem Gefühl heraus das Neue zu umarmen, das ist alles, worauf es ankommt. Wenn wir uns etwas Neues wünschen, dann sollten wir offen dafür sein, dass es aus einer beliebigen Richtung, durch einen beliebigen Menschen, an einer beliebigen Stelle in unser Leben treten kann. Es ist ausgesprochen beschränkt, es aus dem Kontext, den wir kennen, zu erwarten. Die meisten Menschen, die ich kenne, erwarten, dass das Bekannte ihnen das Unbekannte beschert. Heilige Einfalt !

Das Unbekannte erfordert Veränderung. Und das macht Angst. Wenn wir eine Veränderung im Leben anstreben, ist es notwendig, jene Ansichten zu ändern, die uns in der Vergangenheit von dieser Veränderung abgehalten haben. Das hat Konsequenzen. Weil wir diese nicht freiwillig auf uns nehmen, stößt uns das Leben durch eigenartige Schicksalsschlenker in den Geburtskanal der Zukunft.




19. November 2006





"Der heutige Tag war ein voller Becher,
der heutige Tag war die gewaltige Welle,
heute, das war die ganze Erde.


Heute hob das stürmische Meer
in einem Kuss uns so hoch,
dass wir erzitterten
im Licht eines Blitzes
und aneinandergefesselt abwärts schossen,
um unterzugehn, ohne uns loszulassen.


Heute dehnten sich unsere Körper aus,
wuchsen bis an die Grenzen der Welt
und rollten, verschmelzend fort
in einem einzigen Tropfen
Wachs, einem einzigen Meteor.


Zwische Du und Ich ging eine Türe auf,
und jemand, noch ohne Gesicht,
stand da und erwartete uns."


Manchmal träumt man, was andere in ein Gedicht gegossen haben. Dieses Gedicht ist von Pablo Neruda. Niemand schreibt so wunderbare Liebesgedichte wie dieser Mann. Ich spüre all die Wildheit, das Rauhe, das Feuer und die Leidenschaft. Und weiß um seine Begrenztheit und alle Hindernisse, die in seinem eigenen Wesen begründet sind.



15. November 2006





" Es genügt nicht, die Welt zu verändern. Das tun wir ohnehin. Und weitgehend geschieht es sogar ohne unser Zutun. Wir haben diese Veränderung auch zu interpretieren. Und zwar, um diese zu verändern. Damit sich die Welt nicht weiter ohne uns verändere. Und nicht schließlich in eine Welt ohne uns."

Günther Anders, München 1980


Ich bin zurück aus Fürth. Was wir versucht haben, lässt sich mit diesem Zitat des Schriftstellers Günther Anders beschreiben. Die Parallelwelten meiner letzten Woche reichen von einer bösen Nachbarin, die mich seit 15 Jahren mit den dämlichsten Anzeigen nervt über politische Subalterne, die wichtiger als ihre Herren sind, hin zu seichtem Gerede von Menschen bei Ereignissen, an denen sie nicht müde werden, zu sagen, dass sie gar nicht da sein wollen, aber alle da sind, über gute Freunde, mit denen man sich klar und sofort über das Wesentliche verständigt, zu der erstaunlichen Welt unverbrüchlicher Liebe, weiter zu nächtlichen Begegnungen mit durchreisenden Theatermenschen von herzzitternder Tiefe, noch weiter zu hymnischen Veranstaltungen des magischen Salons. Ich schaue aus meinem Fenster auf die weiten Hügel gen Osten und lasse alles heute sein. So ist das Leben. Vertraue.



04. November 2006





Vor zwei Tagen hockten wir noch im T-Shirt und barfuss in der warmen Oktober-Sonne. Und heute fliegt uns der Schnee um die Ohren. So kanns manchmal gehen. Ich liebe den November. Trotzdem. Ja, sagt der November, das ist alles, was ich erwarten kann: trotzdem geliebt zu werden. Da hab ich dann doch lachen müssen. Also gut, mein Geburtsmonat Mai mag wohl sehr lieblich sein, aber der November ist etwas ganz Besonderes. Man lechzt nach Kultur. Feiert kerzenbestückte, prachtvolle Feste. Lädt zu anregenden Abendessen mit interessanten Gästen. Der November schenkt Tiefe. Ich liebe ihn bedingungslos.


21. Oktober 2006


Wollen, Können, Dürfen, Müssen



"......Als er mich fragte, wie ich die Situation verstand, sagte ich ihm, dass seine Familie ihm eine wichtige Regel vorenthalten hatte, nämlich, dass es für jeden von uns wichtig ist, seine eigenen Gefühle und Wünsche zu kennen.......Wann er es denn tun würde? Da begann er eine Menge von Erklärungen anzuhäufen, die darauf hinausliefen, dass er nur eine Schachfigur war, gefangen in der eng verzahnten Maschinerie der Klinikpolitik und der Anforderungen der Besserungsanstalt......Ich lachte ihn aus, weil er es nicht tat, und versicherte ihm, dass Dummköpfe wie er es mir so einfach machten, immer nur zu tun, was mir gerade passte und damit auch noch durchzukommen.....
Ich hoffe, anderen Pilgern zu zeigen, dass alle Regeln bloße Konventionen sind, Spiele, die man spielen kann oder auch nicht. Man muss nur sehen, dass sie Spiele sind, dann wird man frei zu tun, was man will und die Konsequenzen seines Handelns selbst zu tragen. Einigen muss man erst das Spielen beibringen, bevor sie frei genug werden können, ihre Wünsche kennenzulernen und ihnen zu folgen. Man muss in ihren Köpfen eine Revolution anzetteln; sie sind mehr Gefangene ihrer eigenen Regeln als der sozialen Erwartungen und Zwänge.

Unwandelbare Regeln, gewonnen aus unwandelbaren Quellen, sind zwar angenehm, aber auf dieselbe Art wie ein eingesperrter Straftäter Sicherheit bedeutet.
Man muss nicht alle Gesetze aufgeben, aber eines der Ergebnisse einer Pilgerschaft kann sein, dass man Moralgesetze mit anderen Augen sieht. Wenn man ein tieferes Gefühl von der eigenen Identität bekommt, ein Gefühl, dass das Ich auf dem Wissen um die eigenen Wünsche und auf dem Vertrauen in die eigenen Gefühle beruht, kann man einen Rahmen situativer Ethik entwickeln, in dem Regeln zu provisorischen Richtlinien werden. Jede Handlung wird man unter dem Gesichtspunkt ihrer existentiellen Bedeutung als persönliche Erfahrung beurteilen müssen, anstatt sie an einer Regel zu messen, die vor langer Zeit irgendwo weit weg in einen Stein gehauen worden ist. Sogar das mosaische Gesetz, die Zehn Gebote, die Grundlage der jüdisch-christlichen Tradition wird wieder lebendig, wenn seine Fundamente auf diese Art erschüttert werden. Uns wird aufgehen, das sie nichts weiter sind als Mahnungen, dass Menschen zu diesen Dingen neigen. Deshalb zupft Gott den Pilger am Ärmel und rät ihm, nie zu vergessen, dass er nur ein Mensch ist. Er muss auf seine Gefühle achten und auf den Sinn seines Tuns, wenn er für sich da sein will und doch auch für andere."

Sheldon B. Kopp

Ich habe vergangene Woche die Premiere von "Baumeister Solness" am Stadttheater Fürth erlebt. Wunderbares Stück. Wunderbare Inszenierung von Werner Müller. Welch ein Geschenk, wenn Wollen, Können, Dürfen und Müssen in einem heiligen Einklang schwingen. Man kann, wie Baumeister Solness, dieser Sache lange Zeit erfolgreich trotzen. Sich einbilden, nicht auf einer Pilgerreise namens Leben zu sein. Sich einzementieren und die Gartenarbeit liebende Gattin gleich mit. Oder sie zementiert sich ein und ihn gleich mit? Wer weiß. Aber die Revolution klopft an die Tür. Die Jugend, sagt Solness. Ich aber weiß ja, dass es unendlich viel Zeit braucht, bis man endlich jung ist. So ist es also eher eine Frage von Fuego und nicht von biologischen Jahren diese Sache mit der Jugend, die an die Tür klopft. Also, viva la revolucion und möge uns regelmäßig der Boden unter den Füßen weggezogen werden, auf dass wir immer jung bleiben.

Angelika Aliti



01. Oktober 2006


Gestern aufgeschnappt



Das, wonach du suchst, ist nicht immer das, was du findest.
Aber auch:
Wir können nie wissen, wann der Glücksengel eine Seite aus deinem Märchen zum Leben erweckt und für dich ein Wunder vollbringt.

Ich habe gestern dabei sein dürfen, als Stefan Herheim, der heute mit seiner Inszenierung von "Carmen" an der Oper Graz Premiere hat, in den Künstlergesprächen des Wagner Forum Graz über seine Arbeit erzählte. Wie beruhigend, dass es immer noch und immer wieder Menschen gibt, die ihre Arbeit mit Leidenschaft tun.



27. September 2006





Man könnte uns leicht glauben machen, es sei nichts geschehen, und doch haben wir uns verwandelt, wie ein Haus sich verwandelt, in welches ein Gast eingetreten ist. Wir können nicht sagen, wer gekommen ist, wir werden es vielleicht nie wissen, aber es sprechen viele Anzeichen dafür, dass die Zukunft in solcher Weise in uns eintritt, um sich in uns zu verwandeln, lange bevor sie geschieht. Und darum ist es so wichtig, einsam und aufmerksam zu sein, wenn man traurig ist, weil der scheinbar ereignislose und starre Augenblick, da unsere Zukunft uns betritt, dem Leben so viel näher steht, als jener andere laute und zufällige Zeitpunkt, da sie uns wie von außen her, geschieht.

Rilke



23. September 2006


Entfaltung



Es gibt eine sehr berührende Rede des Theaterautors Moritz Rinke darüber, wie in unserer Gesellschaft mit Entwicklung und Entfaltung umgegangen wird.
Alles stürzt sich auf die über Nacht in den Himmel geschossene vier Meter hohe Shooting Palme, die morgen schon wieder zu Unkraut erklärt werden wird - zugunsten der nächsten, neuen Shooting Palme, soweit die Kernaussage.
Das ist wohl wahr. Charismatischer Weitblick ist schon seit geraumer Zeit nicht mehr wirklich von Bedeutung. Dass Talent allein nicht von Bedeutung ist und eine geförderte Entfaltungsmöglichkeit zur höchsten Kunst benötigt, ist in allen Bereichen der Kultur von denen geleugnet, die glauben, Kultur unterläge denselben Gesetzen des Pragmatismus wie alle anderen gesellschaftlichen Bereiche. Dagegen kann man was tun. Dagegen muss man was tun. Dagegen werde ich etwas tun. Mein Wahlspruch war immer:
Qualität braucht seine Zeit, um zur höchsten Reife zu gelangen. Und Qualität setzt sich immer durch. Ich habe bis heute keinen Anlass, an diesem Grundsatz zu zweifeln. Und außerdem: es braucht sehr, sehr viel Zeit, um jung zu werden. Wer wissen will, wie sich das in der Realität zeigt, möge sich in Wien in der Albertina die Ausstellung über Picassos Alterswerk anschauen. Ganz gleich also, wie alt du bist, wisse: Das Beste kommt erst noch.



28. August 2006





"Ein Mythos war, wie wir gesehen haben, nie in einer rein profanen Umgebung nachvollziehbar. Begreifen ließ er sich nur in einem liturgischen Kontext, der ihn vom Alltag abhob; er musste als Teil eines persönlichen Wandlungsprozesses erlebt werden. Das alles gilt sicher nicht für einen Roman, den man überall ohne rituellen Rahmen lesen kann und der, wenn er gut sein soll, auf allzu offensichtliche Didaktik verzichten muss. In ein Theater zu gehen ist jedoch ein Erlebnis, das uns in gewisser Hinsicht an die traditionelle Vorstellung von Mythologie erinnert. Theater versetzt uns in eine andre Welt, die parallel, aber gesondert von unserem Alltagsleblen besteht. Wir wissen genau, dass dieses fiktive Reich nicht real ist, trotzdem fesselt es uns. Eindrucksvolles Theater fließt in den Hintergrund unseres Lebens ein und bleibt dort noch lange, nachdem wir es wieder verlassen haben. Theater ist eine Fiktion, die ebenso wie Yoga oder ein religiöses Fest Barrieren von Zeit und Raum einreißt und unser Einfühlungsvermögen in das Leben anderer und ihren Kummer erweitert. Es lehrt Mitgefühl, die Fähigkeit, 'mit anderen zu fühlen'. Und wie die Mythologie bewirkt auch gutes Theater einen Wandel. Wenn wir es zulassen, kann es uns für immer verändern.
Wir haben gesehen, dass die Mythologie eine Kunstform ist. Jedes beeindruckende Kunstwerk dringt in unser Wesen ein und verändert es für immer. Der britische Kritiker George Steiner behauptet, die Kunst 'ist neben bestimmten Arten religiöser und methaphysischer Erfahrung der ingressivste Aufruf zur Wandlung, zu dem menschliche Erfahrung fähig ist.' Kunstwerke sind eine eindringliche, invasive Indiskretion; sie forschen bis in die letzten privaten Sphären unserer Existenz'; sie sind eine Verkündigung, 'die in das kleine Haus unseres vorsichtigen Daseins' hereinbricht, das dann 'nicht mehr in derselben Weise bewohnbar ist wie zuvor'. Sie sind eine transzendente Begegnung, die uns sagt 'Du musst dein Leben ändern.'
Wenn man ein ernsthaftes Theaterstück sieht, kann es ebenso wie ein Mythos oder jedes große Kunstwerk zu einer Initiation werden, die uns hilft, einen schmerzlichen Übergangsritus von einer Lebensphase, einem Bewusstseinszustand zu einem anderen zu vollziehen. Theater lehrt uns ebenso wie ein Mythos, die Welt mit anderen Augen zu sehen; es zeigt uns, wie wir in unser eigenes Herz schauen und unsere Welt aus einer Perspektive sehen können, die über unser Eigeninteresse hinausgeht. Wenn professionelle Religionsführer uns nicht in mythischer Weisheit zu unterweisen vermögen, können unsere Künstler und Theatermacher vielleicht diese priesterliche Aufgabe übernehmen und unserer verlorenen, beschädigten Welt neue Einsichten bringen."

Diesen Text hat Karen Armstrong in ihrem Buch "Eine kurze Geschichte des Mythos" geschrieben. Allerdings schrieb sie nicht vom Theater, sondern vom Roman. Immer, wenn sie Roman schrieb, habe ich stattdessen Theater geschrieben. Karen Armstrong möge es mir bitte verzeihen. Ihr Text hat mich etwas über das Theater gelehrt, auch wenn sie es gar nicht weiß.



23. August 2006


Frauen am Steuer



Ich fahre gern Auto. Mein Fahrstil ist: schnell und defensiv. Nun ist mein Mitteilungsbedürfnis nicht so ausgeprägt, dass ich meine Leserschaft nun auch noch mit Berichten über meinen Fahrstil quälen will. Ich bin keine Bewohnerin der Oberfläche der Welt. Es geht um eine Metapher. Mich beschäftigen zur Zeit die Führungsqualitäten von Mann und Frau und worin diese sich unterscheiden. Wenn ich auf die schaue, die dabei schlecht abschneiden, lässt es sich so charakterisieren: Männer halten es nicht für blöde, im Kreis zu fahren. Im Gegenteil, sie schaffen es, daraus ein wichtiges Ereignis zu machen, bei dem sie auch noch viel Publikum haben, das seinerseits abendfüllend darüber sprechen kann, wer am schnellsten im Kreis gefahren ist. Frauen fahren gar nicht erst los. Weil sie nicht belastbar sind, weil sie die vielen Kritiker ihres Fahrstils nicht ertragen, weil sie Autofahren so unharmonisch finden, weil sie keine Lust auf soviel Technik haben, weil sie nicht wissen wohin und außerdem ist die Strecke so lang.
Ächz.
Wenn man dann mal einer begegnet, die es kann, bin ich hin und weg. So, wie ich mich froh ausdehne, wenn ich einen Mann treffe, der wirklich Führungsqualitäten besitzt. Einen echten Souverän. Was ihr Geheimnis ist?
Beide Sorten kennen die eigenen seelischen Abgründe und lassen andere nicht darunter leiden. Beide handeln aufgrund einer Ethik. Und beiden bedeutet Macht nicht Last, sondern Lust. Frauen am Steuer wissen, dass Autofahren ein Tanz ist.



12. August 2006





Gewaltige Wolkenhimmel, reichlich Wasser von oben, ein echtes Adria-Tief.
Zeit der Ruhe, Zeit der Stille, Zeit, in die Ferne zu verschwinden, um sich selbst nahe zu kommen oder im Vertrauten zu entdecken, wie fern das meiste in Wahrheit ist.
Woanders tobt wieder ein Krieg. Hier stirbt mein alter Ziegenbock Jakob.
Energien werden freigesetzt. Bilder zerbrechen. Masken fallen. Feind und Freund sind am Ende eins. Die Zeiten lehren mich viel, so viel wie mich die Begegnungen mit den Menschen dieses Sommers lehren.
Manchmal schaudert es mich, manchmal freut es mich, es erstaunt, erschüttert, verblüfft. Ich schreibe. Schreibe Konzepte, am nächsten Buch, schicke Projekte auf den Weg.
Ich kann allen nur raten, die Wahrheit immer somewhere beyond zu vermuten.



02. August 2006





"Furien haben ein Menge Spaß im Leben. Der Job ist Klasse, macht aber viel Arbeit." Dieser Satz stammt aus dem Salon "Flieg, Furie, flieg". Es ist zwar Sommer, aber es ist Furienzeit. Zeit für den heiligen Zorn. Eigentlich hocken die Furien ja eher so im November in den Bäumen und erschrecken die Vorübergehenden mit ihren schamlosen Wahrheiten. Aber, was soll man machen.
Nun ist Sommer und es ist trotzdem Furienzeit. Sie sagen so Sätze wie: Jedes Rotkäppchen findet ihren Wolf. Zum Wolf sagen sie: Glaubst du, dass du das Rotkäppchen überlebst? Hocken da im grünen Laub, schaukeln leicht im Wind und haben lüstern-heisere Stimmen. Und wie alle, die den Furien schon mal begegnet sind, wissen, ist ihr Lieblingssatz: Auch du entkommst deinem Schicksal nicht. Mag sein, dass du dein Schicksal nicht kennst. Aber das Schicksal kennt dich. Wenn wir dann Angst bekommen, sollten wir die Choreographie unseres Lebens noch einmal überdenken. Für Angst ist kein Anlass. Wie ich an anderer Stelle schrieb: Das Leben ist dem Menschen zumutbar.
So habe ich mit diesem kleinen Text wieder einmal zwei Menschen zusammengebracht, die sich eigentlich nicht begegnen können. Karl Valentin und Ingeborg Bachmann. War gar nicht so schwer.



26. Juli 2006





Wenn Sie sich Ihre Zukunft vorstellen, glauben Sie nicht, dass Sie dann noch derselbe sein werden, der Sie heute sind. Sie werden sich weiterentwickelt haben, weiser und gereifter sein. Jetzt bestehende Probleme werden gelöst sein. Wir nennen Probleme ja nur deshalb so, weil wir noch keine Lösung gefunden haben. Wenn es nicht mehr diese Probleme sind, werden es andere sein. Denn Probleme sind nichts anderes als "Baustellen", die unsere Aufmerksamkeit benötigen.


15. Juli 2006


Dies wird ein kurzer Sommer



nun ist richtig Sommer. Na endlich. Na wunderbar. Aber es wird ein kurzer Sommer werden. Natürlich nicht im meteorologischen Sinne, da mag er bis in den November dauern, das soll mir mehr als recht sein. Nein, es ist eher das Spiel der drängenden Veränderungen, die das Zeitmaß des Nichtstuns sehr einschränken werden. Auf allen Ebenen. Denn der kommende Herbst wirds in sich haben. Es sind nicht die Sprünge über den Abgrund, der Radschlag der ungewöhnlichen Verlockung - nein, von dieser Art sind die Veränderungen nicht, die anstehen. Gründlichkeit ist gefragt. Klarheit. Konsequenz. Wir Schönfärberinnen befassen uns gerade mit Sinn und Zweck des Kämpfens. Mit der Frage warum und wofür. Dass die Zeiten eine straffere Haltung verlangen, ist klar. Die jetzt eingeschlagene Richtung wird für die nächsten Jahre gelten. Dagegen steht, dass Urlaubszeit ist. Also: straffe Geduld.


06. Juli 2006


Die Party geht weiter!






03. Juli 2006





Ich hätte niemals gedacht, dass ich den Begriff "entfesselt" im Zusammenhang mit den Bewohnern der Stadt Bielefeld benutzen kann. So kann man sich täuschen. Ich war in der ostwestfälischen Stadt, als Deutschland den Einzug ins Halbfinale feierte. Unglaublich. Lachende Menschen, Lastwägen voller Feiernder, alle im Sambarythmus inklusive Fahrer. Entzückend. Das tut dem Land gut, den Menschen gut, ich bin hingerissen.

Ich wende mich nun der letzten Schreibwerkstatt am Schlangenberg zu, die am kommenden Samstag beginnt und freue mich auf die vielen interessanten Themen, um die es gehen wird.

Mein Lieblingsspruch zur Zeit: Es erwartet dich immer nur deine Zukunft und keine andere.




24. Juni 2006


Die Badesaison ist in vollem Gange!






22. Juni 2006


Verpuppung



ich habe immer drauf geschaut, dass ausreichend Brennesseln am Schlangenberg wachsen. Sie sind die unersetzliche Wiege für eine vom Aussterben bedrohte Schmetterlingsart. (Justament jetzt, wo ich sagen muss, welche, fällt mir der Name natürlich nicht ein). In diesem Sommer nun haben sich die Brennesseln beinahe schon Felder zu nennende Ecken ausgesucht, um zu wachsen. Sicher das Zehnfache der früheren Jahre. Und alle sitzen voller samtschwarzer Raupen, die sich schmatzend fettfressen. So manche Heuschrecke schnappt sich eine davon, scheint ihnen wohl zu munden. Aber es sind so viele, dass der Heuschreckenfrass nicht ins Gewicht fällt. Dann verpuppen sie sich. Und nach einiger Zeit - eh klar - kommen die leuchtend orangefarbenen Schmetterlinge hervor, schön und frei segeln sie herum.

Ich bin in einer Art Verpuppung.



13. Juni 2006





Ich bin mehrfach darauf angesprochen/angeschrieben worden, warum ich denn nur noch diesen Sommer bzw. dieses Jahr Seminare für Frauen biete. Warum der Abschied. Ich will es mit fremden Worten sagen. Sonja Still schrieb sie mir:

Hatte nur das Gefühl, die Frauen sind austherapiert, soweit Frauen therapierbar sind. Einige scheinen partout immer im gleichen Sumpf stecken bleiben zu wollen. Du hast für viele die Frauen-Arbeit geleistet. Im Äußeren- eh klar. Aber auch in Deinem eigenen Leben. Bist Du stellvertretend für viele einen authentischen weiblichen Weg gegangen, den sie nicht zu gehen wagten? Wo sie dann kamen und fragten, „wie solls denn gehen?“ und in kleinen Häppchen hast Du sie dann mit Mut gefüttert. Hast – so wirkts für mich- das morphogenetische Feld für alle aufgebrochen, umprogrammiert durch Dein eigenes Sein und Entwickeln!

Danke Sonja, danke allen, die gekommen sind, um sich mit Mut füttern zu lassen. Und ich bin ja nicht aus der Welt. In diesem Sommer, unter diesem Himmel feiere ich ja noch mit allen das Leben und begleite auf der Pilgerschaft in die Selbsterkenntnis. Wer noch kommen mag, komme.

Der Wechsel in die neue Arbeit wird nicht leicht. Ich arbeite ja frei und ohne die Sicherheit eines festen Jobs. In Zeiten wie den unseren und trotz großer Verantwortung für so viele, für die ich zu sorgen habe, ist Mut noch zu wenig. Man braucht wohl Über-Mut.

Hierzu ein Text von meinem derzeitigen Lieblingsautor Sheldon B. Kopp:

Ich muss weitergehen auf meiner Pilgerschaft, es ist mein einziger Weg, offen zu bleiben für diese Vision. Für den Rest dieser Wanderung, die mein Leben ist, muss ich darum kämpfen.
Unterwegs muss ich meine Bürde tragen wie jeder andere. Aber ich habe nicht vor, sie dankbar oder still zu tragen. Ich werde meine Traurigkeit annehmen, und wenn ich kann, mache ich sie singen. Wenn andere mein Lied hören, werden sie vielleicht aus der Tiefe ihres eigenen Fühlens mitschwingen und antworten.
In der Finsternis des großen Waldes werden wir einander zurufen, damit wir uns nicht verlieren. Wie die unschuldigen Waldmenschen leben wir dann einen Augenblick lang in einer Welt, die ein gütiger Gott geschaffen hat: Wenn wir in Not sind, wissen wir, er schläft. Und wie bei den Chassidim, wenn das Leben am schwersten ist von Schmerz und Angst, dann ist es Zeit, dass wir zusammen singen und tanzen, um den schlafenden Gott unserer verlorenen Hoffnung zu wecken.


Am kommenden Wochenende werde ich mit einigen Frauen die Tür zur Selbsterkenntnis öffnen. Und am Samstagabend treffen die österreichischen Schönfärberinnen hier ein, um einige Dinge zu klären. Ich werde mit ihnen allen singen und tanzen, damit wir den schlafenden Gott hellwach kriegen.
Und ich werde wissen, dass viele uns hören werden und mitschwingen und antworten.



10. Juni 2006


Die Zeichen am Schlangenberg...



...stehen mal wieder auf Veränderung. Nichts Besonderes, wenn man das Leben als einen dynamischen Vorgang auffasst.
Schwierig daran sind die Übergänge. Wenn man das Alte noch nicht loslassen mag und das Neue noch nicht ganz da ist. Die Verpuppung der Raupe.
So sieht mein Leben zur Zeit wohl aus. Aus diesem Grunde möchte ich allen Fans und Leserinnen und Lesern sagen, dass mit Ende des Jahres 2006 meine Zeit als Seminarveranstalterin vorüber ist. Genauer gesagt werde ich im Januar 2007 das letzte Seminar in Kärnten halten. Es wird sinnigerweise "Pluto - die Kraft etwas zu beenden" zum Thema haben. Auch die Wochen der Selbsterkenntnis am Schlangenberg wird es nur noch 2006 geben. Auch die Schreibwerkstatt, das Schnapsbrennen. 2007 schließt der Schlangenberg sein großes Tor für die Öffentlichkeit wie schon einmal. Dieses Territorium des Glücks schenkt nur noch in diesem Sommer seine Kraft denen, die sich auf einer Pilgerreise der Seele befinden. Dann sagen wir leise Servus. Ich werde nicht aus der Welt sein. Theater. Ereignisse, die man heutzutage Kulturevents nennt. Neue Bücher. Das alles wird es weiter geben. Dies ist ein seltsam Jahr, das wir da erwischt haben. Nutzen wir die Zeichen der Zeit.



09. Juni 2006





Das größte Glück ist ein nicht opportunistisches, nicht erpressbares Dasein, in dem man liebt und geliebt wird.

Andre Heller



06. Juni 2006


Wer bremst, gewinnt?



Manchmal muss man das Tempo verlangsamen. Manchmal muss man in der Stille ankommen. Manchmal rast das Leben dahin, als führen wir auf einem Fluss durch die Stromschnellen. Alles zu seiner Zeit. Ganz gleich, mit welchem Tempo man unterwegs ist, immer ist alles in Bewegung. Es gibt keinen Stillstand. Man kann den Fluss der Energie nicht aufhalten. Niemand kann Pause vom Leben machen. Wer bremst, tut es aus Angst. Alle haben immer Angst vor dem nächsten Schritt. Ausnahmslos alle.


04. Juni 2006


Geheimnisvolles gelbes Licht am Himmel gesichtet !



Heute morgen wurde ich Zeugin eines aufregenden Phänomens ! Am Himmel zeigte sich ein seltsames gelbes Licht. Als ich aus dem Haus stürmte, um es genauer zu betrachten, stellte ich fest, dass von ihm eine wunderbare Wärme ausging, zarter und umfassender als das Feuer im Kamin sie zu spenden vermag. Ich fragte im Dorf herum, ob jemand weiss, was das ist. Aber niemand kannte es. Nur die Ältestens wussten, was das ist. Sie nannten es: Sonne. Sie sagten: vor langen Zeiten war dies gelbe Licht einige Monate hintereinander im Jahr tägliches Schauspiel am blauen Himmel. Blauer Himmel. Veralbern kann ich mich allein, sagte ich. Jeder Mensch weiß, dass der Himmel grau ist. Und dass Sommer ist, bemerkt man daran, dass statt Schnee Regen fällt. Wenn der Regen etwas wärmer wird, weiß man, nun ist Hochsommer.

Es ist kaum zu fassen: die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Ich kann vor meinem Haus sitzen und am Terrassentisch schreiben.

Heute bewegen mich Fragen. Zum Beispiel: Woher nimmst du deine Kraft? Oder: Wie weit bist du dir bewusst, welche Geschichte mit deinem Leben geschrieben wird? Und außerdem: Worum geht es ganz aktuell in diesen Monaten in deinem Leben? Vielleicht auch: Welche Ängste halten dich ungebührlich fest? Und wie wäre es mit: Welches zukünftige Bild von dir ruft dich zu sich herein?

Ein schönes Pfingsten allen ob daheim oder unterwegs.



26. Mai 2006


Dem Vatertag hinterhergesprungen!



In meinem letzten Rundbrief (nachzulesen unter Aktuelles) habe ich den kollektiven emotionalen Geiz thematisiert, der sich in Deutschland und Österreich breitmacht, als wenn es eine erfolgreiche Gehirnwäsche gegeben hat. Hier nun will ich eine spezielle Form dieses Phänomens ansprechen, das die meisten, die Kinder haben und sich in einer Trennung oder Scheidung befinden, kennen. Es geht um die Väter. Es scheint nur allzu verführerisch, in den Zeiten, wenn sich Verbindungen lösen, die miesesten Seiten hervorzukehren und damit umzugehen, als ob es darum ginge, gegen Mütter und Kinder gewinnen zu wollen.
Es gibt da einen in meiner eigenen Familie, der seiner Frau, der Mutter der gemeinsamen Kinder den ihr zustehenden Unterhalt nicht zahlt, dafür aber den Kindern ständig die teuersten Geschenke macht. Gehts noch dämlicher? Ja. Da wird der Mutter angedroht, dass sie das Haus verliert und mit den Kindern auf der Straße landet. Kann so ein Vater noch tiefer sinken? Ja, er kann. Da bittet die junge Frau nun ihrerseits ihren Vater, doch mit dem kämpfenden Gatten zu reden, um ihn zur Vernunft zu ermahnen. Wir alle wissen, dass diese Bitte nicht erfüllt wurde. Und das ist nicht verwunderlich. Denn ihr Vater hatte sich seinerzeit im Scheidungsverfahren nicht besser als jetzt sein Schwiegersohn verhalten, woran er mit Sicherheit nicht erinnert werden möchte.
Das ist nicht privat. Und das sind keine Einzelfälle.
Ich wünsche mir, dass die heute älteren Männer ihre Aufgabe, die jüngeren Männer anständige Menschen werden zu lassen, endlich ernstnehmen. Gerade weil sie selbst in jüngeren Jahren ohne Halt und Beratung ihrer Väter mehr als reichlich Mist gebaut haben, sollten sie jetzt imstande sein, dazu beizutragen, dass nicht weitere Kinder sich für ihre Väter schämen müssen.



23. Mai 2006


Wirklich wirkliche Wirklichkeit
und
eine schöne Zeit mit den schönen Schönfärberinnen



Wir schustern uns alle selbst das Bild zusammen, das wir für Wirklichkeit halten. Das ist ein alter Hut. In diesen Tagen erhalte ich viele interessante Einblicke in das, was andere Leute für Wirklichkeit halten - in dem Fall bin ich diejenige, die mit den Beinen auf dem Boden bleibt. Ich erhalte aber auch - wie soll es anders sein - meine eigenen Lektionen und damit Gelegenheit zur Wirklichkeitsanpassung. Wenn zwischen Vorstellung vom Leben und Leben eine große Lücke klafft, dann mag das Leben eben nicht gelingen. Die Frage ist ja immer, was tut man, wenn man`s merkt. Korrigieren wir dann unsere Lebensstrategien? Arbeiten wir daran, herauszubekommen, welche Wege zum ersehnten Ziel führen? Es wäre zu empfehlen.
Am vergangenen Wochenende hatte ich eine schöne Zeit mit den Schönfärberinnen. Zweimal im Jahr trifft die verschworene Gemeinschaft auf dem Schlangenberg zusammen. Gemeinsam gehen sie in die Tiefen seelischer Erkenntnisse und schrauben sich in die Höhen hinauf, von denen aus man interessante Einblicke in den Sinn des Lebens erhält. Und natürlich gibt es die eine oder andere Kollision von Illusion und Wirklichkeit. Keine geht wie sie gekommen ist. Das hat der Schlangenberg so an sich.

Meine Wirklichkeit zur Zeit findet sich in der Metapher von der Brücke. Die schmale Brücke des Lebens, über die wir zu gehen haben, wenn wesentliche Entscheidungen anstehen. Dann muss man zuerst entscheiden, was von all dem im Leben angesammelten Gepäck mitkommen muss und was wir nicht über die Brücke kriegen. Das habe ich schon hinter mir. Nun bin ich etwa auf der Mitte der Brücke und überlege, wie lange es wohl noch dauert, bis ich auf der anderen Seite angekommen bin. Noch beschäftigt mich nicht, was ich dort vorfinde, sondern eher, heil und sicher über die Brücke zu kommen und am Ende alles bei mir zu haben, was ich benötige.

Wenn wir uns in den Zeiten befinden, bevor die Würfel gefallen sind, führen wir uns auf, als sei das Leben wie Schiffe versenken. Wir hoffen auf den Volltreffer und fürchten uns davor, Fehlenstscheidungen zu treffen. Bleib ich oder geh ich? Hinterher wissen wir: keine andere Entscheidung wäre möglich gewesen. Es gibt nur Folgerichtigkeit. Aber das Wissen um die Folgerichtigkeit hilft uns gar nichts. Nach vorne blickend ist das Leben wie eine Brücke im Nebel. Wenn wir uns bewegt haben, wenn wir sie betreten, kommen andere Besorgnisse. Viele und vieles habe ich zurücklassen müssen. Mit mir gehen neue, das ist sehr schön. Und am glücklichsten bin ich, einen - meinen - Gefährten bei mir zu wissen. Auch wenn ich ihn nicht immer sehen kann, so weiß ich doch, er ist da.

Gerade kommen die Schafe von der Vormittagsspeisung die Wiese herauf.



16. Mai 2006


Eine lange Reise, eine kleine Nostalgie, ein langer Abschied und die Ankunft im Herzen der Wahrheit



vor zwei Wochen bin ich gestartet, um Lesungen und Seminare in Deutschland zu halten. Wenn man noch Wien und München dazurechnet, dann bin ich in dieser Zeit nicht nur ganz schön herumgekommen, sondern habe Etappen eines Zusammenhangs abgeschritten, die wie Perlen aneinandergereiht, mir etwas über mich erzählten.

Ich begann in Stuttgart, im Frauenzentrum Sarah, das sich tapfer in einer Welt behauptet, in der Frauenzentren nun schon länger nicht - sagen wir mal - am Brennpunkt der gesellschaftlichen Entwicklung stehen. Für mich eine persönliche kleine Nostalgie. In diesem Frauenzentrum habe ich viele Lesungen in vielen Jahren gemacht; habe viele Freundinnen gekannt, die nun wohl in alle Winde verstreut sind. Nett war's, ein wenig wehmütig halt. Und dann waren noch eine ganze Menge meiner Leserinnen da; Verschworene der Schlangenberg-Fangemeinde, die allesamt genüsslich austauschten, wie es so ist, wenn man am Schlangenberg nach der Selbsterkenntnis sucht.
Dann Göttingen. Nostalgie auch hier. Das war doch damals, als ich aus den Krimis gelesen hatte. Madeleine - eine Schönfärberin - hatte Lesung und Seminar vorbereitet. Das Angenehme an der Reise in die Vergangenheit ist, dass man eine gemeinsame Vorkenntnis hat, eine Art gemeinsames Grundverständnis über die Sicht aufs Leben. So war es auch in Göttingen.
Von hier aus fuhr ich nach Bielefeld. Familienangelegenheiten. Das, was über diese Dinge hinausgeht, war dann schon mal der erste Schritt auf die neuen, die anderen, die veränderten Zeiten. Meine älteste Tochter Athena wird sich um das Management meiner Aktivitäten kümmern. Nun sind wir also ein kreatives Viererteam. Und interessanterweise sind wir alle vier immer mit zwei Talenten in Aktion. Während Veda - meine jüngste Tochter - sich weiterhin um Büro-Organisation und die Betreuung unserer Gäste am Schlangenberg kümmert, ist sie außerdem mit voller Kraft in ihrem Studium der Medizin unterwegs. Während ich weiterhin in Seminar und Beratung mich der Erstarkung weiblichen Selbstwertgefühls widme, bin ich als Autorin und (Selbst)darstellerin vor dem Sprung in neue Welten. Und Sonja, die als Journalistin sich um meine Präsenz in der Presse kümmert, ist eine exellente Filmerin und mir mit ihrer Kunst in meinen neuen Projekten zur Seite. Und Athena? Managen ist eine ihrer Stärken. Die andere ist die professionelle Gestaltung von Bühnenräumen, virtuellen Räumen, Erscheinungsbildern. Muss ich noch mehr sagen?
Nach Bielefeld kam Schleswig. Das liegt noch nördlicher als Hamburg. Womit ich sagen will, dass ich kurz, aber intensiv meine Kindheit berühren musste, bevor ich in das Unbekannte vordringen konnte. In Schleswig war ich noch nie. Zwar fanden sich auch hier nicht wenige Stamm-Leserinnen von mir ein, aber es war ganz deutlich eine ganz andere Umgebung als die alten Zentren der Frauenbewegung. Das Publikum sehr gemischt, sehr aufmerksam und dann gab es eine lange Diskussion. Man wollte gar nicht mehr auseinandergehen. Neues Publikum, das ich als Symbol für neue Zeiten werte. Diese Veranstaltung kam auf Initiative von Carsten Greifsmühlen zustande, der sehr beeindruckt davon ist, dass die Schönfärberinnen sich mit Fragen der Ethik aus weiblicher Sicht beschäftigen. Nun hofft er, etwas Ähnliches für interessierte Männer aufbauen zu können.
Als ich wieder fuhr, fing ich an, nachzudenken. Und ich hatte lange Zeit, nachzudenken während einer langen Fahrt.
Was fehlt dem Land, was fehlt den Frauen, was fehlt den Menschen? Die Beschäftigung mit der eigenen Befindlichkeit - die ja meine Sache ist, wie gesagt - hat nur dann einen Sinn, wenn ich mich frage, was der Sinn des Lebens - meines Lebens ist. Diese Frage war die tragende Frage dieser Reise. Mein Fazit: Frauen sind offenbar versierter in der Beschäftigung mit der eigenen Befindlichkeit als Männer, aber auf die Frage, was denn der Sinn des eigenen Lebens sei, tun sie sich genau so schwer wie Männer. Was fehlt ist: Leidenschaft. Was fehlt, ist die unstillbare Sehnsucht nach dem Wunder. Was fehlt, ist die Bereitschaft, das Leben so zu betrachten, als hätte man es noch nie gesehen. Die Leidenschaft, die die Frauenbewegung vor langen, sehr langen Zeiten hatte, ist längst vorbei. Tellerrandzeiten haben wir jetzt. Also Zeiten, wo die Sicht nur bis zum eigenen Tellerrand reicht. Alles hat sich irgendwie eingerichtet in Geldmangel, Jobmangel, Freudmangel, Perspektivmangel. Schon junge Menschen leiden am burnout. Wo holt ihr euch alle eigentlich eure Energie her? Es tut mir gut, zu sehen, dass diejenigen, die sich beispielsweise auf den Selbsterkenntnis-Weg am Schlangenberg begeben, einen ganz anderen Zugang zu Kraft und Leidenschaft haben. 14 Jahre lebe ich nun schon hier. Zehn Jahre kommen Menschen nun schon hierher und finden im Inneren des Labyrinths, was ihnen so bitterlich fehlt. Und ich denke: danke, dass ich diese Arbeit tun durfte. Danke, dass ich so vielen Wegbegleiterin sein durfte und danke, dass ich mit anschauen durfte, wie Lebendigkeit und Freude, Klarheit und Wahrhaftigkeit im Leben von so vielen Menschen etwas bewirkt hat.
Am Ende der Reise stand die Liebe. Von der ich einst dachte, dass es reicht, wenn man sie auf alle Menschen verteilt. Und von der ich mittlerweile weiß, wie wichtig es ist, sie vor allem unserem Partner/ unserer Partnerin zu schenken. Nun wieder auf dem Schlangenberg angekommen, bin ich müde, erschöpft, aber glücklich.
Nun sehe ich einem Sommer entgegen, an dem ich vielen Frauen auf ihrem Weg zur Selbsterkenntnis begleitend behilflich sein kann und hoffe auf zahlreichen Besuch.



06. Mai 2006


Sie sind da!
Amalie und ihre 4 Töchter






01. Mai 2006


Nasser Sonntag, blauer Montag, Power-Dienstag



Das waren krasse Gegensätze, inspirierende Begegnungen. Am Mittwoch hatte ich eine Lesung in unserem kleinen Nachbarort Gnas, am Donnerstag in Wien, am Freitag in München. Den Sonntag über fuhr ich durch eine graue Regenwand heim auf den Schlangenberg. Am Tag der Arbeit habe ich blau gemacht. Und morgen starten wir wieder durch.

Der krasseste Gegensatz selbst zum beschaulichen Gnas: Unten auf unserer Wiese wohnt jetzt ein Reh-Pärchen. Sie gehen, sie sitzen, sie schlafen und speisen. Immer ganz nah und doch immer auf der Hut, dass wir ihnen nicht zu nahe kommen. Die Täubchen im Dach. Ein Fasanenpärchen im Wildgarten. (Herr und Frau Stanislaus und Polly Rosellapapagei in meinem Büro, die schön langsam alles zerlegen, wenn wir nur die Zeit fänden, ihnen eine Voliere draußen zu bauen !) ein Falke ist auch noch zugezogen. Wir warten auf Amalie Zwergschwein und ihre vier Töchter, die ein Waldgehege bei uns bekommen. Im Wald ein Maiglöckchenmeer, ich sammle lieber keinen Bärlauch für die Suppe.

Nun starte ich auf meine große Reise nach Stuttgart, Göttingen und hinauf nach Schleswig. Am schönen grünen Donnerstag.



26. April 2006


Don't sit under the apple tree.....



....with anyone else but me ! Hier blüth nun alles gleichzeitig. Birne, Apfel, Kirsche, Pfirsich und Zwetschge. Wir sitzen im weißen Blütenregen. Der Pool ist gefüllt. Die Badesaison kann beginnen. Satte 26 Grad hat es. Im Schatten. Das heißt, die Sonne scheint.Wir erwarten Nachwuchs. Amalie und ihre vier Kinder werden demnächst zu unserer Familie gehören. Zwergschweine. Sobald sie da sind, gibt es Fotos. Auch wenn um uns herum "the big spring thing" tobt und uns die grüne Aufbruchstimmung rundherum mitreißt (Das Gras wächst zur Zeit einen Zentimeter täglich habe ich gehört), sind es eher Zeiten der Verinnerlichung. Des Nachspürens wie es war, sich durch den vergangenen Winter zu kämpfen.
Ich freue mich, auf meinen Reisen in diesen letzten Apriltagen und durch beinahe den ganzen Mai viele Freundinnen und Freunde wiederzusehen, vertraute Gesichter, neuen Menschen zu begegnen. Das wird ein wunderbarer Sommer.Die Liebe ruft. Und am Ende, wenn es wieder Herbst wird (man wird dann sagen, wo ist eigentlich dieser Sommer geblieben), gibt es Elementares. Die Maera Nike Kulturschule, deren Chefin ich die Ehre habe zu sein, veranstaltet das erstemal ein Wochenende unter diesem Begriff. Schauspieler werden Weltliteratur lesen. Ein hoffentlich aufregendes und berührendes Ereignis. Das Thema: Die Zeit wartet auf niemand. Literatur und Theater. Die beiden gehören zusammen, gehören einander, können ohne einander nicht sein und mögen voneinander nicht lassen. Bringen wir sie also zusammen, auf dass viel Neues geschieht.



19. April 2006


La Paloma und die Kirschblüten



Pünktlich über Osternacht waren alle Bäume grün und die Kirschblüte hat eingesetzt. Ein Ringeltaubenpärchen ist bei mir auf dem Dachboden eingezogen und offenbar gewillt zu bleiben. Mein Büro wird gerade von einem Rosellapapageien-Pärchen zerlegt. Wir mussten die Herrschaften kurzerhand aus der Außenvoliere entfernen. Man vertrug sich nicht mit dem zweiten Pärchen dieser Art. Nun muss überlegt werden, wo und wie sie draußen wieder ein angemessenes Quartier bekommen und das möglichst bald, bevor sie alles zernagt haben, was ihnen vor den Krummschnabel kommt.

Ich bereite mich auf die großen Lesungen in Gnas (Südoststeiermark), Wien und München vor und hoffe auf zahlreiche Hörerinnen und Hörer.



11. April 2006


Es gibt ihn doch, den Osterhasen!



Seit heute morgen weiß ich es: es gibt den Osterhasen ganz wirklich, und zwar bei uns auf dem Schlangenberg. Auf der Wiese vor meinem Haus tummeln sich drei junge Feldhasen, spielen, springen und freuen sich offenbar des Lebens. Feldhasen, nicht etwa Kaninchen. Wenn man fünf Hunde besitzt - wie wir - dann treibt es einem die Schweißperlen auf die Oberlippe. Wir wollen ja nicht den Osterhasen vertreiben. Schade, sagt mein Hund Sully. Schnauze, knurre ich. Die drei kleinen Kerlchen stieben in alle Richtungen, wenn einer meiner Wuffis auftaucht. Kurz darauf sind sie wieder da. Oh du fröhliches Landleben.


04. April 2006





Das ist doch eine große Freude: Im vergangenen Jahr haben wir am Schlangenberg die erste Schreibwerkstatt veranstaltet und damit diejenigen angesprochen, die den Sprung in die Professionaliltät der AutorInnenschaft wagen wollten. Es geht uns dabei nicht um Talentsuche, weil die Erfahrung, Talent zum Schreiben zu haben, bereits mitgebracht werden muss. Es ging - und geht in diesem Sommer wieder - darum, begabte AutorInnen schreib-handwerklich so auszurüsten, dass ein echtes Werk entstehen kann. Es waren mehrheitlich interessante Projekte dabei und zu meiner Überraschung eine Vielversprechende. Eveline Moede aus Halle hat nicht nur Talent bewiesen. Sie hat außerdem nicht nur gelenrt, was ich weiterzugeben habe. Sie hat auch Durchhaltevermögen bewiesen. Wir haben ihr Werk nun in diesem Frühjahr für den Ingeborg-Bachmann-Lesewettbewerb in Klagenfurt vorgeschlagen und werden ihren Roman im Frühjahr 2007 im Verlag Edition Schlangenberg herausbringen.

Weil es so erfolgreich, aufregend, anregend, interessant und lehrreich war, veranstalte ich in diesem Sommer wieder eine Schreibwerkstatt. Und vielleicht findet sich auch diesmal wieder ein bereits vorhandenes Talent, das sich bei mir seine handwerkliche Grundlage holt und es schafft, das Werk im Laufe des Jahres auch zu vollenden. Das kann alles Mögliche sein: Ein Roman, ein Theaterstück, ein Erlebnisbericht, eine lesbare Anleitung zur Lebenshilfe. Mit unserem kleinen Verlag bieten wir eine gute Chance für Anfänger-AutorInnen, den ersten Schritt in die Welt der Bücher zu tun.



28. März 2006


Ostern am Schlangenberg



Bei uns beginnt der Süden ! Schneeglöckchen und Schlüsselblume, Veilchen und Ehrenpreis, Lungenkraut und Huflattich - alles blüht mit einem Mal und auf einmal los. Ich sitze draußen auf der Terrasse und beobachte, wie der Flieder, der Hollunder, die Forsythien und die Weiden Blätter kriegen, wie Lilien sich aus dem Boden wagen, auch Tulpen und Narzissen.

Wie wärs mit einem Osterfest am Schlangenberg? Wir werden das größte Osterfeuer zwischen Zagreb und München-Ramersdorf haben, dazu ein archaisches Ritual aus griechischen Vorzeiten. Und außerdem und nicht etwa nebenbei nutzen wir die Zeit zum persönlichen Quantensprung. Aufbruchzeiten, das Neue umarmen !

Einzelheiten unter Aktuelles



21. März 2006





Man sollte keine Angst vor der Dunkelheit da draußen haben, sondern vor der Dunkelheit im eigenen Kopf.

Nun also doch Frühling. Wir haben den letzten magischen Salon präsentiert. Wie immer ein Spiel zwischen großer Freude und großer Herausforderung.

Nun kommt am Mittwoch die große Präsentation meines neuen Buches, wir erwarten zahlreichen Besuch.

Die Aliti-Familie vergrößert sich. Mit mir und Veda (Organisation nach innen) sind nun noch die Journalistin Sonja Still aus München, die meine Presse-Arbeit macht und Jutta Wallerich, ehemals Staatstheater München, die sich um Management und Verträge kümmern wird, mit im Boot.



25. Februar 2006





Letzte Woche lagen wir - ich schwör's! - zu Mittag draußen in den Liegestühlen in der warmen Frühlingssonne. Pulloverwetter. Nun schneit es wieder und der Winter trotzt dem Lauf der Zeit. Die Planung der Lese-Reise läuft auf vollen Touren. Und ich beschäftige mich mit dem Thema "Wachheit". Dies drängte sich auf, denn die neuen Schönfärberinnen waren auf dem Schlangenberg, um sich darauf vorzubereiten, in den Kreis aufgenommen zu werden. Und wer diesen Weg geht, bemüht sich um eben diese Wachheit.

Wachheit, geistige Wachheit ist nötig, um die Welt täglich mit neuem Blick anzuschauen. Unsere Welt ist so strukturiert, dass wir die meiste Zeit nicht darüber nachdenken müssen, wie wir von A nach B kommen, weil Züge und Busse fahren, Infra-Struktur existiert und so weiter. Da ist es zur Vermeidung geistiger Verfettung ganz gut, hin und wieder einmal die Dinge anders zu machen als immer. Die Buddhisten kennen dieses Prinzip des "Gewohnheiten brechens" auch. Tut gut und hält geschmeidig.



15. Februar 2006





Es taut und taut ! Yes!! Von Süden weht ein heftig wilder Wind und bringt zarten Duft vom Mittelmeer.

Im schönen Rottach-Egern am Tegernsee, wo ich dabei war, als eine Freundin heiratete, ging ich so mit meinem Hunde herum und fand Erstaunliches. Da gab es so ein kleines Schnickschnack-Geschäft, so Schnäpse der Region und lauter Dinge, um die man froh ist, dass man sie nicht braucht. Und außen war so eine Schiefertafel angebracht, wo wohl eigentlich die Tages-Angebote notiert werden. Da stand mit Kreide in Handschrift:
Eine fortschrittliche Frau im fortgeschrittenen Alter kann keine Macht der Welt aufhalten.
Dahinter gleich drei Rufzeichen. Ich stimme zu.



08. Februar 2006


Ein Hauch von Frühling über höheren Zielen



Darf man es glauben? Seit heute ist der böse Frost gebrochen. Die Sonne scheint ganz mild. Meinen Papageien in den Freiluftvolieren gefriert das Trinkwasser nicht mehr. Eine kleine Ahnung, dass der Frühling nicht nur ein Traum ist. Und so will ich es denn auch mit der Zukunft halten, die ja bekanntlich ein Kind der Gegenwart ist.
Während ich die höheren Ziele des Jahres nicht aus den Augen verliere, mache ich mich an die Planung dreier großer Lesereisen, mit denen ich mein neues Buch "Wer setzt sich da auf meine Flügel" vorstellen will. Folgende Städte werden von mir in den Monaten März, April und Mai besucht werden.

Schleswig
Hamburg
Stade
Gießen
Regensburg
Stuttgart
Tübingen
Schweinfurt
Augsburg
Fürth/Nürnberg
Rosenheim
München
Salzburg
Linz
Innsbruck
Graz
Stainz/Steiermark
Gleisdorf

Vielleicht habt ihr noch die eine oder andere Anregung, wo eventuell in anderen Städten eine an Lesungen interessierte Buchhandlung oder andere Insitution Lust auf eine Aliti-Lesung hat, lasst es mich wissen.



03. Februar 2006


"Entschuldigt Euch nicht!"

Ein Essay von Ibn Warraq zum Bilderstreit, erschienen im Spiegel (03.02.06)



Er wurde in pakistanischen Koran-Schulen erzogen - nun fordert der Schriftsteller Ibn Warraq in einem Essay für SPIEGEL ONLINE vom Westen: Entschuldigt Euch nicht! Der Streit um die Mohammed-Karikaturen werfe die wichtigste Frage unserer Zeit auf: nach dem Recht auf freie Meinungsäußerung.

Der große britische Philosoph John Stuart Mill (1806 - 1873) schrieb in seinem Werk "Über die Freiheit": "Es ist befremdlich, dass Menschen zugeben, wie wertvoll Argumente für eine freie Diskussion sind, sie jedoch zurückweisen, wenn sie ins Extrem getrieben werden; dabei übersehen sie, dass Gründe, die für den Extremfall nicht taugen, für keinen Fall taugen."

Die in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlichten Karikaturen werfen die wichtigste Frage unserer Zeit auf: die Frage nach der freien Meinungsäußerung. Lassen wir uns im Westen in die Enge treiben durch Druck von Gesellschaften, die einer mittelalterlichen Gesinnung anhängen? Oder sind wir bereit, unser wertvollstes Freiheitsgut zu verteidigen: die freie Meinungsäußerung, eine Errungenschaft, für die Tausende ihr Leben geopfert haben?

Ohne das Recht der freien Meinungsäußerung kann eine Demokratie nicht lange überleben - ohne die Freiheit zu diskutieren, unterschiedlicher Meinung zu sein, sogar zu beschimpfen und zu beleidigen. Es ist eine Freiheit, der die islamische Welt so bitter entbehrt, und ohne die der Islam ungefochten verharren wird in seiner dogmatischen, fanatischen, mittelalterlichen Burg; verknöchert, totalitär und intolerant. Ohne fundamentale Freiheit wird der Islam weiterhin das Denken, Menschenrechte, Individualität, Originalität und Wahrheit ersticken.

Solange wir keine Solidarität mit den dänischen Karikaturisten zeigen, unverhohlene, laute und öffentliche Solidarität, so lange werden diejenigen Kräfte die Oberhand gewinnen, die versuchen, dem freien Westen eine totalitäre Ideologie aufzuzwingen; die Islamisierung Europas hätte dann in Raten begonnen. Entschuldigt Euch also nicht!

Ich komme auf ein anderes, weiter gefasstes Problem zu sprechen: auf die Unfähigkeit des Westens sich selbst intellektuell und kulturell zu verteidigen. Seid stolz! Entschuldigt Euch nicht! Müssen wir ständig für die Sünden unserer Vorfahren um Vergebung bitten? Müssen wir uns etwa immer noch für das Britische Empire entschuldigen, angesichts der Tatsache, dass die britische Präsenz in Indien zu einer Renaissance des Subkontinents geführt hat, die darin bestand, dass der Hunger bekämpft wurde, dass Straßen, ein Eisenbahnnetz und Bewässerungssysteme gebaut wurden, dass die Cholera verschwand? Öffentliche Dienste und die Etablierung einer Schulausbildung für alle gab es vorher nicht. Die Errichtung einer parlamentarischen Demokratie, die Herrschaft des Rechts war das Beste, was die Briten zurücklassen konnten.

Oder was ist mit dem britischen Entwurf Bombays oder Kalkuttas? Die Briten haben den Indern sogar ihre eigene Vergangenheit wiedergegeben: Es war die europäische Gelehrsamkeit und Forschung, die europäische Archäologie, die die alte Größe Indiens entdeckt hat. Es war die britische Regierung, die ihr Bestes gab, um Denkmäler zu retten, die von vergangener Pracht zeugen. Der britische Imperialismus trug dort deren Erhaltung bei, wo islamischer Imperialismus Tausende Hindu-Tempel zerstörte.

Sollten wir uns vor aller Welt wirklich für Dante, Shakespeare, Goethe, Mozart, Beethoven oder Bach entschuldigen? Für Rembrandt, Vermeer, Van Gogh, Breughel, Galileo, Huygens, Kopernikus, Newton und Darwin? Für Penizillin und Computer? Für die Olympischen Spiele und für Fußball? Für Menschenrechte und die Parlamentarische Demokratie? Im Westen liegt die Quelle der Freiheitsidee. Die Idee individueller Freiheit, politischer Demokratie, des Rechtsstaats, der Menschenrechte und kultureller Freiheit.

Es war der Westen, der die Stellung der Frau verbessert, die Sklaverei bekämpft und die Gewissens-, Meinungs- und Informationsfreiheit verteidigt hat. Nein, der Westen braucht keine Belehrungen über die überlegenen Tugenden von Gesellschaften, die ihre Frauen unterdrücken, deren Klitoris beschneiden, sie steinigen für mutmaßlichen Ehebruch, die Säure in ihre Gesichter kippen, oder die denjenigen die Menschenrechte absprechen, die angeblich niedrigeren Kasten angehören.

Wie können wir von Einwanderern erwarten, dass sie sich in die westlichen Gesellschaften integrieren, wenn ihnen gleichzeitig gelehrt wird, der Westen sei dekadent, ein Born des Frevels, Quell allen Übels, rassistisch, imperialistisch und verachtenswürdig. Warum sollten sie sich - um die Worte des afro-amerikanischen Schriftstellers James Baldwin aufzugreifen - auf einem sinkenden Schiff einrichten? Doch warum wollen sie alle in den Westen - und nicht nach Saudi-Arabien?

Stattdessen sollte man ihnen erzählen von den Jahrhunderten des Kampfes, der zur Freiheit führte, den sie und alle anderen wertschätzen, genießen, und den sie sich zu Nutze machen. Von den Individuen und Gruppen, die für diese Freiheit gekämpft haben, und die verachtet wurden und heute vergessen sind, von jenen, die für die Freiheit gekämpft haben, um die uns ein Großteil der Welt beneidet, bewundert und nachzuahmen sucht. Als die chinesischen Studenten 1989 auf dem Platz des himmlischen Friedens für Demokratie demonstrierten und starben, führten sie keine Modelle von Konfuzius oder Buddha mit sich, sondern die Freiheitsstatue.

Die Meinungsfreiheit ist unser westliches Erbe. Verteidigen wir es, damit es nicht totalitären Attacken zum Opfer fällt. Es ist auch in der islamischen Welt dringend nötig. Indem wir für unsere Werte einstehen, geben wir der islamischen Welt eine wertvolle Lektion: Wir helfen ihr, indem wir ihre geschätzten Traditionen den Errungenschaften der Aufklärung zur Seite stellen.

ZUR PERSON
Ibn Warraq wurde 1946 in Indien geboren und wuchs in Pakistan auf. Erzogen wurde er in Koran- Schulen in Pakistan und später in England. Zur Zeit lebt er in den USA und veröffentlicht aus Sicherheitsgründen unter dem Pseudonym Ibn Warraq, ein Name, der im Islam traditionell von Dissidenten benutzt wird. Zuletzt hat er den Bestseller "Warum ich kein Muslim bin" veröffentlicht. Er hat zudem "Die Ursprünge des Korans" herausgebracht und "Die Frage nach dem historischen Mohammed".



31.Januar 2006





Soeben zurückgekehrt von einer langen, weiten, weit führenden und tiefgehenden Reise durch Deutschland. Ich durfte in viele Leben vieler Menschen schauen, habe mich durch die großen Theater durchgeschaut und durchgesessen, habe einige kleine Bühnen angeträumt. Schöne Theater. Schönes Theater gesehen. Und einen schweren Abschied nehmen müssen. Mein wunderbarer Lehrer, Ersatzvater, Herzensmann und unerreichtes Vorbild Carl Vogel steht vor seinem Übergang. Und dass es ihn wohl bald nicht mehr in dieser Welt geben wird, ist mir ein großer Schmerz. Mag ihn nicht gehen lassen, auch wenn es darauf wohl gar nicht ankommt. Er hat mein Leben mehr als jeder andere Mensch beeinflusst. Mein Dank und meine Liebe sind ihm bis in alle Ewigkeit gewiss.

Die sibirische Eiszeit macht uns hier am Schlangenberg sehr zu schaffen. Und das nicht nur ganz real und körperlich. Es schlägt uns langsam auch aufs Gemüt. Die Papageien in ihren Außenvolieren sind dabei tapferer als unsere Wasserpumpe im Keller, der der Frost die Halterschrauben weggesprengt hat. (Man glaubt es kaum). Und dann diese Farblosigkeit, der der zeitweilig blaue Himmel auch kein tröstlicher Buntmacher ist. Aber die Vögel haben schon Frühlingsstimmen und lassen hören. Wird schon noch kommen dieser dämliche Frühling.



18.Januar 2006





Meine Lieben !

Ich bin in der letzten Januar-Woche in Deutschland unterwegs, um landauf, landab Beratungen zu machen.

Und da werde ich auch nach Hamburg kommen ! Und weil ich doch schon so lange nicht mehr dort war - und weil ich doch eine besondere Verbindung zu Hamburg habe - dachte ich mir, dass es doch wunderbar wäre, wenn ich einige meiner treuesten Leserinnen und Leser zu einem spontanen Treffen zusammentrommeln könnte. Also, hast du Lust? Und bringst vielleicht noch ein paar Freunde mit?

Ich würde mich sehr freuen!

25. Januar um 19.30 in Hamburg, Hotel Am Dammtor, Schlüterstr. 2, 20146 (Eintritt: 15,- Euro)

Ich lese aus meinem Buch "Der Magische Salon" und erzähle von meinem neuen Buch "Wer setzt sich da auf meine Flügel", das im März bei Kösel, München erscheinen wird.



15.Januar 2006


Jedes Jahr dasselbe



Das ist schon eine eigenartige Sache mit der neuen Zeitrechnung. Früher (ist schon ein wenig länger her, ich gebs zu) begann das Jahr im April. Das heißt dann, wenn überall alles beginnt. Seit wir aber den Jahresanfang in den Januar gelegt haben, müssen wir in der Zeit, die dem Ausharren, der Geduld, dem Zusammenrücken und der Pflege des bisher Erreichten dient, den Neuanfang setzen. Pläne machen, Ziele stecken, Angestrebtes formulieren. Das ist zäh. 'Die reinste Ochsentour. Aber tapfer schieben wir an und glauben in diesem kalten Winter fest daran, dass der April uns reichlich Knospen bescheren wird. Einmal bricht der Frost und dann feiern wir !


07.Januar 2006


Das Jahr des Mondes



Jedes Jahr steht unter einem anderen Stern. 2004 war es Venus, 2005 der schnelle Merkur und im neuen 2006 ist es der Mond. Eine gute Zeit für große Emotionen und so manches Happy End. Wer mehr wissen will, was im ganz persönlichen Leben im kommenden Jahr zu erwarten ist, kann von mir einen ausführlichen Jahresausblick bekommen.

Ich bin zu folgenden Zeiten in folgenden Städten:

21. und 22. Januar in München
23. Januar in Stuttgart
25. Januar in Bielefeld
26. Januar in Hamburg
27. Januar in Kassel
28. Januar in Regensburg


und noch ein wichtiger Termin für alle, die sich schon immer ein Seminar von mir in Kärnten gewünscht hatten:

Am 13./14. Januar gibt es in Klagenfurt ein Seminar von mir zum Thema Chiron - der kreative Umgang mit Leid.
Nähere Informationen unter Begegnung/ Aktuelles.



03.Januar 2006





Was es zum vergangenen Jahr 2005 noch zu sagen gibt: Der Drops ist gelutscht.


19. Dezember 2005





Mutig zu sein, heißt nicht, furchtlos zu sein, sondern sich seiner Angst zu stellen. Wir steuern wieder auf diese eigenartige Zeit zu, deren Sog sich niemand entziehen kann: Weihnachten. Wendezeit. Eine Zeitinsel zwischen Gestern und Morgen. In diesem Jahr, das nun zuende geht, hat sich wirklich viel verändert. Manche, die ganz sicher oben waren, sind nun unten gelandet. Andere hat es nach oben katapultiert. Viele Rechnungen gingen nicht auf; andere, die sich sicher waren, zu den Verlierern zu gehören, wurden mit unerwartetem Gewinn überschüttet, Ich habe - was mein Leben angeht - so eine Art stiller Revolution erlebt. Und muss Dank sagen. An alle Himmelsmächte, an viele Menschen. Lebenslehrer ohne Zahl. Freundinnen und Freunde.

Die Tür ins neue Jahr, in die neue Zeit ist nun schon einen Spalt weit offen, man kann noch nicht wirklich etwas erkennen, aber erahnen und spüren. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, allen Fans, allen Freundinnen und Freunden, Weggefährten beiderlei Geschlechts ein Weihnachtsfest, welches das Wunder herbeizaubert, dieses unglaubliche Gefühl von Festlichkeit und Besonderheit, das man nicht machen kann, sondern immer nur geschenkt bekommt.



11. Dezember 2005





Die Dinge sind schwer oder leicht. Und das zur selben Zeit. War es nun eine leichte oder eine schwere Zeit, die dem letzten magischen Salon voranging? Es waren wieder nur ein paar Tage. Und in diesen paar Tagen, genau dieselbe Zeitspanne wie sie für die Erarbeitung der anderen magischen Salons benötigt wurde, drehte sich die Welt, ging unter, erstand neu und zeigte sich als gelungene Schöpfung am Abend der Premiere.

An diesem Abend war die Freude groß. Ebenso am Abend der zweiten Vorstellung. Aber war es nun eine Zeit, die Zuversicht hervorbrachte oder Hoffnungslosigkeit? Überwog der Schmerz oder doch das Lachen?

„Die Homöostase meines Planeten ist Schwerstarbeit. Ich wanke zwischen den Extremen, fordere ständig meine Stabilität heraus. Ständig laufe ich Gefahr, mich zu zerstören“ schreibt Jeannette Winterson. Und weiter:“ Einatmen. Ausatmen. Sauerstoff ist karzinogen und befristet unser Leben. Es wäre jedoch unklug, sein Leben verlängern zu wollen, indem man nicht atmete.

Aber wer von uns tut das nicht? Entweder verharren wir in anaerober Dumpfheit, zu zaghaft, um riskante Schönheit in unsere Lungen dringen zu lassen, oder wir speien Feuer wie Drachen und zerstören die Welt, die wir lieben…..Dies sind die Geschichten, die wir einander erzählen, damit wir selbst wahr werden.“



10. Dezember 2005





Man muß nie verzweifeln, wenn etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muss, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muss sich selber leben und an das ganze Leben denken, an all seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte, denen gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt.

Rainer Maria Rilke



22. November 2005


Stürze im Stehen



Das Thema des nächsten magischen Salons, welcher im übrigen am 9. Dezember am Stadttheater Fürth Premiere hat, ist ein altes und immer wieder neues. Ein ewiges halt. Das Loslassen und die sich immer wieder vollziehende Wandlung. Stürzen, aufstehen, weitergehen. Gerade noch war ich die strahlende Ausdehnung, großes Leuchten und im nächsten Augenblick (bin ich des Pfandes Pfand, des Räubers Raub, des Todes Splitter, Tand und Staub, der Zeugung Urgewitter?) kommt die große kosmische Lebensbremse. Je sehnlicher die Ausdehnung umso kälter erscheint einem die Einschränkung. Und wieder setzt sich jemand auf meine Flügel (erscheint im März bei Kösel!). Zeit, nach innen zu gehen.

Auf dem Schlangenberg ist alles im weißhäuptigen Rauhreif erstarrt. Schön, aber kalt. Göttin sei Dank nur eine Landschaft. Wär's ein Mensch müsst man's meiden.



14. November 2005


Auf Leben und Tod



ich weiß nicht, wie oft ich um das Leben meines Ziegenbocks Hänsel in den letzten elf Jahren gekämpft habe. Auch in diesem Herbst ließ er es drauf ankommen. Er ist ein Riesenlackel, Schulterhöhe fast 1,20 m. Wer meine Ziegen nicht kennt, weiß nicht, wie riesig Ziegen sein können. (Letzten Sommer erklärte ein am Schlangenberg vorbeiwandernder Familienvorstand seinen hinter ihm hertrabendenden Kindern und der Gattin: Schaut, ein Lama). Jahr für Jahr passiert es. Wir sind wachsam wie die Haftlmacher. Aber es nützt nichts. Irgendwo auf dem Gelände liegt der eine große harte Apfel bereit, um von Hänsel als besonderer Leckerbissen entdeckt zu werden. Gierig schlingt er ihn hinunter, kaut nicht richtig. Das Teil bleibt im Schlund stecken. Hänsel droht zu ersticken. Ihr werdet nachfühlen können, wie kräfteraubend und angstvoll panisch der Kampf um einen Erstickenden ist. Langsam weiß ich, welche Notgriffe ihn notatmen lassen, bis der Tierarzt eintrifft, die heuer alle zu einer Tagung in Wien waren. Endlich hatten wir einen, aber dann rächt es sich, so abgelegen zu wohnen. Zeit wird endlos. Endlich war er da. Um es kurz zu machen,auch diesmal konnte Hänsel gerettet werden. Und im nachhinein hätte ich ihn wie eine echte jiddische Mame ohrfeigen können. (Hänsel, nicht den Tierarzt).

Eine gute Freundin von uns kämpft gerade auf ihrem Gebiet einen sozialen und seelischen Kampf auf Leben und Tod, ein bitteres Erwachen nach langen Jahren Wegschauen. Meiner ältesten Tochter geht es nicht anders. Das Leben will es so von Zeit zu Zeit. Und ich, die ich zur Zeit durch ruhige, naja einigermaßen ruhige Gewässer schippere, bereite mich auf zwei wichtige Ereignisse vor, die beide mit diesem ewigen "auf Leben und Tod" zu tun haben. Da ist einmal meine nächste Premiere mit dem Magischen Salon in Fürth mit meiner Freundin und Kollegin Jutta Czurda, die zur Zeit noch durch New York hirscht, um ihren Kurt-Weill-Abend in Amerika zu präsentieren.

Der auf den ersten Blick unverdächtige Titel "so dumm und Gomorrah" lässt nichts Schwerwiegendes vermuten. Weit gefehlt! Wie immer freue ich mich, mein Publikum, meine Leserinnen und Leser erfolgreich und hoffentlich wieder amüsant und berührend zu enttäuschen. Es geht um Leben und Tod. Um Loslassen und andere Quantensprünge. Ebenso folgenreich wird hoffentlich mein diesjähriges Seminar zwischen den Jahren. Nun schon im vierten Jahr lade ich zu einer Exkursion ins Jenseits und seinen aufregenden Wegen, die wir zwar alle als Sterben und Tod fürchten, die aber wahrscheinlich das Interessanteste sind, was das Leben zu bieten hat. Die Geheimnisse des 12. Hauses. Am Ende des Seminars steht eine fulminante Silvesterfeier mit Orakeln, gutem Essen, exzellenten Weinen und Tanz bis in die Atemlosigkeit und den frühen Neujahrsmorgen.



05. November 2005


Tragweite



wunderliches Wort? Angstbesetztes Wort. Die meisten Leute wollen die Tragweite ihres Handelns gar nicht wissen. Weil sie offenbar davon ausgehen, dass sie im Grunde von vornherein Mist bauen. Was dann zum Vorschein kommt, wenn die Tragweite erkennbar wird. In der Wellenlehre ist damit gemeint, wie weit das Licht sich ausbreitet.

In diesen Tagen zeigt sich kollektiv die Tragweite so manchen Handelns und Nichthandelns. Das ist weder gut noch schlecht. Es ist. Manches schmerzt, anderes überrascht und die Zuversicht empfiehlt sich diskret durch die Hintertür. Wir leben in Zeiten, gesellschaftlich wie persönlich privat, in denen die Furcht vor Taten, Handlungen, Entscheidungen und letztlich Perspektiven und Visionen immens ist. Wie ein Kind, das einen Schatz in einem Baumloch entdeckt hat, das seine kleine Hand hineingestreckt und den Schatz gegriffen hat, um dann festzustellen, dass es ihn nicht herausbekommt, weil die Faust nicht durch das Baumloch passt, verharren wir. Es geht nicht vorwärts, nicht rückwärts. Als ob das keine Tragweite hätte. Die Tragweite von Garnichts. Das trägt nicht weit. Und wie weit trägt jemand Verantwortung. Und wohin wird sie getragen, die Verantwortung, wenn sie dann endlich mal jemand trägt.

Ich trage mich mit dem Gedanken, mich der Tragweite meines Handelns zu stellen. Ich meine damit mein gelebtes Jahr 2005. Wunderbares Jahr war das. Erstaunliches Jahr. Ich habe gar nicht gewusst, dass es so viele Schatten gibt, über die man springen kann. Ich kann das nur empfehlen. Und jetzt, so habe ich den Eindruck, geht es um die Tragweite dieser Schattensprünge. Meine Familie rückt wieder näher zusammen. Der Clan meiner Freundinnen und Schönfärberinnen ist mir ein fröhliches Netz. Die Liebe ist noch immer da, ist größer denn je und schickt mich durch mehr Höhen als Tiefen. Und meine Arbeit entfaltet sich wie der bunteste Schmetterling überhaupt. Aber es gab auch Verluste und Verlassenheit. Begegnungen mit den erstaunlichsten Vollidioten beiderlei Geschlechts. Mein alter Freund Schmerz immer mal wieder mit dabei. Mein guter Lehrer Angst hat ebenso beste Arbeit geleistet. Und ich hoffe, ich war ihm eine gute Schülerin.

Wohin mich das trägt, wird man sehen. Ich finde, es sieht ganz gut aus.



20. Oktober 2005


Furien spielen Schicksal

Neuer Magischer Salon mit Aliti und Czurda



Besteht das Leben nicht aus dem ewigen Prinzip des Sterbens und neu Werdens? Die beiden Lebens-Künstlerinnen Jutta Czurda und Angelika Aliti sehen das so.

Und weil sie wissen, dass in einem Salon nicht nur ästhetischer und unblutiger gestorben wird, sondern dass dort, in den klassischen Literatur-Salons des letzten Jahrhunderts, reife Frauen wie sie einstmals das Regiment führten, Frauen voller Eleganz, Eloquenz und Erfahrung, laden die Damen immer wieder in ihren "Magischen Salon" im Stadttheater.

Lange musste die Fan-Gemeinde ausharren. Ohne die Salons fehlt der Stadt etwas. Und zwar das unbenennbare Etwas, auf das es ankommt, das alle im Grunde suchen. Nun konnte er wieder betreten werden, der Schutzraum, die sichere Burg, die das Nachtschwärmer-Foyer bietet. Wie die Werke moderner Architektinnen, die den Mutterleib aus Stoff und Decken nachbilden und höhlengleich geformt sind, kommt es daher. Endlich wieder daheim.

Tür zum Glück

Aliti und Czurda, die in den letzten Salons schon furiose Furien, grandiose Liebende und augenzwinkernde Männer-Retterinnen auf der Suche nach echten Helden waren, fahnden diesmal schlicht nach dem Sinn des Lebens. Was für eine Aufgabe. Für Schicksalsgöttinnen allerdings eine leichte Übung. Für sie geht die "Tür zum Glück nach außen auf", wie der Programmtitel verheißt.

Prompt machen sich die beiden Freundinnen über die Akte eines Mannes her, dessen Leben dringender Veränderungen bedarf. Ein typischer Fall: Erfolg, einen tollen Job, genug Geld, eine nette Familie und sympathische Freunde hat er. Was fehlt, ist das innere Feuer, das die Leere in seiner Mitte füllt, die Magie. Oder sollen sie den Kerl etwa am Sofa vor dem Fernseher mit der Gattin versauern lassen? Nein, das kommt nicht in Frage für zwei starke Frauen, die so intensiv leben. Also treten sie den Job als Schicksalsgöttinnen an und greifen ein.

Der Glückliche erhält eine attraktive, junge Geliebte. Aber was auf den ersten Blick wie das schönste Geschenk wirken mag, erweist sich bald als trojanisches Pferd: Wie soll der Ärmste sich nun entscheiden, umgeben von zwei wütenden, enttäuschten Frauen? Die Göttinnen gewähren Gnade und befreien ihn aus der Zwickmühle.

Leichtsinn des Herzens

Auf ihre eigene Weise, voller Weisheit und Visionen. Den Ausweg bietet der Leichtsinn, die Leichtigkeit des Herzens, die innere Freiheit im besten Sinn, das Prinzip, das schon Hesses "Steppenwolf" rettete, nur aus dem gegenteiligen Dilemma. Wer von kosmischem Lachen erfasst wird, kann ohne Furcht in den Abgrund blicken.

Mit solchen Göttinnen kann eben nichts schief gehen. Begleitet von Norbert Nagel am Saxofon, der dem unsichtbaren "Fall Mann" eine Stimme verleiht, plaudern die beiden Aktricen, rezitieren Alitis grandiose Texte, kreieren ihre hypnotische Mischung aus Schauspiel, Lesung, Kognak-Trinkerei und symbolischer Kartenlegerei.

Hinterher weiß man: Das Leben ist ein Geschenk und Angst lohnt sich nicht. Oder, wie Aliti geschrieben hat: "Die für den Einlass Suchenden bestimmte Tür öffnet sich eben dadurch, dass sie in dessen Todesmoment verschlossen wird." Manchmal öffnen sich Geheimtüren eben doch. Einen reichen Abend lang.

Der nächste Termin des Magischen Salons fällt in die Vorweihnachtszeit. Da heißt es am 9. und 10. Dezember "So dumm und Gomorrah".

CLAUDIA SCHULLER © FÜRTHER NACHRICHTEN



24. September 2005


Der Wind weht wo er will



Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie viele Jahrhunderte Aufbau von gesellschaftlichen Strukturen es braucht, bis man dort angelangt ist, dass Busse pünktlich fahren und Medizin für Krankheiten bereitsteht. Darauf hat mich jemand gebracht, der aus Afrika stammt, und mit dem ich ein Gespräch über die Schwierigkeiten, ein afrikanisches Land zu regieren, führte. Er war sehr traurig darüber, dass es in seiner Heimat noch ein weiter Weg bis dorthin sein wird. Und ich war verblüfft, für wie selbstverständlich ich so viele Dinge unseres Alltags halte.

Ich bin zurück von einer Reise nach Deutschland und beladen mit Gedanken und Empfindungen darüber, was nach den Wahlen bei unserem Nachbarn los ist. Jemand sollte ein Heim für schwer erziehbare Politiker aufmachen.

Währenddessen summe und brumme ich durch meine bunte Welt des Theaters und denke mir, da weiß man einfach, dass alle nur so tun als ob. Dann kommt die nächste Premiere und alles andere, das bis dahin unendlich wichtig war, ist vorbei, verweht und vergessen.

Zum Glück geht die Tür nach außen auf. Dies ist der Titel des Magischen Salons, der am 14. Oktober in Fürth Premiere hat. Zum Glück ist das so. Die Tür geht nach außen auf, ins beglückend Unbekannte und Neue. Die Flügel ausgebreitet und losgeflogen. So schwer ist das gar nicht.



17. September 2005


Big moments



Nun ist "Der Magische Salon" auch in Buchform in der Welt. Eine feine, eine schöne Präsentation, gelungen und perfekt. Frau LH Waltraud Klasnic war mein besonderer Gast. Ganz allein und ohne ihren Sicherheitstross kam sie und setzte sich unter meine Zuhörerinnen und Zuhörer. Ich kann's nur wiederholen: eine bemerkenswerte Frau.

Heute Abend lese ich im Dachboden-Theater in Stainz. Vor zwei Jahren haben meine Tochter Veda und ich dort gesponnen, d.h. Veda verspann Wolle am Spinnrad und ich erzählte Geschichten von den dreizehn Feen und wie Frau Holle einmal Gold zu Stroh versponnen hatte, weil sie vom Gold zwar hatte, das Stroh für ihre himmlischen Schafe ihr jedoch ausgegangen war. Heute Abend geht es um Männer, Frauen und den Tod. Also um das Wesentliche.
Für alle, die in der Umgebung von Regensburg zu Hause sind: Dort lese ich am 06. Oktober. (näheres unter Begegnungen)

Die Sonne hat unseren Trauben noch ein wenig mehr Süße geschenkt, nach diesem düsteren Regensommer auch dringend benötigt. So können auch sie demnächst gelesen werden. Unser Wein, unser Essig für die Blütenessenzen und unser Tresterschnaps sind also gesichert.



13. September 2005


Denk mal !!



Heute bitte ich euch, dies wörtlich zu nehmen. Wie ganz Österreich weiß, haben wir in der Steiermark Landtagswahlen. Wie ganz Österreich weiß, tut sich Dramatisches. Alles scheint zum Hallali auf Waltraud Klasnic zu blasen. Alles redet davon, dass es einen Farbenwechsel in der Regierung gibt. Die Mittel, zu denen die Medien greifen, um das Spiel in diese Richtung voranzutreiben, sind verblüffend durchsichtig, manchmal sogar süffisant bösartig. Und für mich nicht nachzuvollziehen.

Ich bin wahrlich keine Konservative. Aber ich schaue mir an, was da passiert und weiß: wenn diese Frau nicht mehr politische Chefin dieses Landes ist, dann gehen wir keinen guten Zeiten entgegen. Ich durfte sie kennenlernen, durfte Gespräche, auch sehr persönliche, mit ihr führen und weiß: sie ist warmherzig; sie hat einen messerscharfen Verstand; sie kann kämpfen; sie kann viel einstecken; sie ist immer noch voller Verständnis, wo ich längst zu brachialen Mitteln gegriffen hätte. Und alle Gestalten, die an ihrer Stelle den Platz der Macht in der Steiermark beanspruchen, sind dem im Gegensatz zu ihr nicht gewachsen. Aus welchen Gründen auch immer. Nicht genug Profil, sagen wir mal. Nicht genug Substanz. Man muss doch nur hinschauen. Und den Verstand benutzen.

Ich bin eine, die um Förderung angesucht hat und sie nicht bekommen hat. Als wir mit der Maera Nike Kulturschule ein gutes Programm vorgestellt haben, mit dem wir Kultur und Arbeitsplätze in die ehemals schwache Infrastruktur der Südost-Steiermark bringen wollten, haben wir in dieser Hinsicht keinen Erfolg gehabt. Waltraud Klasnic ließ mich wissen, dass sie mein Konzept gut findet, aber kein Geld bereitstellen kann, weil keines da ist.. Als ich mich um die Intendanz des Schauspielhauses Graz beworben habe, hat sie mich wohlwollend angehört, aber mich des Weges verwiesen, den alle Bewerber zu gehen hatten. Niemand kann also sagen, dass ich von ihr jemals wo profitiert habe. Und bitte euch dennoch: wählt diese Frau. Ich werde es jedenfalls tun, denn so, wie da zur Zeit Medien und politische Konkurrenten mit ihr versuchen Schlitten zu fahren, ist ungustiös. Nicht anständig. Das hat sie wahrlich nicht verdient.

Am Donnerstag, den 15. September präsentiere ich nach Jahren des schriftstellerischen Schweigens mein neues Buch "Der Magische Salon" im Restaurant Laufke, ab 16.30. Ich freue mich sehr, dass Frau Landeshauptmann Klasnic meiner Einladung folgen wird und als special guest dabei sein wird. Wenn ihr sowohl daran teilnehmen wollt, mein neues Buch aus der Taufe zu heben wie auch, Waltraud Klasnic zu begegnen, um euch selbst ein Bild von ihr und ihrem Charisma zu machen, würde ich mich freuen, euch begrüßen zu dürfen.



27. August 2005


Prinzip Vollgas



Die Zeit, in der normalerweise Sommer ist, geht ihrem Ende zu. Das Obst wird süss, der Wein nur sauer. Zuwenig Sonne, zuviel Regen. Wir hatten viel Besuch am Schlangenberg, schöne Veranstaltungen, interessante Menschen. Viele Begegnungen von herzerfrischend bis dramatisch. Nun bereite ich mich schon auf den neuen Magischen Salon vor (Premiere im Oktober !). Auch schreibe ich an mehreren Stücken, die alle im Laufe der nächsten zwei Jahre auf die Bühnen kommen. Bis zur nächsten Schlangenberg-Veranstaltung in den Raunächten (27.12.05 - 1.1.06) geht es nur noch um Theaterscheinwerfer und herrscht das Prinzip Vollgas.



20. August 2005


Riesenspaß



Der Schlangenberg ist ja ganz offiziell ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb. Und so haben wir die Lizenz zum Schnapsbrennen. Das haben wir nun, in diesem herbstähnlichen Sommer von Herzen ausgenutzt und haben den Chef der Fürther Schilderwach samt seinen Männern zum Schnapsbrennen auf den Schlangenberg eingeladen. Es war eine Riesenhetz wie man hier sagt, ein Riesenspaß und mehr. Und haben stolze Produkte hergestellt: einen wunderbar weichen, blumig aromatischen Grappa, der gleich "Grappa Cuore"genannt wurde, dazu ein Zwetschgenwasser, das wir mit "Diva" etikettiert haben und zuletzt noch die Mischung aus Zwetschgen- und Apfelbrand, die nun als "Due Donne" in der Welt ist.

Daneben arbeiten wir hier am Schlangenberg natürlich noch etwas Richtiges. Während die Theater alle in ihre wohlverdienten Ferien gestartet sind, machen wir hier ein Riesentheater mit dem Sommer und begeben uns in die Selbsterkenntnis. Jeder, die bereits mit meiner Hilfe sich selbst begegnet ist, hat eine neue Freundin gewonnen, nämlich sich selbst. Die, die noch kommen werden, werden auf dieselbe Weise beschenkt. Nicht wenige Theaterprojekte, die in den kommenden drei Jahren auf die Bühne kommen werden, werden gerade konzeptioniert.

Den neuen Magischen Salons des kommenden Herbstes arbeiten wir entgegen. Das Flügelbuch fliegt in seine Vollendung. Ich nehme an, dass meine Lektorin bei Kösel, Dagmar Olzog, darüber noch froher ist als ich.



03. Juli 2005


Neuer Blick in die Welt



Die Frauen der ersten Woche der Selbsterkenntnis sind abgereist. Viele haben einen neuen Blick auf die Welt riskiert und jetzt mehr Möglichkeiten, sich selbst zu begegnen. Ich habe schon mit den Texten arbeiten können, die ab kommendes Frühjahr in meinem neuen Buch zu finden sind. Es gab eine Menge Aha-Erlebnisse. Und wie jedes Jahr war der Pool die wichtigste Ressource, denn es war sehr heiß. Wir geben ja immer vom Rosarium hinein, stets die Nummer vier, die bringt exessives Glücklichsein.
Jetzt sehe ich der Schreibwerkstatt entgegen, ein ganz neues, ganz ungewohntes Ereignis. Ich freue mich schon auf die zukünftigen Schreib-Profis. Und dann, in der zweiten Juli-Hälfte geht es wieder um den Spruch, der vor dem Heiligtum in Delphi zu lesen war: Erkenne dich selbst und handle danach! Für diese Veranstaltung sind noch drei Plätze frei. Kurzentschlossene haben also noch eine Chance auf Durchblick und Weitblick und Überblick und Anblick.



14. Juni 2005


Freunde auf Reisen



Ich freue mich, alle Leserinnen und Leser, Freundinnen und Freunde davon zu unterrichten, dass die mir sehr nahestehende Mozartband sich in diesem Sommer auf eine kleine, aber feine Clubtour durch Österreich und Deutschland begibt. Ich kann euch allen die Musik dieser Leute wärmstens ans Herz legen. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, so schaut unter "Aktuelles" nach. Ganz Neugierige und Gründliche linken sich gleich auf deren website www.mozartband.com ein.
Geht hin, schaut es euch an, versinkt in dieses gewaltige Musikerlebnis !



09. Juni 2005


Der Schlangenberg mausert sich



Jetzt haben wir es also getan; haben etwas gewagt und einen kleinen Verlag gegründet: Edition Schlangenberg. Manchmal finden sich die Dinge auf ganz leichte Weise. Und so wird im September unser erstes Buch herausgegeben werden, das mit Unterstützung und in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Fürth erscheinen wird. Es sind die Texte aus den ersten Magischen Salons und dazu wird außerdem erzählt, wie alles entstanden ist, wie es dann wurde und was man alles erlebt, wenn drei sich zusammentun, um Arbeit und Riesenspaß so zu verbinden, dass ein großer Erfolg dabei herauskommt.
"Der Magische Salon" wird 19,80 kosten und viele Fotos von den Aufführungen enthalten.

Im Frühjahr erscheint das zweite Buch, das sich mit den Blütenessenzen vom Schlangenberg befassen wird. Die zweiten Magischen Salons, die ab Herbst im Stadttheater Fürth zu sehen sind, werden Gegenstand des dritten Buches sein. Und natürlich ist die Edition Schlangenberg nicht nur den Texten von mir vorbehalten. Wir möchten Bücher machen, die wir selber gern lesen möchten; schön gestaltet und ganz besonders.



17. Mai 2005





Ich sitze auf meinem Schlangenberg und schaue weit ins Land und versuche zu akzeptieren, dass es sinnlos ist, herumzurennen und dieses zu regeln und jenes zu erreichen. Ich bin der geworfene Stein, der klar seine Bahn zieht. Also richte ich meine Kraft lieber darauf, eine besonders schöne Bahn zu ziehen, um dem unbekannten kosmischen Werfer alle Ehre zu machen und die bevorstehende Landung möglichst elegant hinzulegen.
Die Tage kommen und gehen, das Gras wächst (manche können das ja sogar hören !), und ich schreibe an dem neuen Buch, das bei Kösel erscheinen wird.
Ich habe außerdem beschlossen, dass es die Texte aus den vergangenen drei Magischen Salons als Buch geben wird. So erscheint auf vielfachen Wunsch noch in diesem Herbst ein Werk über das Entstehen des Magischen Salons und alle wunderbaren Texte werden darin enthalten sein. Für besonders hartnäckige Fans wird es die Gelegenheit geben, ein Subskriptions-Exemplar zu erhalten. Unsere Schlangenberg-Essenzen gehen ihrer großen Präsenz entgegen und ich freue mich auf einen wunderbaren Sommer mit vielen Gästen hier auf dem Hügel, wo man zu manchen Zeiten die Feen tanzen sieht.



09. Mai 2005





Jutta Czurda und ich hatten gestern die letzte Vorstellung mit "Flieg Furie flieg" und dabei ein Publikum wie aus der Wunschkiste. So ein schöner Abschied. Aber im Herbst gibt es drei neue Salons mit drei neuen Themen. Für alles, was war und ist und wird, will ich heute einen Text von Rainer Maria Rilke in die Welt schicken, den er im April 1904 aus Rom an Friedrich Westhoff geschrieben hat:

"Man muss nie verzweifeln, wenn etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muß, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muß in sich selber leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte, denen gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt."

In manchen Zeiten können wir diese Worte gar nicht glauben. Zu anderen Zeiten handeln wir danach und lassen los, auch wenn uns die Einsicht darin fehlt. Und dann auf einmal werden wir beschenkt und dürfen begreifen, dass wir keines dieser Geschenke hätten auch nur wahrnehmen können, wenn wir nicht vorher im Vertrauen auf Rilkes Worte gehandelt hätten.



03. Mai 2005


Fabel und Eros



Über Hans Zimmermann, einen genialen Altsprachler kam Klingsohrs Märchen von Fabel und Eros, geschrieben von Novalis zu mir. Hier ein kleiner Text daraus:


Der Flachs ist versponnen. Das Leblose ist wieder entseelt. Das Lebendige wird regieren, und das Leblose bilden und ge-brauchen. Das Innere wird offenbart, und das Äußere verborgen. Der Vorhang wird sich bald heben, und das Schauspiel seinen Anfang nehmen. Noch einmal bitte ich, dann spinne ich Tage der Ewigkeit. - Glückliches Kind, sagte der gerührte Monarch, du bist unsre Befreyerin. - Ich bin nichts als Sophiens Pathe, sagte die Kleine. Erlaube, daß Turmalin, der Blumengärtner, und Gold mich begleiten. Die Asche meiner Pflegemutter muß ich sammeln, und der alte Träger muß wieder aufstehn, daß die Erde wieder schwebe und nicht auf dem Chaos liege.



20. April 2005


Quantensprung - Airlines



Nun hat sie also einen gewaltigen Sprung gemacht, die Natur. Alles grün. Jetzt startet "the big spring thing". Nur die Sache mit der Sonne klappt allerorten noch nicht so richtig. Gibt viel zu tun. Ich sitze in einer Maschine der Quantensprung-Airlines und genieße den Flug. Wir sind noch nicht über den Wolken.
Das Leben ist ein lila Hut habe ich für einen der Salon-Abende geschrieben. Manchmal ist es auch eine rechte Schinderei. Hab ich auch schon einmal geschrieben. Beides zusammengenommen hebt sich wieder auf. Und das ist doch beruhigend.



15. April 2005


Kirschblüte



Eine der schönsten Gedichtzeilen, die ich kenne, stammt von Pablo Neruda:

Ich will mit dir machen, was der Frühling mit dem Kirschbaum macht.

Es ist noch nicht so lange her, da habe ich diese Zeile jemandem geschenkt. Dann kam ein langer, langer Winter, ihr erinnert euch? Und seit gestern blühen die Kirschbäume auf dem Schlangenberg. Seit heute haben sich die Birnbäume angeschlossen. Apfel und Zwetschge sind kurz davor.



11. April 2005


Ma guarda e passa





"Wer hier eintritt, lasse alle Hoffnung fahren" ist der Satz, den wir mit Dantes Weg durch die Unterwelt verbinden. Das soll sagen, dass eine größere Macht am Wirken ist, die unserem Handeln nicht nur Grenzen setzt, sondern dafür sorgt, dass unser Leben Wendungen, Veränderungen und Richtungsänderungen unterworfen ist, die wir nicht selbst bestimmen können. Wir haben in Wahrheit keine Kontrolle über das Geschehen. Zu keinem Zeitpunkt. Während Jutta Czurda und ich die Freude hatten, vor ausverkauftem Haus aufzutreten, stockte auf der Hauptbühne des Stadttheaters Fürth alles Leben. Die junge Darstellerin erkrankte in der Nacht der Generalprobe und so kommt das Stück "Baumeister Solness" nicht zur Premiere, nicht zur Aufführung. Alles umsonst. Viel Verlust an Hoffnungen, Erwartungen, Lebensplänen, Geld, Ansehen und andere Folgen. Was bleibt, ist eine leere Bühne. Das ist sehr traurig. Aber ein viel wichtigerer Satz ist der, den Vergil, welcher Dante als Verbündeter durch die Hölle begleitete, sagte: Ma guarda e passa. Schau hin und geh weiter. Unterwerfen wir uns, indem wir hinschauen und weitergehen. Es kommt immer Besseres, Größeres, Wunderbares nach, für das wir mit unserem Gang durch die Unterwelt vorbereitet werden. Solange Dante den Weg durch die Unterwelt noch nicht angetreten hat, ist er nicht fähig, dem Wunderbaren entgegen zu treten.
Und dieses Wunderbare lebt von der Zauberformel "1: 1 Million". Diese Formel der Wahrscheinlichkeit stammt aus Terry Pratchetts Buch "Wachen! Wachen!". Was immer man auch plant, welcher Aufgabe auch immer man sich verschreibt - erst wenn die Wahrscheinlichkeit eins zu einer Million beträgt, kann es klappen. Bei eins zu 999725 beispielsweise geht es mit Sicherheit schief. Man muss also diesen Punkt erwischen, wo die Dinge eins zu einer Million stehen und dann kann es gelingen, das Großartige, Wunderbare. (Was man aber auch auszuhalten gelernt haben muss). Beim Bogenschießen ist dies der magische Augenblick, wenn der Pfeil wünscht, losgelassen zu werden, um sein Ziel mit spielerischer Leichtigkeit zu finden.
In diesen Tagen bin ich der Pfeil, der sich darauf vorbereitet, losgelassen zu werden.



07. April 2005


Das Befiedern der Seele



Man mag das Alte in Dankbarkeit verabschieden, man mag das Neue in Aufregung umarmen. Das ist - immerhin - endlich keine gestohlene Zeit mehr. Aber das ist nur das Ende vom Anfang, denn es geht darum, die Seele zu befiedern, auf dass sie fliegen möge. Das ist eine groszlig;e Sache, für die es viel Mut und Zeit braucht. O kronos den perimenei kanenan (Die Zeit wartet auf niemand). Die Verheißung des Anfangs, der Zauber, der nur diesem innewohnt, weicht und die Wirklichkeit nimmt sich den Raum. Ihr muss man standhalten und darf doch nicht vergessen, worum es geht.



28. März 2005


Beginne jetzt!



In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer
Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch.
Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären,
geschehen, um einem zu helfen.
Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt
durch diese Entscheidung,
und er sorgt zu den eigenen Gunsten
für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle,
Begegnungen und materiellen Hilfen,
die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte.
Was immer du kannst und dir vorstellst, dass du es kannst,
beginne es.
Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie in sich.
Beginne jetzt.


(Johann Wolfgang von Goethe)



27. März 2005


Nicht nur das Feuer


An diesem Ostersonntag, überall noch der Holzrauch von den Osterfeuern in der Luft, möchte ich dieses Gedicht von Pablo Neruda mit meinen Lesern teilen:


Ach, doch, ich erinnere mich,
ach, deine geschlossenen Augen,
wie innen von schwarzem Licht erfüllt,
dein ganzer Körper wie eine offene Hand,
wie eine weiße Traube vom Mond,
und die Verzückung,
wenn uns ein Blitzstrahl tötet,
wenn ein Dolch uns an den Wurzeln verletzt
und ein Licht uns das Haar durchbricht,
und wenn wir
von neuem gehen
zurück zum Leben,
als entstiegen wir dem Ozean,
als kämen wir vom Schiffbruch
verwundet heim
zwischen den Steinen und roten Algen.


Aber es gibt andere Erinnerungen,
nicht nur Blüten der Feuersbrunst,
sondern kleine Knospen,
die plötzlich erscheinen,
wenn ich in Zügen fahre
oder durch Straßen gehe.



Nicht nur Neruda will ich euch ans Herz legen. Auch Horvath. Es war ein wunderbarer Theaterabend. Sehr interessante Inszenierung. Großartige Schauspieler. Glaube, Liebe, Hoffnung. Aktueller denn je.



23. März 2005


Das Neue umarmen!


Als ich vor zehn Tagen nach Halle fuhr, lag hoher Schnee auf dem Schlangenberg. Zurückgekehrt brummt der Frühling mit voller Kraft. Dazwischen habe ich im Opernhaus Halle eine Lesung gemacht, habe die Schönfärberinnen unterrichtet, bin anschließend in einer Zeitfalte verschwunden und in Fürth wieder aufgetaucht. Bin überraschend und unerwartet durch die Hölle geschickt worden. Und wieder aufgetaucht. Habe in Fürth am Stadttheater zusammen mit Jutta Czurda zweimal noch Gäste im Magischen Salon empfangen, ausverkauft und viel Applaus. Bin tief bewegt, was es alles gibt. Und nun erzählt mir der Frühling, dass das alles Vergangenheit ist. Vorbei, vorbei.
Es wird Zeit, das Neue zu umarmen. Sich dem Leben zu öffnen. Sich täglich einmal zu sagen: "Das Leben liebt dich".
Wenn Sie sich etwas Neues wünschen, seien Sie offen dafür, dass es aus einer beliebigen Richtung, durch einen beliebigen Menschen, an einer beliebigen Stelle in Ihr Leben treten kann. Einige Menschen empfinden eine Art Verwundbarkeit oder Angst bei dem Gedanken, dass neue Menschen oder Dinge in Ihr Leben treten könnten. Aber das macht nichts. Alles, was Ihnen widerfährt, geschieht, um Ihnen zu helfen, sich auf eine höhere Ebene Ihres Bewusstseins zu begeben. Seien Sie offen für Überraschungen und Neues in Ihrem Leben. Lassen Sie das Alte los. Es ist vorbei, vorbei.

Wir werden am Ostersamstag auf dem Schlangenberg ein Osterfeuer haben. Und wir werden uns vorher im Schauspielhaus Graz "Glaube, Liebe, Hoffnung" von Ödön von Horvath anschauen. Ins Osterfeuer kommt, was vorbei ist. Im Schauspielhaus werde ich das Neue umarmen.

Ich wünsche allen schöne Ostern und viel Neues !

Angelika Aliti

PS: Wenn Sie wissen wollen, wie das geht mit dem kreativen Umgang von Leid und auf welche Weise wir es schaffen, das Neue zu umarmen, so melden Sie sich doch zu meinem nächsten Seminar an. Es findet am 2. und 3. April in Fürth statt. Näheres unter: Begegnungen oder Aktuelles.



1. März 2005


Kosmisch oder komisch?


Zur Zeit hilft nur noch eines: das kosmische Gelächter. In drei Wochen ist Ostern und auf irgend eine seltsame Weise finde ich mich in Klein-Sibirien wieder, zu der meine klimatisch liebliche Südost-Steiermark mutiert ist. Hat wer den großen kosmischen Außen-Thermostaten heimlich abmontiert?
Jedoch ganz langsam scheint sich die Zeit doch vorwärts zu bewegen. Die Menschen, die keine Grippe haben, scheinen wieder die Mehrheit zu bilden. Pläne werden gemacht. Termine ausgemacht. Das Jahr des Merkur. Schnelligkeit, Kommunikation, gute Geschäfte und immer eine Geschichte von dem großen Spiel der Götter auf Lager.

Am Freitag, den 11. März veranstalte ich eine Lesung im Opernhaus Halle (Eintritt frei). Da werd ich auch ein wenig von den großen Göttinnen und Göttern erzählen und wie sie es auch nicht besser machen als wir.



21. Februar 2005


Geduldsfäden


Ich stricke mir gerade einen Pullover aus Geduldsfäden. Der Winter zieht sich (Eigentlich werden um diese Zeit bei uns die Weinreben geschnitten). Aber alles ist weiß, kalt, starr. Nichts bewegt sich. Nichts ist im Fluss. Auß:er dem Schneeschober.

So ist wohl die Zeitqualität. Saturn und Lilith bremsen den Lauf der Welt. Wir können nichts anderes tun, als uns zu fügen. Geduldsfäden verstricken.



15. Februar 2005


Tat- Sachen


heil aus Halle zurück stecke ich noch immer in der Kraft der Lilith, dieser ungezügelten Kraft, mit der umzugehen gar nicht so leicht ist. In diesem Seminar kam zum Vorschein, dass wir mit dem Thema "wilde Frau", "Furie" oder "Lilith" offenbar jede Menge Klischees im Kopf aktivieren. Es scheint, man stellt sie sich alt, laut, ungewaschen, aggressiv und ungehobelt vor. Ach je. Dabei geht es um etwas ganz anderes. Nämlich darum, Tatsachen schaffen zu können; dem eigenen Wesen Raum zu verschaffen; um den unverfälschten Lebensausdruck; um Unbestechlichkeit; die Fähigkeit, nein zu sagen und zuzupacken. Vitalität. Elan. Biss.
Am kommenden Wochenende werden sich Frauen in Graz dieser inneren Gestalt zuwenden. Ich bin sehr neugierig, welche Facetten sich diesmal zeigen werden.

Ein anderer Aspekt des Begriffes "Tatsachen" ist in den Gesprächen in den Seminarpausen entstanden. Von mir und vom Schlangenberg macht sich so manche ein Bild, das mit Sicherheit nicht den Tatsachen entspricht. Das ist soweit nichts die Welt erschütterndes, denn ein jeder möge von Herzen nach seiner Fasson selig werden. Aber vielleicht ist es an der Zeit, ein wenig etwas klarzustellen.

Neulich fragte mich ein Herr vom Finanzamt, ob auch unsere Tiere denn alle ausschließlich weiblich wären. Bitte? Und nun gab es Erstaunen, unter den Frauen, dass außer unserem Briefträger auch andere männliche Wesen auf dem Schlangenberg ein- und ausgehen. Große Aufregung verursachte der locker angedachte Plan, zu manchen Themen ein Seminar für Frauen und Männer zu veranstalten. Hä? Wer in den Vorstellungen des Magischen Salons in Fürth gewesen ist, wird wissen, dass ich Männern zur Zeit viel zu sagen habe. So war es auch in Graz in der großen Lesung. Die Reaktion der männlichen Zuhörer hinterher war gewaltig: Dankbarkeit, Freude und Zustimmung. Viel Gefühl. Das ist doch ausgesprochen erfreulich. Wollten wir nicht immer, dass Männer sich um die Qualität ihres Innenlebens bemühen? Wozu also die Aufregung? Es gibt Zeiten, da sind Frauen unter sich. Es gibt Zeiten, da sind Männer unter sich. Und es gibt Zeiten, da sind wir miteinander. Ich lehne jede Art von Fundamentalismus ab. Auch diesen.



09. Februar 2005


Das ist nicht das Leben, das ist nur gestohlene Zeit
(aus Shakespeare in Love)

Wir Menschen haben, so scheint es, immer Angst vor dem nächsten Schritt, der getan werden muss. Es ist die Ungewissheit der Zukunft, die uns so schreckt, möglicherweise.
Das Verharren in Zuständen, Situationen oder Beziehungen, die längst der Vergangenheit angehören, welche wir bis in die Gegenwart am Leben zu erhalten versuchen, ist Kräfte raubend, ungesund und langweilig. Aber es schenkt die Illusion, dass es so etwas wie Sicherheit im Leben gibt. Aber das ist nicht das Leben, das ist nur gestohlene Zeit.
Die Frage ist, was uns aus diesem Teufelskreis befreit. Manchmal muss das Leid nur so groß werden, dass uns sogar die fürchterliche Ungewissheit einer nicht berechenbaren Zukunft weniger schrecklich erscheint. Manchmal ist es auch ein unverhofftes großes oder kleines Wunder, das uns ermutigt, den nächsten Schritt zu wagen.
Auf diese Wunder als Voraussetzung können wir nicht hoffen, das wäre vermessen. Darauf zu warten, dass Leid sich so ansammelt, bis die Lage explosiv wird, ist dumm. Bleibt also nur die elegante Lösung, deren Zauberwort lautet: Beizeiten.



04. Februar 2005


Charisma

Eines der Attribute, die mir gern beigegeben werden, ist Authentizität. Die authentische Aliti. Ich weiß dann immer nicht, ob das nun ein Kompliment ist oder nicht. Ich lasse es hier mal durchgehen und frage mich, ob es denn so viele nicht authentisch lebende Menschen gibt? Denn was sonst hätte es für eine Bedeutung, dass wir es bei manchen so betonen müssen, dass sie es sind, beziehungsweise haben?

Und wie ist ein nicht authentisches Leben? Wie fühlt sich das an? Wohin führt es, das nicht authentische Leben? Für mich ist ein nicht authentisch lebender Mensch einer, der seine wahren Lebensziele aus den Augen verloren hat. Oder einer, der über Job und Familie nicht hinaus denken kann.

Jedes Kind startet gleichermaßen in das Wunder Leben, ganz gleich, ob es eine glückliche Kindheit hat oder nicht (Ich bin ja der Ansicht, dass alle Kindheiten unglücklich sind). Jeder junge Mensch hat Sehnsüchte, Visionen, Träume von einem großartigen Leben. Wohin gerät das alles, wenn die mittleren oder schon ein wenig späteren Jahre begonnen haben? Was für ein Bild bieten wir unseren Kindern und Enkeln eigentlich? Wie ich einem Freund neulich sagte, wollen die kids von uns vor allem wissen, wie man glücklich wird. Ich könnte auch sagen, sie wollen wissen, wie man authentisch lebt. Das Bestmögliche für unsere Kinder zu wollen – gut und schön. Soll sein. Aber was ist mit den wirklich wichtigen Dingen? Dem Wunder, das das Leben ist. Wir haben eindeutig zuwenig Charismatiker in der Welt.